Favorit: Martin Bruckner (li.)

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Sport Fußball
03/20/2019

Neuer Rapid-Präsident? Martin Bruckner ist der Favorit

Der Mann für die Zahlen im aktuellen Rapid-Präsidium soll Vereinsboss Krammer nachfolgen. Barisic passt ins Konzept.

von Alexander Huber

Michael Tojner, Hans Peter Doskozil, Dietmar Hoscher, Martin Bruckner, Nikolaus Rosenauer, Andreas Treichl, Josef Ostermayer, Karl Schlögl, Ernst Dokupil, Brigitte Annerl – das ist die (chronologisch gereihte) Liste der öffentlich genannten Namen, seit Michael Krammer angekündigt hat, nicht mehr als Rapid-Präsident anzutreten. Echte Kandidaten für das im November zu vergebende Ehrenamt sind von den neun Herren und einer Frau aber nur die wenigsten.

Entweder wurden sie ins (mediale) Spiel gebracht, wollen aber gar nicht. Oder sie werden zu wenig gewollt. Denn beim Mitgliederverein Rapid genug Unterstützung zu organisieren, um dann auch eine offizielle Kandidatur zu wagen, ist gar nicht so einfach. Aber dazu später.

Zwei, die auf jeden Fall gewollt hätten, haben sich gegenseitig aus dem Rennen genommen: Doskozil und Tojner waren gemeinsam im Rapid-Beirat und per Du, jetzt sind sie Gegner in einem eskalierenden Rechtsstreit (um eine Wohnbaugesellschaft) und per Sie.

Außerdem wird der umstrittene „Heumarkt-Turm“ von Tojner gerade zum Wahlkampf-Thema in Wien.

Hoscher ist als Vorsitzender des Kuratoriums bestens vernetzt bei Rapid. Doch dem Casinos-Vorstand nehmen viele übel, dass er als logischer Edlinger-Nachfolger 2013 doch nicht wollte und einen Stadionbau in Hütteldorf für unrealistisch hielt.

Teamarbeit

Noch nicht so gut vernetzt, aber sehr motiviert ist Roland Schmid. Der Boss von Rapid-Sponsor IMMOunited könnte Teil eines Teams werden. Der Weg zum Präsidentenamt ist nämlich keine One-Man-Show, sondern Teamwork: Um vor dem Wahlkomitee zu bestehen, muss jeder Kandidat ein vollständiges Team mit Aufgabenverteilung präsentieren, plus ein Konzept für den gesamten Verein bis Ende 2022.

Im Team Krammer ist Vizepräsident Nikolaus Rosenauer für „Recht, Versicherungen, Organisation“ zuständig, Martin Bruckner für „Finanzen, Controlling und Finanzierung“. Rosenauer, der seit 25 Jahren ehrenamtlich für die jeweilige Klubführung arbeitet, sagt: „Ich würde gerne weiterhin Rapid dienen.“ Aber nicht an der Spitze.

Offizielle Unterstützung

Bruckner hat sich nach sechs Jahren im Präsidium hingegen bereit erklärt, selbst als Präsident anzutreten. Rosenauer bestätigt gegenüber dem KURIER: „Ich halte Martin Bruckner für den am besten geeigneten Präsidentschaftskandidaten und unterstütze sein Team.“

In das derzeit achtköpfige Präsidium sollen auch einige neue Personen. Bruckner selbst gilt als seriöser und uneitler Rechner, arbeitet seit 30 Jahren für die Allianz Investmentbank und ist seit 20 Jahren dort Vorstand. Äußern will sich der 54-jährige Wiener aber nicht vor der offiziellen Bestellung des Wahlkomitees Ende Juni.

Entscheidend ist die Zusammensetzung dieses Gremiums: eine Stimme für die Vertretung des (aktuellen) Präsidiums, zwei für das Kuratorium und drei für die Mitglieder. Die bei Rapid gut organisierten Mitgliederorganisationen hatten bereits Gespräche mit dem Team Bruckner.

Ein Insider meint nach der Präsentation der Pläne: „Die Mehrheit ist Bruckner und seinem Team kaum noch zu nehmen.“

Barisic-Fan

Mit der bevorstehenden Kandidatur von Bruckner erscheint auch die geplante Rückkehr von Zoran Barisic in neuem Licht: Sportdirektor Fredy Bickel hatte bei seinem jährlichen Kampf um mehr Risikobereitschaft und Transferausgaben, bevor noch ein Spieler verkauft ist, in Bruckner seinen härtesten Widersacher. Der Finanzer will lieber mehr Rapid-Talente statt teure Legionäre. Mit einem Präsidenten Bruckner wäre Bickel nicht kompatibel, auch deshalb wird sich Krammer demnächst mit dem Schweizer unterhalten.

Von Ex-Trainer Barisic hatte Bruckner eine höhere Meinung als manch anderes Präsidiumsmitglied. Wenn Barisic bereits in der Länderspielpause als Sportdirektor übernimmt, würde die Nachwuchsförderung sofort forciert werden.

Dass auf Krammer eine Sparefroh-Ära folgen soll, verneint Rosenauer vehement: „Unser Ziel ist sicher nicht, mehr Eigenkapital zu haben, sondern mehr Erfolg.“