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07.08.2017

ÖFB-Frauen: Nach der EM ist vor der WM

Österreichs Fußballerinnen starten im September in die Qualifikation für die WM 2019 - und wieder wartet Spanien.

"Keine Fata Morgana" soll das Nationalteam nach der EM in den Niederlanden bleiben, so ÖFB-Präsident Leo Windtner. Für eine Fata Morgana ist der Erfolg des Teams jedoch äußerst real: "Halbfinalisten: Österreich & England" liest sich auf der offiziellen Website der UEFA.

Die Nationalmannschaft nahm die EM im Sturm, besiegte die Schweiz und Island, spielte gegen Frankreich Remis und schlug Spanien im Elfmeterschießen. Mit mentaler Stärke, starker Defensivarbeit und taktischer Variabilität bahnte man sich den Weg durch den Wettbewerb, bis man im Halbfinale gegen Dänemark ausschied. Ein weiteres Zeugnis der starken Leistung: Verena Aschauers Wahl in die Elf des Turniers. Die 23-jährige Linksverteidigerin ist neben fünf Niederländerinnen, drei Engländerinnen und zwei Däninnen als einzige Österreicherin vertreten. Trotz aller Freude warnte Trainer Dominik Thalhammer jedoch: "Man kann nach so einem großen Erfolg auch in ein Loch fallen. Dem muss man entgegenwirken."

Auftakt

Viel Zeit dafür bleibt dem Team jedoch nicht: Am 19. September trifft die Mannschaft auswärts auf Serbien, die nächste Herausforderung wartet: In der WM-Qualifikation ist man nicht mehr der große Außenseiter, nicht mehr der Underdog.

Hier geht es gegen Serbien und Israel, die sich noch nie für ein Großereignis qualifizieren konnten, gegen Finnland, das dies zuletzt bei der EM 2013 schaffte und dort in der Gruppenphase ausschied - und gegen Spanien. Auch in der WM-Qualifikation nimmt Österreichs Viertelfinalgegner der EM die Favoritenrolle ein. "Gegen Spanien hat sich an der Ausgangslage nichts geändert", so Thalhammer.

Für die Mannschaft gilt es nun, das Momentum, das man bei der EM besaß, in die nächsten Spiele mitzunehmen. Einfach ist dies jedoch nicht immer: Nicht selten sehen sich Teams, deren Spiel eine erstaunliche Leichtigkeit und Eigendymanik entwickelte, nach einem einschneidenden Ereignis - für Österreich wäre das das Erreichen des Semifinales bzw. die Niederlage gegen Spanien - einem verheerenden Absturz entgegen: das von Thalhammer angesprochene Loch. "Bei der EM hat alles für uns zusammengepasst, das darf man nicht überbewerten", so Sarah Puntigam.

Eine WM-Qualifikation stellt schließlich eine andere Herausforderung als eine Europameisterschaft dar: Statt kurzen Abständen zwischen den Spielen und der Möglichkeit, sich komplett auf das Turnier zu konzentrieren, finden die Duelle der Qualifikationsphase teilweise mit großen zeitlichen Abständen voneinander statt: Zwischen dem dritten Qualispiel auswärts gegen Spanien und dem vierten zuhause gegen Serbien liegen über vier Monate. So fehlt vielleicht die Dynamik, die das Team durch den Bewerb trägt.

Kleine Bühne

Dass man statt vor tausenden Zuschauern in den Niederlanden "vor 30 Zuschauern" auswärts gegen Serbien spielt, wie Thalhammer mutmaßte, darf die Moral der Spielerinnen auch nicht untergraben. "Da muss man darauf achten, dass es in die richtige Richtung geht", so der Teamchef.

Angesichts des großen Zusammenhalts und der mentalen Stärke der Österreicherinnen ist es jedoch gut möglich, dass sich das Nationalteam über diese Hürden hinwegsetzen und langfristig gute Leistungen zeigen kann. Um sich für die WM 2019 zu qualifizieren, benötigt es diese defintiv: Nur der Gruppenerste erhält das ersehnte Ticket nach Frankreich, die vier besten Zweiten müssen im Play-off antreten. Druck würden sich die ÖFB-Spielerinnen laut Nina Burger jedoch nicht machen, man "müsse sich nicht für die WM qualifizieren".

Das Vertrauen in das Spielsystem und in die Mannschaft selbst ist ungebrochen: "Ich glaube, dass unsere Spielphilosophie, Idee und Herangehensweise für viele Trainer interessant sein werden", sagte Viktoria Schnaderbeck. Man müsse jedoch damit rechnen, dass sich die Gegner des Nationalteams auf die Spielweise der Österreicherinnen einstellen. Somit fügte die Kapitänin hinzu: "Das Geschäft ist kurzlebig, wir müssen daher auch innerhalb des Teams neue Taktiken entwickeln." Dominik Thalhammer ist sich indes sicher, dass die Mannschaft "viel Potenzial für die Zukunft haben kann" - bei einem Durchschnittsalter von 23 Jahren haben viele Spielerinnen jedenfalls noch lange Karrieren vor sich.

Bodenständig

Mit dem Halbfinaleinzug bei der EM und der großen Euphorie, die die Nationalelf in Österreich auslöste - das Viertelfinalspiel gegen Spanien sahen bis zu 1,23 Millionen Zuschauer im ORF - stieg auch die Erwartungshaltung an das Team. Laut Sarah Zadrazil wisse man jedoch immer noch, wer man sei. Nina Burger verkündete: "Wir bleiben bodenständig, an unserer Einstellung ändert sich nichts." Keine schlechten Vorzeichen.

Die Spieltermine des Frauen-Nationalteams (Qualifikation/WM 2019):

19. 9. 2017: Serbien - Österreich

23. 11. 2017: Österreich - Israel

28. 11. 2017: Spanien - Österreich

5. 4. 2018: Österreich - Serbien

10. 4. 2018: Österreich - Spanien

8. 6. 2018: Finnland - Österreich

12. 6. 2018: Israel - Österreich

4. 9. 2018: Österreich - Finnland