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16.12.2011

Neuer alter Jugend-Förderer in Violett

Manfred Schmid erklärt, warum er künftig lieber die Talente der Austria als die Profis von Wr. Neustadt trainiert.

Dass Manfred Schmid als Assistent von Trainer Peter Stöger Bundesligist Wiener Neustadt mit Jahresende verlässt, um in der Austria-Akademie Individualtrainer zu werden, ist kein Geheimnis mehr.

Dass seine Entscheidung mancherorts als Rückschritt bewertet wird, stört ihn nicht. "Auf den ersten Blick mag es vielleicht so aussehen", sagt der 40-Jährige. "Für mich ist es aber ganz und gar nicht so." Dementsprechend überzeugend wirkt Schmid, wenn er seine Beweggründe erklärt. "Als ich Trainer geworden bin, war es mein Ziel, ganz nach oben zu kommen." Daran habe sich prinzipiell nichts geändert. "Aber ganz oben bedeutet für mich heute nicht mehr unbedingt die höchste Liga, sondern die Qualität meiner Arbeit."

Auszeichnung

Dass sich die violetten Vorstände Thomas Parits und Markus Kraetschmer ebenso stark um ihn bemüht haben wie Akademieleiter Ralf Muhr, hat Schmid die Entscheidung erleichtert. "Wenn mich diese Herren unbedingt wollen, dann ist das eine Auszeichnung", betont Schmid, der zwischen 1988 und und 2002 nicht weniger als 284 Pflichtspiele für die Austria bestritten und drei Meistertitel gefeiert hat.

In Favoriten wird sich Schmid künftig mit jener Thematik beschäftigen, die ihm besonders zu liegen scheint. Seine Diplomarbeit, die er im Zuge der UEFA-Pro-Lizenz erstellt hat, trägt den Titel "Individualtraining im Profifußball anhand des Beispiels Alex Grünwald". Die heutige Nummer 10 der Austria zählte bereits in der U 15 zu seinen Schützlingen, später auch in der U 19, bei den Austria Amateuren und in Wiener Neustadt.

"Schmid ist es immer am Herzen gelegen, dass ich mich entwickle", sagt Grünwald. "Er hat einen großen Anteil an meinem Werdegang." Neben Grünwald hat Schmid auch die Wiener Neustädter Simkovic, Madl, Ramsebner und Schicker von der Jugend bis in die Bundesliga betreut. Die zwischenmenschliche Bindung spielte dabei stets eine wichtige Rolle. Schmid: "Ich habe das private Umfeld der Spieler, die Eltern und Freundinnen gekannt. Wenn man mit diesen Einflüssen und Umständen vertraut ist, erkennt man auch den Grund, warum einer seine Leistung nicht bringt und kann dementsprechend reagieren."

Detailarbeit

Die Erfahrung, die Schmid bereits von 2003 bis 2008 als Nachwuchstrainer bei der Austria gesammelt hat, sei nicht nur in puncto Menschenführung, sondern auch aus sportlicher Sicht von immenser Bedeutung.

Dass der ÖFB heute in der Trainerausbildung Ex-Profis begünstigt, indem er ihnen das vorgeschriebene Praxisjahr als Nachwuchstrainer anrechnet, wenn sie mehr als 150 Bundesliga- oder 10 A-Länderspiele bestritten haben, hält Schmid für den falschen Weg. "Im Nachwuchs musst du dich viel mehr mit Detailarbeit beschäftigen. Du lernst, Spieler auszubilden anstatt sie einfach auszutauschen." Eine Eigenschaft, von der er heute profitiere: "Ich bin überzeugt davon, dass ich dadurch heute mehr sehe."

Eine Rückkehr ins Profigeschäft sei trotz allem nicht auszuschließen. "Natürlich will ich nach wie vor einmal Cheftrainer werden. Ich bin sicher, dass ich mit meiner Erfahrung ideal darauf vorbereitet wäre."

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