Peter Schöttel übernahm im Oktober 2017 den Posten des Sportdirektors von Willi Ruttensteiner.

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Sport Fußball
11/11/2019

Peter Schöttel: "Es ist eine Zeit der Reizüberflutung"

Der ÖFB-Sportdirektor über die Bedeutung der Nationalteams, Talente und die EURO 2020.

von Alexander Strecha

Seit zwei Jahren ist Peter Schöttel Sportdirektor des ÖFB. Eine Aufgabe, die Problemlösungen verlangt. Der 52-Jährige über fehlende Seitenspieler, leere Stadien und hohe Belastungen.

KURIER: Besitzt Österreich aktuell eine „Goldene Generation“ im Nationalteam?

Peter Schöttel: Wir verfügen derzeit über viele sehr gute Spieler. Viele, die im Ausland spielen, haben mittlerweile tragende Rollen bei ihren Vereinen und sind dort Stammspieler. Das alles kommt dem Nationalteam zugute.

Die Arbeit eines Sportdirektors ist auf Jahre ausgerichtet. Müssen Sie sicherstellen, dass immer wieder starke Generationen nachrücken?

Ich denke grundsätzlich, dass das möglich ist. Es ist ja nicht nur eine Generation mit Spielern, die nur zwei, drei Jahre auseinanderliegen. Im aktuellen Team gibt es über 30-Jährige, aber genauso 20-Jährige. Wir haben in Bezug auf die Altersstruktur eine gute Mischung. Es würde uns vermutlich nicht aus der Bahn werfen, wenn zwei Spieler aufhören würden.

Aber es gibt nach wie vor Positionen, wo man nicht breit aufgestellt ist. Beim Tormann, bei den Stürmern oder Außenverteidigern. Sehen Sie das ähnlich?

Bei den Innenverteidigern gibt es eine große Konkurrenz. Dort haben wir eine enorme Qualitätsdichte, die wir auf diesem Niveau auf anderen Positionen nicht besitzen. Was die Seitenspieler betrifft, so tun wir uns schon seit einigen Jahren auch bei den Nachwuchs-Teams schwer. Wenn wir unsere U15 Sichtungen haben, dann sind von den 80 Talenten 50 bis 60 zentrale Mittelfeldspieler oder Innenverteidiger.

Hängt diese Entwicklung mit der Ausbildung in den Akademien zusammen?

Ich bin mir nicht sicher, glaube eher, dass dies von klein auf so ist. Als ich ein Kind war, wollten wir alle Stürmer oder Tormann sein. Ich mache die Beobachtung, dass derzeit viele einfach im Zentrum spielen wollen. Das Spiel der Zukunft wird aber noch schneller und führt vermutlich mehr über die Seite. Unser Thema ist daher, Talente zu fördern, die athletisch und technisch top sind und ein großes Geschwindigkeitspotenzial besitzen.

Die EURO ist einen Schritt entfernt. Wie laufen im Hintergrund die Planungen?

Sie laufen schon seit einigen Monaten unter der Leitung von Bernhard Neuhold. Wir müssen ja für den Fall der Fälle vorbereitet sein, vor allem weil diese EURO speziell ist mit den zwölf Spielorten in ganz Europa. Wir sind aber auch abhängig von der Auslosung Ende November.

Wie groß ist die Chance, dass man nach der Auslosung doch noch in eine andere Gruppe verschoben wird?

Zu 99 Prozent bleibt man in der Gruppe. Wenn ein Gastgeber nachträglich über die Nations League in die Gruppe kommt, verschiebt sich noch etwas. Wir sind auf alle Varianten vorbereitet.

Wo wird der ÖFB das Teambasecamp aufschlagen? Sponsor Burgenland wäre eine nahe liegende Wahl.

Es gibt einige Überlegungen, die auch von der Auslosung abhängig sind. Das Burgenland ist natürlich eine sehr attraktive Option.

Waren Sie zuletzt vom Zuschauer-Zuspruch enttäuscht?

Die Kulisse beim Heimspiel gegen Israel hat mich schon enttäuscht. Es handelte sich um ein Schlüsselspiel, zudem mit dem Österreicher-Bezug beim Gegner. Jetzt haben wir die Möglichkeit alles zu fixieren, daher würde es mich überraschen, wenn das Stadion gegen Nordmazedonien nicht voll wäre.

Gewinnen die Klubmannschaften einfach immer mehr an Bedeutung, werden die Nationalteams immer unwichtiger?

Wir leben in einer Zeit, in der eine Reizüberflutung stattfindet. Du hast permanent die besten Mannschaften der Welt, daheim gemütlich sitzend, vor Augen. Dennoch werden Nationalteams ihr Standing behalten, obwohl sich viel verändert hat. Vereine sind mittlerweile im Fußballgeschäft sehr mächtig, viel Geld wird umgesetzt, Spieler werden an ihre Belastungsgrenzen und darüber hinaus geschoben. Manchen Vereinen macht es daher nichts aus, wenn ihre Spieler mal nicht im Nationalteam spielen. Es wäre aber ein Fehler, die Nationalteams in die zweite Reihe zu schieben.

Es gab zuletzt ein paar Themen, die nicht nach Wunsch verliefen. In der Causa Ashley Barnes hat der ÖFB keine gute Figur gemacht, auch beim Nationalstadion blitzte man ab. Wie sehen Sie das?

Konkret kann ich auf den Fall Ashley Barnes eingehen. Das war eine sehr unangenehme Geschichte, vor allem dem Spieler gegenüber. Weil wir ein Jahr lang von der Politik klare Signale erhalten haben, dass die Einbürgerung von statten gehen wird. Und dann ist es auf eine Art und Weise nicht zustande gekommen, wie es für uns nur schwer zu akzeptieren war. Nicht, weil wir schlecht dastanden, sondern weil wir dem Spieler gegenüber nicht zu unserem Wort stehen konnten. Das hat uns sehr beschäftigt. Es war nicht korrekt, wie mit ihm und mit uns umgegangen wurde.

Ihr Job verlangt Weitblick. Wie legen Sie das an?

Ich habe zum Glück gute Leute hier im ÖFB. Wenn man von der Sport-Kompetenz spricht, dann haben wir die ganze Bandbreite von Experten hier: einerseits langjährige Coaches, die aus einer erfolgreichen aktiven Karriere gekommen sind, andererseits enorm strategisch und innovativ denkende Typen. Ich bin begeistert, wie professionell und kreativ gearbeitet wird.

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