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Sport Fußball
11/10/2021

ÖFB-Neuaufbau: Neben dem Teamchef wackelt auch der Sportdirektor

Präsident Milletich hat Thomas Janeschitz gefragt, ob er sich den hochrangigen Job vorstellen kann. Beide dementieren nicht.

von Andreas Heidenreich

„Eine Baustelle Schöttel mache ich mir jetzt sicher nicht auf“, hatte Gerhard Milletich Ende Oktober gesagt. Besonders gut muss man nicht zwischen den Zeilen lesen können, um zu wissen: Wo über eine Baustelle gesprochen wird, gibt es offenbar Bedarf für Erneuerung. Und wie es aussieht, hat der neue Präsident hinter den Kulissen schon mit ersten Abrissarbeiten im Hause ÖFB begonnen.

KURIER-Informationen zufolge hat sich der Burgenländer bereits bei Thomas Janeschitz danach erkundigt, ob er sich den Top-Job vorstellen könne.

Zeit für die Aufgabe hätte der Wiener jedenfalls. „Ich bin gerade bei Loch drei“, sagt der 55-Jährige, als ihn der Anruf des KURIER am Golfplatz erreicht. Auf die Anfrage Milletichs angesprochen, sagt Janeschitz: „Da gibt’s im Grunde noch nichts dazu zu sagen. Es ist alles möglich.“

Ein Dementi klingt anders. Fehlendes Interesse ebenso. „Ich bin auf der Suche und denke, dass ich von meinem CV her durchaus interessant sein könnte“, verweist der studierte Pädagoge (Mathematik und Sport) auf seinen Lebenslauf, in dem auch acht Dienstjahre beim ÖFB als Nachwuchsteamchef, Leiter der Trainerausbildung und Assistent von Teamchef Marcel Koller bis zum Jahr 2017 zu finden sind.

Und siehe da, auch Gerhard Milletich dementiert das Gespräch nicht: „Ich habe mit vielen Leuten gesprochen, einer davon war Herr Janeschitz“, sagt der neue ÖFB-Boss. „Er hat mir gesagt, dass er frei und zu haben ist, falls ich ihn brauche. Wofür auch immer.“

Zunächst gelte es aber, die beiden kommenden Länderspiele in Klagenfurt gegen Israel und die Republik Moldau abzuwarten. Danach wird der amtierende Sportdirektor einen Bericht abliefern.

Das fehlende Konzept

Dieser hört auf den Namen Peter Schöttel. Und Fakt ist: Dessen Ära beim ÖFB steht bereits seit dem ersten Tag als Sportchef unter keinem guten Stern. Und das ist nicht unbedingt nur ihm selbst zuzuschreiben. Bei seiner Präsentation im Oktober 2017 hatte die Rapid-Legende zu seinen Plänen gesagt: „Ich sage es Ihnen ehrlich: Ich kann Ihnen kein detailliertes Konzept geben.“

In der Tat wurde ein solches vor vier Jahren von Seiten der ÖFB-Führung auch gar nicht eingefordert. Der damalige Präsident Leo Windtner sagte: „Die Frage ist: Wem traut man zu, den Fußball nach vorne zu bringen.“ Und das traf zum Zeitpunkt der Demontage Willi Ruttensteiners offenbar auf den damaligen Unter-19-Teamchef Peter Schöttel zu.

Der Besonnene

Der Wiener präsentierte sich intern stets als Gegenpol zu seinem Vorgänger. Im Vergleich zu Ruttensteiner ist er ob seines besonnenen und umgänglichen Führungsstils intern durchaus nicht unbeliebt, jedoch schaffte er es in all den Jahren nicht, sein Profil nach außen hin zu schärfen. Und es wäre zu einfach, diesen Umstand darauf zurückzuführen, dass er dem Teamchef nicht überstellt und dieser ihm umgekehrt in keinem Fall weisungsgebunden ist.

Zu oft hatte man bei Schöttel in den jüngsten Monaten bei offensichtlichen Fehlentwicklungen im A-Nationalteam das Gefühl, er wolle Dinge schönreden. Die Chance, sich neben dem Teamchef als zweite Säule im sportlichen Bereich zu manifestieren, nützte er nicht. Und das, obwohl er intern durchaus auch kritischere Töne anklingen hat lassen.

Welchen Einfluss das Abschneiden des Teams gegen Israel und Moldau auf sein Wirken haben wird, bleibt abzuwarten. So wie etwa auch alle Nachwuchs-Teamchefs hat auch der 54-jährige Schöttel beim ÖFB einen unbefristeten Vertrag.

Jener von Thomas Janeschitz als Co-Trainer beim FC Basel ist 2020 abgelaufen. Ob der einfache Teamstürmer noch lange Zeit haben wird, sein Golf-Handicap zu verbessern? Und welche Rolle könnte in weiterer Folge sein Trauzeuge spielen? Dieser ist ... Marcel Koller.

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