Sport | Fußball
06.03.2014

Kosovo: Ein Debüt mit Startproblemen

Der Kosovo erreicht im ersten offiziellen Länderspiel ein 0:0 gegen Haiti.

Der Kosovo ist zwar nicht Mitglied der FIFA und doch durfte man gestern gegen ein FIFA-Mitglied spielen – in Mitrovica gegen Haiti. Außenminister Enver Hoxhaj twitterte: „Das erste internationale Freundschaftsspiel gegen Haiti hat eben begonnen. Ein großer Tag für den Sport im Kosovo.“ Die Partie gegen die Nummer 79 der FIFA-Weltrangliste endete mit einem 0:0.

Muss die Schweiz jetzt Angst haben, dass ihnen Top-Spieler wie Valon Behrami, Xherdan Shaqiri und Granit Xhaka abhanden kommen? Bayerns Shaqiri sagt: „Solange die Situation derart unklar ist wie jetzt, werde ich nicht aktiv teilnehmen.“ Und wenn die FIFA ihr Reglement so anpasst, dass er für ein FIFA-Mitglied Kosovo spielen könnte? „Dann werde ich die Situation neu beurteilen. Ich gehe aber davon aus, dass es frühestens in drei Jahren so weit sein dürfte.“

Große Hoffnung setzte man im Kosovo auf einen Auftritt von Adnan Januzaj, dem 19-jährigen Jungstar von Manchester United. Der Sohn kosovarischer Eltern ist in Belgien geboren und Wunschspieler verschiedenster Verbände. Er könnte für Belgien spielen, für Albanien, für die Türkei, in weniger Jahren für England. Oder eben für den Kosovo.

Premierminister Behgjet Pacolli hatte ihn darum gebeten. Eroll Salihu, Generalsekretär des Verbandes, sagt: "Die Einladung hat symbolischen Charakter. Wir denken aber, dass er es seinem Volk schuldet, am Match teilzunehmen. Selbst wenn es nur für 15 Minuten wäre."

Absage

Die Onkel von Januzaj hatten vor zwei Jahrzehnten in der kosovarischen Befreiungsarmee gekämpft. Januzaj kämpft aber nicht für das Land seiner Eltern, er sagte eine Reise zum Spiel ab.

Nicht aber Albert Bunjaki. "Das ist der Start unseres Weges zur WM 2018, die Qualifikation beginnt im September 2016", sagt der 42-Jährige, der mit 20 Jahren nach Schweden geflüchtet ist und seit 2009 die Nationalmannschaft des Kosovo betreut.

Geschätzte 800.000 Menschen flüchteten vor dem Bürgerkrieg. Die Kinder dieser Diaspora spielen in ganz Europa Fußball. Viele der Spieler, die Bunjaki einberufen hat, kommen aus der Schweiz und Skandinavien – darunter auch der von Salzburg an Sandnes Ulf verliehene 17-jährige Zymer Bytyqi. "Aber wir haben keinen Spieler geholt, der aktuell bei einem anderen Nationalteam spielt", sagt der Teamchef. "Aber wenn der Kosovo von der FIFA aufgenommen wird, dann sollten alle wählen dürfen, ob sie wechseln wollen."

Der weite Weg in die Fußball-Weltfamilie

Der Fußball-Weltverband nimmt nur souveräne Staaten auf. Färöer wurden Ende der 80er-Jahre das letzte FIFA-Mitglied, das kein anerkannter Staat ist. Seither scheiterten unter anderem Grönland und Tibet an der Aufnahme in den Weltverband. Vor allem die politischen Differenzen zwischen Spanien und England bezüglich Gibraltar gaben den Ausschlag für diesen FIFA-Kurs.

Doch just Gibraltar wurde zum jüngsten FIFA-Mitglied und nimmt erstmals an der EM-Qualifikation teil. Der verfassungsrechtliche Trick: Weil Gibraltar nicht zu Großbritannien gehört, sondern nur ein Teil des Königreichs ist (wie z. B. unzählige Staaten in der Karibik).

Falls Regionen wie Katalonien um Aufnahme ansuchen würden, würde sich die FIFA hinter dem Völkerrecht verstecken. So wie beim Kosovo, der erst FIFA-Mitglied werden darf, wenn er UNO-Mitglied ist. Dafür braucht es eine Zweidrittelmehrheit der 193 Mitgliedstaaten – bisher haben 106 Länder den Kosovo anerkannt.