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© Strecha

Lokalaugenschein
08/04/2013

Die neue Welt des Peter Stöger

Der KURIER besuchte 1. FC Köln-Trainer Peter Stöger in seiner neuen Heimat.

von Alexander Strecha

Hör mal, wer da nicht hämmert. Peter Stöger ist nicht unbedingt ein Heimwerker-König. Zwar half er seinem Assistenten in Köln, Manfred Schmid, in dessen neuer Wohnung die Vorhänge zu montieren, bei der Deckenbeleuchtung jedoch zog er sich mit einem Kaffee in der Hand in die passive Berater-Rolle zurück. Stöger selbst wohnt mit Partnerin Uli im Hotel Dorint jenseits des Rhein, Mitte September erfolgt der Umzug in eine Wohnung ganz in der Nähe der Kölner Rheinenergie-Arena, mitten im Grünen.

Stöger und Köln, das scheint bisher zu passen. Auch wenn in der zweiten deutschen Liga bisher nur zwei 1:1 für den Aufstiegskandidaten zu buchen stehen. „Die Leute sind aber sehr dankbar, wenn sie merken, dass wir alles versuchen.“ So wie bei seiner Heimpremiere im Rheinderby gegen Düsseldorf. 120.000 Karten hätte der FC verkaufen können. „Das war außergewöhnlich, die Stimmung vor dem Spiel mit der Klub-Hymne – Gänsehaut. Das macht Spaß.“

Im Fokus

Die Aufmerksamkeit der Medien macht auch (noch) Spaß. „Natürlich wird es anders sein, sollten die Ergebnisse nicht stimmen. Mir ist klar, dass mein Job an Ergebnissen gemessen wird. Wo viele Menschen sind, die sich für etwas interessieren, ist die Erwartungshaltung hoch. Die Menschen in dieser Stadt leben den Verein. Der FC ist allgegenwärtig.“

Bei jedem Training ist eine Vielzahl an Medienvertretern vor Ort und analysiert jeden Schritt. „Laut Statistik haben 800.000 Leute in Köln Sympathien für den Klub. Das sagt alles.“ Der FC ist neben dem Dom das Wahrzeichen der Stadt. „Der Karneval ist ihnen auch heilig, aber der FC ist das ganze Jahr präsent.“

Kein Wunder also, dass Stöger bei einem Stadtbummel regelmäßig erkannt wird. Nicht nur wegen seiner rot-weißen Brille und der roten Converse-Schuhe, die seine Identifikation mit dem Klub ausdrücken sollen. „Ist das nicht der ...?“, drehen sich die Kölner nach dem Wiener um. „Grüß Sie, Herr Stöger“, haben die Leute auch im Kaffeehaus keine Scheu vor „ihrem“ Trainer.

Offen & ehrlich

„Die Kölner sind generell sehr offene Menschen. Sie sagen mir schon, was sie denken, begegnen einem aber immer mit dem nötigen Respekt.“ Stöger und Schmid sitzen mit Familie und Freunden in einem der vielen Lokale am Rheinufer, plötzlich kommt eine Gruppe Männer an den Tisch. „Wir sind aus Wien. Schön, dass wir euch hier treffen. Könnten wir Fotos machen?“

Das Wiener Duo Stöger/Schmid wirkt trotz des durchschnittlichen Starts in die Liga sehr entspannt. Der FC Köln ist für beide eine Herausforderung, eine ganz neue Fußballwelt. Die Erfahrungen, die sie machen, kann ihnen niemand mehr streitig machen. „Die kann ich dann irgendwann bei Grödig oder Mattersburg verwenden“, scherzte Stöger nach dem 1:1 gegen Düsseldorf im Freundeskreis im Wissen, dass er seinen Trainerjob auch schnell wieder los sein kann. „Überall gilt das Motto: Du musst dich durchsetzen. Das gelingt nur, wenn die Ergebnisse stimmen. Davon hängt’s ab.“

Das Ziel des Vereins, der ganzen Stadt ist der Aufstieg des FC in die erste Liga. Eine schwere Aufgabe, zumal man derzeit nur über eine durchschnittlich gute Mannschaft verfügt. „Die Vorbereitungszeit war kurz, erst seit Kurzem haben wir alle Spieler an Bord.“ Gezielte Verstärkungen wären freilich vonnöten, doch dazu fehlt beim Klub das Kleingeld. Österreichs Stürmer Erwin Hoffer wäre für Stöger jedenfalls eine interessante Personalie. „Wir werden uns Schritt für Schritt verbessern. Phasenweise sieht man unsere Arbeit, über 90 Minuten schaffen wir es noch nicht.“

Bei Weitem sind nicht alle Vereine der zweiten Liga so gut strukturiert wie der FC. „Ich habe immer gesagt, dass Köln eigentlich ein Erstliga-Klub ist mit seinen Bedingungen.“ Den stets strapazierten Vergleich zur österreichischen Liga will der Meistermacher der Austria gar nicht anstellen. „Das wäre doch unfair. Die Dimension ist hier eine andere. Daher wollte ich es für mich ausprobieren, das wollte ich erleben. Mich auf diesem Niveau messen lassen als Trainer. In Österreich machen wir einen tollen Job für die Rahmenbedingungen, die wir vorfinden. Österreichische Vereine sind oft sehr eingeschränkt in ihrer Arbeit.“

Kontaktfreudig

Mit seinen ehemaligen Austria-Spielern stehen Stöger und Schmid in regem SMS-Kontakt, beide verfolgen natürlich die Spiele der Veilchen. „Mit der neuen Satelliten-Anlage in der neuen Wohnung werden wir ab sofort nichts versäumen“, grinst Schmid.

Gelingt den Wienern mit Köln der Aufstieg, dann werden sie wohl ebenso zur Legende wie Toni Polster, der in den 90er-Jahren für Köln gespielt und nach Belieben getroffen hat. „Der Toni hat hier Kultstatus, immer wieder sprechen die Leute von ihm. Wenn der Aufstieg gelingt, dann hat derjenige Trainer bei vielen Kölnern einen Platz im Herzen“, weiß Stöger, der sich schon jetzt auf den Karneval im Februar freut. „Da gibt es kein Entkommen, da muss man dabei sein. Das wollte ich schon immer einmal erleben.“

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