Sport | Fußball
31.05.2018

NÖ-Derby in letzter Minute: Relegation wird zur Baustelle

St. Pölten und Wiener Neustadt sind sauer, müssen aber um den letzten Platz in der Zwölferliga spielen.

Der SKN lud Mittwochfrüh ins St. Pöltner Lokal „Schau.Spiel“, um über die kommende Saison in der neuen Zwölferliga zu informieren. Nachdem verspätet und für die Bundesliga überraschend entschieden wurde, dass Hartberg aufsteigen darf, war naturgemäß die Relegation das große Thema.

„Die Entscheidung passt wie der Lokalname zu unserer ganzen Saison: Ein Theater“, meint der künftige SKN-Präsident Helmut Schwarzl.

Der KURIER liefert Antworten:

Die Bundesliga hat Hartberg in zwei Instanzen die Lizenz verweigert. Warum gibt es jetzt doch eine Relegation und die Steirer steigen auf?

Das Ständig Neutrale Schiedsgericht agiert als letzte Instanz unabhängig. Die Bundesliga wurde deswegen überrumpelt, weil gleich zwei Hindernisse (verspätete Ausgliederung des Profibetriebs; finanzielle Sicherheiten für den nötigen Stadionumbau) anders ausgelegt wurden als von den Bundesliga-Juristen. Vorstand Herovits ist entsetzt und meint gegenüber 90minuten.at, dass die Entscheidung „nicht nachvollziehbar“ sei.

Werden sich die beiden NÖ-Klubs wehren?

Sauer sind beide, offensiver wird die Kritik von St. Pölten geäußert. „Wobei es sportlich gerechtfertigt ist, dass wir in die Relegation müssen“, wie SKN-Manager Andreas Blumauer sagt. „Aber durch die extrem späte Entscheidung können die Spiele kaum vermarktet werden. Obwohl die Relegation wie in Deutschland großes Potenzial hätte, wird sie für beide Klubs zum Verlustgeschäft.“ Schwarzl kündigt an: „Wir werden uns mit Neustadt abstimmen, ob wir gemeinsam Schadenersatz von der Liga einfordern.“

Wie können Fans bei den Derbys dabei sein?

„Die Organisation des Spiels ist für uns schon eine Katastrophe und Farce. Für Wiener Neustadt ist es noch schlimmer“, meint Blumauer. Der Zweitligist hatte nicht einmal 48 Stunden Zeit, um sich auf den vielleicht größten Andrang der Saison vorzubereiten. Einig sind die Klubs bei den Ticketpreisen: Der zwölfte Mann soll mit 12 Euro pro Karte in die Stadien gelockt werden. Abo-Besitzer haben freien Eintritt.

Im linearen TV ist die Relegation nicht zu sehen, auf skysportaustria.at werden beide Partien aber kostenlos und unverschlüsselt vom Pay-TV-Sender gestreamt.

Wie stehen die Chancen sportlich?

„Wir werden noch einmal alles mobilisieren“, kündigt Neustadt-Trainer Roman Mählich an. Der Außenseiter hat nach einem Hänger im Frühjahr zuletzt Ried überholt und mit Hamdi Salihi die personifizierte Torgarantie im Sturm aufzubieten.

SKN-Trainer Dietmar Kühbauer reiste Mittwochfrüh mit seinem Team in ein Kurztrainingslager nach Lindabrunn. Am Selbstvertrauen muss in der Sportschule nach drei Siegen in Folge nicht mehr geschraubt werden: Die SKN-Spieler fühlen sich nach der Abkehr vom monatelang erfolglos praktizierten Ballbesitzfußball wohler und freuen sich, dass Kühbauer auch in der kommenden Saison bleiben will.

Unabhängig vom Ausgang der Relegation.