FILE PHOTO: DFB president Zwanziger pauses during a news conference on the subject of sport bets in Frankfurt

┬ę REUTERS / Alex Grimm

Sport Fu├čball
02/28/2022

WM-Gastgeber Katar wollte Ex-DFB-Chef bespitzeln und "umdrehen"

Theo Zwanziger sollte einem Medienbericht zufolge von der Firma eines ehemaligen CIA-Agenten beeinflusst werden.

WM-Gastgeber Katar soll weder Kosten noch M├╝hen gescheut haben, den einstigen deutschen Spitzenfunktion├Ąr Theo Zwanziger von seiner kritischen Haltung gegen├╝ber dem W├╝stenemirat abzubringen. Der fr├╝here Pr├Ąsident des Deutschen Fu├čball-Bundes mit Sitz in der FIFA-Exekutive sollte einem Bericht zufolge von der Firma eines ehemaligen CIA-Agenten beeinflusst werden. Das geht aus Unterlagen hervor, die der Nachrichtenagentur AP vorliegen.

Ausf├╝hrlich ├Ąu├čern will sich Zwanziger erst bei einer Pressekonferenz am Donnerstag. AP-Unterlagen zufolge sollen aus Katar allein 10 Millionen US-Dollar (heute rund 9 Millionen Euro) geflossen sein, um den Katar-kritischen Funktion├Ąr zu bespitzeln und letztlich "umzudrehen". Beauftragt daf├╝r war demnach die vom fr├╝heren CIA-Mann Kevin Chandler gegr├╝ndete Firma Global Risk Advisors (GRA). F├╝r deren Projekt "Riverbed" ("Flussbett") sollen urspr├╝nglich sogar 27 Millionen Dollar vorgesehen gewesen sein.

Ende 2014

Zwanziger war zwischen 2004 - zun├Ąchst zwei Jahre als Doppelspitze mit Gerhard Mayer-Vorfelder - und 2012 DFB-Pr├Ąsident und sa├č von 2011 bis 2015 im Exekutivkomitee des Weltverbandes FIFA. Er hatte immer wieder die Vergabe der WM an Katar kritisiert, die in diesem Jahr vom 21. November bis 18. Dezember ansteht. 2016 entschied das Landgericht D├╝sseldorf, dass er das Emirat als "Krebsgeschw├╝r des Weltfu├čballs" bezeichnen darf, wie er es 2015 in einem Interview getan hatte. Er gewann damit einen Rechtsstreit mit dem Fu├čballverband von Katar. Die versuchten Beeinflussungen Zwanzigers sollen 2014 geendet haben.

GRA bestritt gegen├╝ber AP nicht, dass es "Riverbed" gegeben habe, es habe sich aber um eine Art "Medien-Monotoring" gehandelt. Der Bericht basiere aber auf "Falsch-Informationen aus unbekannten Quellen".

German Football Association officials indicted on alleged fraud

"Manches, insbesondere von der FIFA her, macht mich nachdenklich, das kann ich auch personenm├Ą├čig adressieren. Allerdings muss ich extrem vorsichtig sein, um nicht Freundschaften und andere Dinge pl├Âtzlich infrage zu stellen - ohne Not", sagte Zwanziger im R├╝ckblick nach den neuesten Erkenntnissen. Es seien sehr umfangreichen Vorg├Ąnge und Unterlagen.

Die Vergabe des Endrundenturniers im Dezember 2010 an Katar sorgt weltweit seitdem f├╝r massive Kritik, vor allem von Menschenrechtlern, die unter anderem den Umgang mit Arbeitern auf den WM-Baustellen mit vielen Toten bem├Ąngeln. Zudem gab es immer wieder Korruptionsvorw├╝rfe. Gegen einen Boykott hatte sich zuletzt erneut DFB-Direktor Oliver Bierhoff gewehrt. Er sieht die FIFA als Ausrichterin und Organisatorin des Turniers gefordert, f├╝r Aufkl├Ąrung zu sorgen.

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