Sport | Fußball
07.11.2015

Martschinko: Noch kein Sieg gegen den Ex

Für den Austrianer Christoph Martschinko hat das Duell mit Salzburg besondere Brisanz.

Gleich zu Beginn des Gesprächs fällt der Satz: „Ich habe noch nie gegen sie gewonnen.“ Sie, das sind die Bullen aus Salzburg. Und er heißt Christoph Martschinko, linker Verteidiger der Wiener Austria, der seine Jugend in der Salzburger Akademie verbracht und auf einen Platz in der ersten Mannschaft gehofft hat.

Es blieb beim Wunsch. Samstag (16 Uhr/live auf Sky) trifft er im Liga-Hit als Tabellenführer auf den Zweiten. Mit einem Sieg könnte die Austria ihren Vorsprung auf sechs Punkte ausbauen.

Martschinko ist eines von vielen hoffnungsvollen Talenten, die den letzten Sprung in Salzburg nicht geschafft haben. „Schade. Ab und zu denke ich noch daran. Ich war eigentlich gleich weg vom Fenster und wurde bald aussortiert.“ Besondere Emotionen verspüre er aber vor dem Duell mit dem Ex-Klub nicht: „Jetzt habe ich immerhin die Chance, ihnen zu zeigen, was ich kann.“

Es sei eben nicht einfach, sich in Salzburg durchzusetzen. Schwieriger als bei jedem anderen Verein in Österreich. „Jedes Jahr werden Spieler mit einem hohen Marktwert geholt. Da erhältst du als 18-Jähriger nicht viel Zeit. Ich habe dann einen anderen Weg gewählt, das ist auch kein Nachteil.“ Dieser Weg führte ihn nach Wiener Neustadt, nach Grödig, nach Hoffenheim, wo er unter Vertrag steht, und nicht zuletzt an den Verteilerkreis zur Austria, die ihn ausgeliehen hat.

Klimawandel

Und mit den Violetten führt Martschinko, der Dauerbrenner auf der linken Seite, die Tabelle an. „Damit haben wir selbst nicht rechnen können“, gesteht der 21-Jährige ein. Gründe für den Höhenflug kann er dennoch nennen. Da wäre einmal Trainer Thorsten Fink, „der einen großen Anteil hat, weil er uns eine klare Linie mitgibt“. Oder der interne gesunde Konkurrenzkampf, der das Geschäft belebt. „Im Cup gegen Altach hat man gesehen, dass Qualität in unserem Kader vorhanden ist, dass jeder will und den anderen ersetzen kann.“ Oder das hervorragende Klima innerhalb der Mannschaft. „Wir sind eine Haberer-Partie, verstehen uns gut, pushen uns, arbeiten gut.“

Dass die Siege oft knapp und die Leistungen oft wenig glanzvoll ausfallen, beunruhigt Martschinko nicht. „Das braucht Zeit. In den Köpfen einiger Spieler ist vielleicht doch noch die vergangene Saison, die ja nicht nach Wunsch verlaufen ist.“

Mittlerweile stehen auch die Fans wieder voll hinter dem Team, Grund für Pfiffe gibt es derzeit keinen. Zudem gibt es auch keinen Grund, dem heutigen Spiel in der Generali-Arena fernzubleiben: Anpfiff ist um 16 Uhr bei gutem Wetter, der Leader empfängt den ersten Verfolger. Fan-Herz, was willst du mehr? Am Freitag waren 10.000 Tickets verkauft, Restkarten gibt es an den Tageskassen. AG-Vorstand Markus Kraetschmer erwartet ein volles Haus.

Die kleine Welt der Akademiker von Red Bull

Als 14-Jähriger war Christoph Martschinko im Sommer 2008 nach Salzburg gekommen. Er durchlief alle Akademie-Teams und macht mittlerweile Karriere in der Bundesliga – allerdings nicht bei Salzburg.

Da ist der 21-Jährige kein Einzelfall in der Bundesliga, und das nicht einmal bei der Austria: Mit Marco Meilinger, der 2002 schon vor der Ära Red Bull als Elfjähriger von Anif nach Salzburg kam und insgesamt zehn Jahre dort war, Philipp Zulechner, der von 2007 bis 2010 bei Red Bull ausgebildet wurde, und Keepertalent Patrick Pentz stehen weitere Red-Bull-Akademiker bei Austria im Kader.

Bis in den Nationalteamkader hat es in dieser Saison aber ein anderer bei Red Bull ausgebildeter Spieler geschafft: Der Rapidler Stefan Schwab, der von 2004 bis 2010 Salzburger war, agierte auch am Donnerstag beim Europa-League-Sieg der Wiener in Pilsen überragend.

Schwere Zeiten macht hingegen der zweite ehemalige Red-Bull-Akademiespieler bei Rapid durch: Michael Schimpelsberger, der das Jahr 2007 in Salzburg verbrachte, hat nach viel Verletzungspech noch nicht den Anschluss geschafft.

Die größte Kolonie ehemaliger Red-Bull-Akademiker hat Nachbar Grödig in Kader: Alexander Schlager, Fabio Strauss, Robert Völkl und Sandro Djuric kickten alle im Salzburger Nachwuchs, ohne je bei Red Bull eine Chance zu bekommen.

Das war bei Daniel Offenbacher anders: In acht Pflichtspielen kam der Steirer bei Salzburg zum Einsatz. Über den Umweg Wiener Neustadt landete der mittlerweile 23-Jährige bei Sturm.