Sport | Fußball
10.11.2016

"Piefke" Harnik ist das Team-Fossil

Martin Harnik spielte 61-mal im Team, so oft wie kein anderer im aktuellen Kader.

Es begann vor nicht ganz zehn Jahren. "Piefke" stand auf einer Trinkflasche bei der Vorbereitung der österreichischen Auswahl für die U-20-Weltmeisterschaft. "Ich war leicht verkühlt und wollte nicht, dass wer daraus trinkt und sich vielleicht ansteckt", erzählt Martin Harnik. "Ich bin und bleibe halt der Piefke", sagte der Sohn einer Deutschen und eines Steirers, der in Hamburg aufgewaschen ist, neun Jahre später.

Mit 29 Jahren ist er "irgendwie der Exot in der Mannschaft", aber auch das Fossil im österreichischen Nationalteam. 61-mal trug er das Teamtrikot seines Vater-Landes, kein anderer im aktuellen Kader von Marcel Koller hat so oft im Team gespielt. Gleich nach der U-20-WM feierte er sein A-Teamdebüt mit einem wunderschönen Tor gegen Tschechien. Es sollten noch 13 folgen. Damals kam er bei Bremen zu sporadischen Einsätzen bei den Profis, wurde an Zweitligist Düsseldorf verliehen. Erst in den sechs Jahren in Stuttgart etablierte er sich im deutschen Oberhaus.

Verpasste Vorbereitung

Nach dem Abstieg wechselte er im Sommer zu einem anderen Absteiger, nach Hannover – wo er einen holprigen Start hinlegte. "Wegen der EM und des späten Vereinswechsels habe ich die Vorbereitung verpasst. Ich hätte nicht gedacht, dass ich das so spüre." Erst jetzt hat er die Power, um über 90 Minuten alles geben zu können. Erst jetzt sind die Wehwehchen weg, weshalb er nicht im Kader für die Länderspiele gegen Wales und Serbien war.

" Sabi hat seine Sache gut gemacht", sagt er über seinen Ersatz Marcel Sabitzer. Und er wäre nicht beleidigt, wenn er gegen Irland (Samstag, Wien, Ernst-Happel-Stadion, 18 Uhr, live ORFeins) nicht spielt. "Ich habe ja schon in Hannover Joker-Qualitäten gezeigt", erklärte er. Fünf Tore hat er in den jüngsten drei Pflichtspielen erzielt.

Der Jung-Vater ist eigentlich ein sensibler Typ. Was man manchmal nicht glauben mag, weil er auch der Profi im Team ist, der immer für einen flotten Spruch gut ist. So sagt er zum Spiel gegen die Iren: "Die Iren stehen für Leidenschaft, Zweikampfstärke und Kompromisslosigkeit. Ich würde drei Mal lieber gegen Ibrahimovic spielen als gegen solche Kampfsäue."

EM-Veteranen

Harnik ist einer von fünf Österreichern, die bei zwei EM-Endrunden dabei waren. Fuchs hat inzwischen die Teamkarriere beendet, Garics ist vereinslos und Prödl fehlt verletzt. Also ist derzeit nur Ramazan Özcan im Kader. Der war bei beiden EM-Endrunden als Ersatzgoalie aber nie im Einsatz.

Bei Marcel Koller ist der 32-Jährige derzeit die Nr. 1, weil sich Robert Almer schwer verletzt hat. Özcan steht vor einer Premiere, im ausverkauften Stadion im Prater steht er nach neun Teamspielen (davon acht unter Marcel Koller) erstmals daheim in einem Pflichtspiel in der Startelf. "Bei mir ist die Bilanz nicht wirklich ein Thema", sagt der gebürtige Vorarlberger. Und: "Ich gebe zu, dass ich Fehler gemacht habe, doch deswegen mache ich mir keinen Kopf."

Insgesamt 573 Minuten hat er den Teamtormann-Dress auf dem Feld getragen, dabei 13 Gegentore kassiert, das macht ein Tor alle 44 Minuten. Erst einmal hat er kein Tor kassiert, als er in den letzten 32 Minuten gegen Wales Almer ersetzt hat.