Sport | Fußball
04.11.2018

Markus Kraetschmer: "Bis zur Ernte dauert es noch"

Der "Mr. Austria" spricht über das Auf und Ab, die violette Zukunft und seine Mitsprache auch in sportlichen Belangen.

Die Austria vollzog im Sommer einen personellen Umbruch, hinkt ihren Erwartungen dennoch hinterher. Das heutige Heimspiel gegen Wolfsberg ist auch für AG-Vorstand Markus Kraetschmer weichenstellend. Der stärkste Mann in Violett setzt auf Geduld und Kontinuität.

KURIER: Wie wichtig ist das Spiel gegen Wolfsberg?

Markus Kraetschmer: Besonders. Es dient der Orientierung für den Herbst, ist eine Weichenstellung nach 13 Runden in Hinblick auf unser Ziel Meistergruppe, weil es ein Duell mit dem direkten Tabellennachbarn ist.

Wie durchwachsen ist Ihre Bilanz der bisherigen Saison?

Wir können nicht zufrieden sein, weil nichts zu unseren Gunsten entschieden ist. Es fehlt uns noch die nötige Stabilität, sowohl in den Resultaten, als auch in den Leistungen. Wir hätten erwartet, dass wir schon weiter wären. Jetzt hoffen wir, dass einige Verletzte bald wieder retour kommen, weil wir nicht so schlagkräftig sind, wie wir uns das vorgestellt haben.

Apropos Verletzte: Vor einem Jahr hat die Austria über elf Verletzte geklagt, auch hier fielen schon viele Stammkräfte aus. Nur Zufall und Pech?

Wenn man sich ansieht, wie die meisten Verletzungen zustande gekommen sind, dann würde ich das schon in die Kategorie Pech oder Unfall einordnen. Nichtsdestotrotz machen wir uns bei so vielen Ausfällen Gedanken.

Die Austria reorganisiert sich auch an der Spitze. Frank Hensel folgt Wolfgang Katzian als Präsident nach.

Wolfgang Katzian hat in den letzten zwölf Jahren Überragendes für den Klub geleistet. Nach der Ära Stronach waren wir in einem tiefen Tal, mit guter Strategie und hervorragendem Teamwork haben wir die Austria konsolidiert.

Was sprach für Hensel?

Offiziell erfolgt die Wahl in der Generalversammlung am Montag, er ist vom Verwaltungsrat einstimmig nominiert. Er ist jemand, der der Austria schon viele Jahre als Leiter eines wichtigen Sponsors zur Seite gestanden ist, er ist Mitglied des Aufsichtsrates und des Kuratoriums. Er ist mit dieser neuen Austria sozusagen mitgewachsen und auch immer wieder bei den Spielen. Er kennt Strategie und Ziele des Vereins.

Was wünschen Sie sich vom neuen Präsidenten?

Als Vorsitzender des Aufsichtsrates soll und wird er sich ins operative Tagesgeschäft einbringen. Ich bin guter Dinge, dass wir mit ihm den eingeschlagenen Weg so weitergehen.

Kann er die Türen zur internationalen Wirtschaft und großen Partnern öffnen?

Das war auch die Stärke von Wolfgang Katzian. Hensel kommt aus einem internationalen Konzern mit einem Schwerpunkt im Osteuropa-Geschäft. Ich bin überzeugt, dass hier neue Möglichkeiten entstehen können. Das würde zu unserem Thema der Internationalisierung perfekt passen.

Sie treffen immer mehr Entscheidungen im sportlichen Bereich mit. Haben Sie soviel Verantwortung wie nie zuvor?

Ich stehe in der Verantwortung. Aber ich möchte klar betonen, dass wir mit Sportdirektor Muhr und Trainer Letsch die Verantwortlichen für das Tagesgeschäft im Profibereich haben. Ich bin als alleiniger Vorstand für das gesamte Konstrukt verantwortlich und hafte dafür auch unbegrenzt. Ich werde nie eine sportliche Entscheidung im Alleingang treffen. Meine Aufgabe sehe ich darin, den Klub strategisch wettbewerbsfähig zu halten und für einen finanziellen Rahmen zu sorgen, der uns sportlich erfolgreich macht. Ich bin ein Teamplayer.

Muhr und Letsch waren Personalentscheidungen, wo Sie federführend waren. Sollte es sportlich nicht klappen, müssten Sie sich hinterfragen.

Natürlich. Ich habe mich noch nie vor der Verantwortung gescheut. Ich habe die Entscheidungen mit vorbereitet, letztlich wurden sie dann im Gremium getroffen. Die Erwartungshaltung ist groß – wenn wir ein Top-3-Budget finanzieren, dann sollten wir auch sportlich zurück in die Top 3. Ich bin guter Dinge, dass wir mit Geduld und Konsequenz Erfolg haben werden, denn wir haben einen klaren Plan. Man sieht ja, wie Salzburg die Früchte der Aufbauarbeit erntet. Bis zu unserer Ernte dauert es noch.

In der Austria-AG gibt es nur einen Vorstand. Sie. Wird das so bleiben?

Die Satzungen der Austria haben sich in den vergangenen Jahren nicht verändert. Diese sehen einen AG-Vorstand vor, der zwischen einer und drei Personen umfasst. Ich habe immer gesagt, dass eine Konstellation wie damals mit Tommy Parits als mittelfristiges Ziel wünschenswert ist. Parits hat damals viel Erfahrung eingebracht. Was man nicht vergessen darf: Vorstand zu sein, heißt auch persönliche Haftung zu tragen.

Ralf Muhr wäre als Sportdirektor der logische Vorstand Sport?

Das hätte eine Logik. Wie gesagt, wenn die Austria weiter wächst, dann sollten wir auch die Struktur weiter entwickeln. Aber auch diese Entscheidung hat letztlich der AG-Aufsichtsrat zu treffen.