Sport | Fußball
15.06.2017

Markus Schupp: "Qualität geht vor Schnelligkeit"

Markus Schupp steht für deutsche Gründlichkeit. Der neue Sportdirektor erklärt, wie das dem SKN helfen soll.

Den bisher prominentesten Neuzugang der Bundesliga konnte Fast-Absteiger St. Pölten präsentieren: Markus Schupp, 51, folgt beim SKN als Sportdirektor auf Frenk Schinkels. Der frühere Bayern-Spieler, Sturm-Star und Sportchef von Kaiserslautern spricht zum Trainingsstart über Aufgaben und Ziele.

KURIER: Sie waren bei unterschiedlichen Klubs wie Bayern und Aalen. Welche Art von Verein passt am besten zu Ihnen?

Markus Schupp: Das Wichtigste für mich ist die Aufgabe bei einem Verein. Land, Verdienst, Tradition und Strahlkraft sind für mich nicht die alles entscheidenden Punkte.

Hilft es Ihnen als Sportdirektor, dass Sie als Trainer die andere Seite kennengelernt haben?

Das hilft mir unwahrscheinlich. Genauso wie die Erfahrungswerte, die ich als Spieler auf höchstem Niveau gesammelt habe. Auch meine Zeit als Nachwuchstrainer und Akademieleiter bei Sturm oder als Co-Trainer von Huub Stevens haben mich geprägt. Ich kann mich dadurch gedanklich sehr gut in die Sichtweise eines Trainers hineinversetzen.

Stehen Sie für eine Spielphilosophie oder passen Sie sich dem jeweiligen Trainer an?

Wir beabsichtigen, eine Spielphilosophie zu entwickeln, die auf der Vision, unseren Werte und unserem Leitbild beruht. Wir möchten jungen, talentierten und ambitionierten Spielern die Chance geben, sich bei uns weiterzuentwickeln. Unsere Spielweise soll auch einen Wiedererkennungswert für unsere Fans schaffen.

Manche Sportdirektoren verzichten auf ein paar Prozent an Talent, wenn der Charakter top ist. Was bevorzugen Sie?

Charakter ist in jedem Beruf wichtig und macht oft den Unterschied aus. Wir schauen nach Potenzialspielern, die dem Verein weiterhelfen. Am Ende braucht es im Kader immer die richtige Balance aus Erfahrung und jugendlicher Unbekümmertheit.

Ihr Vorgänger war nicht zeichnungsberechtigt. Dürften Sie Entscheidungen durchsetzen?

Ich wickle nur Transfers ab, wenn auch der Trainer sein Okay gibt. Was würde uns sonst dieser Spieler auch nützen? Am Ende ist es selbstverständlich, dass unser General Manager Andreas Blumauer als Hauptverantwortlicher des SKN alles absegnet. In jedem seriösem Unternehmen ist es üblich, dass die Entscheidungsträger gemeinsam entscheiden.

Wie lautet Ihre Strategie für eine Transferzeit?

Wir wollen Spieler von unserem sportlichen Konzept überzeugen, das braucht nun mal Zeit. Wirtschaftlich bleiben die Voraussetzungen ungefähr wie in der Vorsaison. Da können uns auch Leihspieler von etablierten Vereinen helfen. Bei ganz jungen Spielern will ich immer auch mit den Eltern reden, damit auch sie ein gutes Gefühl bei uns haben. Qualität geht vor Schnelligkeit.

In der St. Pöltner Akademie werden Spieler wie Florian Grillitsch ausgebildet. Wie gehen Sie damit um, dass die Talente nicht dem Verein gehören?

Diese wunderbare Akademie gehört dem Verband. Ich habe schon an meinem zweiten Arbeitstag Gespräche geführt, um die Kooperation wieder zu verstärken. Aber mir ist schon aufgefallen, dass etwas anderes in St. Pölten etwas untergeht.

Und zwar?

Unser Frauen-Team sorgt für Furore. Auch das Nationale Zentrum für Frauenfußball hier ist hochmodern. Die Erfolge der Damenfußballerinnen sollten auch ein Ansporn für uns sein.

Sie sind bei den Hearings zum Sportdirektor von Rapid zwei Mal knapp gescheitert. Ist es ein Trost, wenn Empfehlungen aus Hütteldorf bei der SKN-Entscheidung geholfen haben?

Die Art und Weise der Gespräche mit Rapid waren sehr professionell. Gute Kommunikation ist ein großer Multiplikator. Wenn es so war, dass die Gespräche mit Rapid auch in St. Pölten geholfen haben, beweist sich das.

Ich habe mich mit Menschen unterhalten, die Sie besser kennen. "Penibel, korrekt" ist da zu hören. Trifft das Ihr Wesen?

"Du bist penibel" – das höre ich oft von meiner Frau (lacht). Ich würde es lieber sorgfältig und gründlich nennen. Insgesamt will ich professionell arbeiten.

Warum bleibt Ihre Familie weiterhin in Graz?

Wir sind dort seit 1997 zuhause. Ich habe jetzt eine Wohnung im Zentrum von St. Pölten gefunden, aber die Verbindung nach Graz ist sehr gut. Es sind jetzt nicht mehr 800 oder 1000 Kilometer zu meiner Familie wie bei früheren Jobs.

Wurden Sie schon vor dem St. Pöltner Publikum gewarnt? Es gilt zwar als begeisterungsfähig, bleibt aber doch lieber zuhause und matschkert.

Ich habe im Frühjahr einige Spiele zwischen den Zuschauern verfolgt. Das "Matschkern" hab ich mitgebekommen, aber als nicht so negativ erlebt. Klar ist, dass wir noch mehr Begeisterung gerade bei den Heimspielen schaffen wollen. Identifikation ist uns ganz wichtig – die ist zu optimieren. So wie es Ried über viele Jahre geschafft hat. Wir wollen attraktiv spielen und auch die guten Ergebnisse schaffen. Siege sind das Attraktivste, was wir anbieten können.