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Sport Fußball
08/05/2020

LASK-Trainer Thalhammer: „Wir wollen unberechenbarer werden“

Der neue Coach der Linzer über seinen Job-Wechsel, die gewonnene Erfahrung aus 16 Trainerjahren und das Spiel im Old Trafford.

von Günther Pavlovics

Dominik Thalhammer, der im Oktober 50 Jahre alt wird, wurde 2004 mit 33 Jahren Trainer der Admira und ist damit noch immer der jüngste Coach der Bundesliga-Geschichte. Er lebt mit seiner Frau und zwei Töchtern in Linz. Sein Vater war Vorstandsdirektor der Österreichischen Volksbanken AG und taufte seinen Sohn Dominikus. 2011 wurde Thalhammer Teamchef des Frauen-Nationalteams, dass sich unter ihm erstmals für ein großes Turnier qualifizierte und bei der EM 2017 das Semifinale erreichte. Im Juli wechselte er vom ÖFB als Cheftrainer zum LASK und feiert am heutigen Mittwoch im Europa-League-Achtelfinale bei Manchester United sein Debüt. Das Hinspiel hatte noch vor der Coronavirus-Krise 0:5 geendet ...

KURIER: Sie waren erfolgreicher Teamchef und haben den Pensions-Job beim ÖFB aufgegeben. Warum?

Dominik Thalhammer: Pensions-Job klingt negativ. Beim ÖFB setzt man auf Kontinuität – wie beim LASK. Ich war mit Leib und Seele Teamchef, es gab zuletzt auch andere Angebote. Aber die Chance, bei einem Topverein in der Bundesliga Trainer zu sein, habe ich dann doch genutzt.

Wie die LASK-Klubchefs erklärten, hätten Sie schon vor einem Jahr die Möglichkeit gehabt, zu wechseln. Warum jetzt der Sinneswandel?

Für mich war es der richtige Zeitpunkt. Ich habe gespürt, dass es bei meiner Arbeit Entwicklungen gegeben hat, aber auch Grenzen. Diesen Sommer haben die Umstände einfach gepasst, die Herausforderung LASK anzunehmen.

Die Teamspielerinnen brachten Ihnen uneingeschränktes Vertrauen entgegen und waren enttäuscht, dass Sie von Ihnen nicht über Ihren Abschied informiert wurden.

Ich habe im Spielerrat zuvor schon angedeutet, dass ich mich vielleicht verändern will. Aber dann musste ich mich binnen einer Stunde entscheiden. Ich hätte mir das auch anders gewünscht, aber mittlerweile haben wir uns ausgesprochen. Viele der Spielerinnen kannten nur mich als Teamchef und wären auch so enttäuscht gewesen.

Mit dem LASK übernehmen Sie einen Verein, der eine Spielidee hat und dementsprechend den Kader kontinuierlich in diese Richtung entwickelt hat. Was macht man da als neuer Trainer?

Ich bin ein Fan vom Stil des LASK, vom Spiel gegen den Ball. In den Gesprächen mit den Klubverantwortlichen und dem Spielerrat habe ich gemerkt, dass man bereit ist, sich weiterzuentwickeln und neue Ideen anzunehmen.

Wie sehen diese Ideen aus?

Zum Beispiel wollen wir ein Stück unberechenbarer werden. Wir wollen unsere Stärken nicht vernachlässigen, aber auch andere Dinge schärfen.

Sie haben Spartentrainer für Offensive, Defensive, Standards, Tormann, Analyse, Athletik. Warum brauchen Sie einen so aufgeblähten Betreuerstab?

Ich glaube nicht, dass wir so viel mehr Betreuer haben als andere Spitzenteams. Ich will die Aufgaben aber ganz genau verteilen. Und das bedeutet nicht nur, dass man im Training das Verhalten vertieft, sondern sich auch damit befasst, welche Tendenzen es im internationalen Fußball zum Beispiel im Defensivverhalten gibt.

Sie haben als oberster Trainer-Ausbildner Österreichs viele internationale Klubs besucht. Welcher Verein ist Ihr Vorbild für diese Kompetenz-Aufteilung?

Kein Verein im Besonderen. Unsere Aufgabe ist es aber auch, über den Tellerrand zu blicken, auch punkto Sportart. Diese Aufteilung ist der im American Football ähnlich.

Und Dominik Thalhammer ist der englische Trainer, also der Manager, der über allem steht?

Ein Manager muss auch Aufgaben delegieren können. Es geht um Spezialisierung und auch um konkrete Verantwortungsbereiche. Ich bin im Training aktiv am Platz, die Assistenten arbeiten im Detailbereich. Meine Aufgabe sehe ich darin, alles zu planen, die Ziele vorzugeben, Feedback zu geben und letztlich dann die Dinge zusammenzufügen.

Sie waren als Regionalliga-Fußballer der „Eisenfuß aus dem Wienerwald“, haben aber nie in einer Profimannschaft gespielt. Verfolgt Sie das als Trainer?

Ich glaube, dass es schon seit längerer Zeit kein Thema mehr ist, dass ein Trainer im Profifußball selbst unbedingt als Spieler Profi gewesen sein muss. Die Erfahrung als Fußball-Profi kann aber sicherlich gut sein. Aber mittlerweile macht auch die Unterscheidung in Praktiker und Laptoptrainer keinen Sinn mehr. Wichtig ist die Herangehensweise an die Arbeit, wie vermittle ich den Spielern meine Ideen, wie kann ich sie davon auch überzeugen.

Aber Spieler, die mit Fußball ihr Geld verdienen, ticken anders als reine Amateure.

Egal in welchem Bereich. Zu einem Trainer gehört auch, dass er gruppendynamische Prozesse erkennt und auf dieser Basis auch schaut, welche Maßnahmen welche Auswirkungen haben.

Sie waren schon 2004 Trainer in der Bundesliga. Was hat sich in diesen 16 Jahren verändert?

Natürlich meine Erfahrung. Damals war ich ja ganz neu im Profibereich. Meine Kompetenzwerkzeugkiste ist viel größer geworden, ich habe mehr Möglichkeiten, um eine Situation zu lösen.

Am Mittwoch steht dann ein Vorbereitungsspiel bei Manchester United auf dem Programm. Das Hinspiel in Linz wurde vor der Corona-Pause am 12. März deutlich mit 0:5 verloren.

Ich lehne es ab, diese Partie als Vorbereitungsspiel zu bezeichnen. Dieses Spiel wird eine Riesenherausforderung für uns, eine Riesenchance. Denn als Mannschaft können wir in diesem Spiel zu diesem Zeitpunkt mehr gewinnen, als verlieren. Gegen einen solchen Gegner mit unglaublich hoher Qualität wollen wir ein gutes Ergebnis erreichen.

Der LASK führte vor der Coronapause in der Meisterschaft. Dann gab es Punkteabzüge wegen unerlaubtem Trainings und letztlich nur Platz vier. Hat die Mannschaft einen Knacks?

Das ist Vergangenheit. Ich komme als neuer Trainer und wir wollen nicht zurückblicken, sondern nach vorn.

Was ist Ihre Zielsetzung. Die Meisterschaft?

Vorerst geht es darum, uns zu stabilisieren. Bei einem Topklub wie dem LASK muss es aber ein Ziel sein, einen Platz in den oberen Regionen zu belegen.

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