Rapinoe über den Kapitol-Sturm: Starke Worte einer starken Frau

Rapinoe über den Kapitol-Sturm: Starke Worte einer starken Frau
Der Fußballstar legte sich in der Vergangenheit immer wieder mit Trump an und schrieb ein Buch.

Megan Rapinoe muss einfach den Mund aufmachen. „Fox News hat den einen unpatriotisch genannt, den anderen einen friedlichen Protestierer“, ist in ihrem Twitter-Feed zu lesen. Zu sehen ist ein Kapitolstürmer auf der einen, ein kniender Footballspieler auf der anderen Seite.

Im Sommer 2016 war Rapinoe selbst vor einem Spiel beim Abspielen der US-Hymne auf die Knie gegangen. Als erster weißer Sportstar setzte sie dieses Zeichen der Solidarität mit Black Lives Matter und mit Colin Kaepernick, der eine Woche zuvor niedergekniet war. „Ich glaube, viele Weiße machen sich nicht klar, dass wir seit vierhundert Jahren mit eingebauter Vorfahrt unterwegs sind“, schreibt sie in ihrer im November erschienenen Autobiografie „One Life“.

Die 35-jährige Kapitänin des US-Nationalteams wuchs in Kalifornien auf, der Vater Bauarbeiter, die Mutter Kellnerin, fünf Geschwister, darunter ein Bruder, der wegen Drogenproblemen im Gefängnis landete. Im Vorwort ihres Buches schreibt sie: „Wenn jemand im Leben so viel Glück hatte wie ich, ist es ja wohl das Mindeste, den Mund aufzumachen und die Dinge beim Namen zu nennen.“ Zum Beispiel, als sie sich vor den Olympischen Spielen 2012 outete: „Ich bin lesbisch, ich bin Profisportlerin, und das sollen ruhig alle wissen.“

Oder aber beim Kampf um gleiche Gehälter für Männer und Frauen – auch im Fußball. Berühmt geworden ist ihre präventive Weigerung, das Weiße Haus nach der WM 2019 zu einem möglichen Siegesempfang durch Donald Trump zu betreten: „I’m not going to the fucking White House.“ Auf dem Weg zum Titel hatte sie sich auf Twitter ein Duell mit Trump geliefert, den sie bei der Gelegenheit als Spaltpilz der amerikanischen Gesellschaft bloßstellte.

Politische Influencerin

Seit 2019 kann man sie in eine Reihe jener stellen, die – mit dem US-Team – über den Sport die Gesellschaft verändert haben. Sie ist mittlerweile eine politische Influencerin. „Eine kleine, weiße Frau, die Fußball spielt, selbst wenn sie laut und lesbisch ist und sich die Haare pink färbt, kommt in der Presse anders rüber als beispielsweise ein fast zwei Meter großer, schwarzer Football-Spieler mit Afrofrisur.“ Als die National Women’s Soccer League im Juni nach Corona neu startete, kniete ein Großteil der Spielerinnen beim Abspielen der Hymne, und auch beim Länderspiel der USA gegen die Niederlande Ende November gingen die meisten Spielerinnen auf die Knie.

FILE PHOTO: Sports Pictures of the Year

Megan Rapinoe nutzt ihren Ruhm inzwischen offensiv. Zum Beispiel mit einer Bekleidungsmarke namens „Re-Inc“, die sie zusammen mit den Teamspielerinnen Tobin Heath, Christen Press und Meghan Klingenberg gegründet hat. Ihre modische Philosophie: Garderobe, die geschlechtsneutral gestaltet ist. Sie schreibt: „Man wird berühmt und macht das Beste draus. Man dreht einen Werbespot, bringt ein eigenes Parfüm heraus, macht Geld mit einem Buch oder einer Realityshow. Natürlich nutze auch ich die Gunst der Stunde, aber ich tue dies nicht nur aus eigennützigen Motiven – zumindest hoffe ich das.“

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