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Das lange Leiden der LASKler: Warum die Euphorie in Linz jetzt so groß ist

Abmontierte Pissoirs, schwarz-weiße Sträflingsdress und Exodus in die Provinz: Die Fans des neuen Double-Siegers haben viel mitgemacht. Ein Leidensbericht.
Christian Mayr
Jubel auf Rängen vor Fußballspielern.

Eigentlich dürfte es diesen Tag gar nicht geben. Der Tag, an dem der Linzer Athletik-Sport-Klub (kurz: LASK) wieder österreichischer Fußballmeister wird. Denn nach all den Tiefschlägen, Malheuren und unzähligen Fehlern in den vergangenen Jahrzehnten hat wohl niemand mehr inner- und außerhalb von Oberösterreich mit diesem 17. Mai 2026 gerechnet. Seit dem Double von 1965 schien eine Art Béla-Guttmann-Fluch à la Benfica Lissabon über den Schwarz-Weißen zu schweben, der immer dann zuschlägt, wenn man glaubt, es könnte doch einmal etwas werden. 

Auch die heurige Saison schien im Oktober schon vorzeitig und negativ entschieden zu sein: Abstiegskampf als Vorletzter statt Titelkampf. Gäbe es einen Expected-Titel-Wert, wäre er für die Linzer bei 0,0 gelegen.

Um die gestrige, heutige und morgige Euphorie im Land ob der Enns ob des Doubles zu verstehen, muss man zurückblicken. Weit. Denn das Leiden der LASKler war beispiellos lang für den heimischen Fußball. Sinnbildlich stand dafür immer das (alte) Linzer Stadion auf der Gugl: Das hinten offene Dreiviertel-Oval war einfach keine runde Sache. Dafür gab es ab Mitte der 1980er-Jahre eine monströse Anzeigentafel, die für damalige Verhältnisse faszinierend, aber doch deplatziert wirkte. 

Zur selben Zeit – Oktober 1985 – passierte der für die nächsten Jahrzehnte größte Sieg des LASK, der gleichzeitig den Untergang einläutete: Im Uefa-Cup wurde das Starensemble von Inter Mailand mit 1:0 geschlagen (Tor: Hans Gröss). Ein fataler Cordoba-Moment für die Athletiker, denn durch das 0:4 im Rückspiel war dies nicht mehr als ein Prestigeerfolg, auf dem man sich trotzdem (zu) lange auszuruhen schien. Und nach dem Abstieg 1989 hieß es dann statt San Siro und Inter plötzlich Flavia Solva, Kufstein und VfB Mödling.

Jubel.

3:0-Erfolg bei der Wiener Austria. Der LASK ist wieder Meister.

Linz war damals eine triste, versmogte Stadt und bald ballestrisches Niemandsland: Wenn sich eine vierstellige Besucherzahl auf der Gugl zusammenfand, galt das schon als Erfolg. Halbwegs voll wurde es immer nur bei Derbys mit dem (ebenso in den Niederungen) dahindümpelten SK Vöest. Als der damalige LASK-Präsident Otto Jungbauer schließlich Pissoirs abmontieren ließ, um Wasserkosten zu sparen, musste man schon das Schlimmste befürchten. 1995 war es schließlich soweit – obwohl wieder „oben“ in der Bundesliga, waren die Linzer zahlungsunfähig. 

Doch erst danach wurden die Zebras zum Chaos-Klub schlechthin: Zuerst wurde der blau-weiße Stadtrivale mehr geschluckt als mit ihm fusioniert, dann sollte 1998 zum 90. Klub-Jubiläum endlich der ersehnte Titel her – dank Erfolgsgarant Otto Baric: Doch statt den Meisterteller in Schwarz-Weiß gab es für LASK-Präsident und Pleite-Banker Wolfgang Rieger die schwarz-weiße Sträflingsdress – und das zusammengekaufte Starensemble verabschiedete sich so wie „Otto Maximale“ in alle Himmelsrichtungen. Dass im Jahr darauf fast der Cupsieg geholt worden wäre, passt ins Bild: Im Elferschießen sprang die Kugel zwar auf Schwarz-Weiß – aber jenes von Sturm Graz.

Danach wurde der LASK zur Spielwiese von rot-weiß-roten Fußball-Legenden, die auf oder neben dem Feld ihr Glück versuchten und eines nicht schafften: nachhaltigen Erfolg. Hans Krankl, Walter Schachner, Ivica Vastic, Michael Baur, Georg Zellhofer, Klaus Lindenberger, Karl Daxbacher. Wer will noch mal, wer hat noch nicht?

Richtig dunkel wurde es dann aber ab 2012: Keine Lizenz mehr – Abstieg in die Regionalliga – Exodus aus Linz. Aus Kostengründen musste zeitweise sogar „am Land“ in Schwanenstadt gespielt werden, weil das Stadion zu teuer geworden war. Wer damals auf einen Titelgewinner LASK anno 2026 gesetzt hätte, wäre jetzt steinreich. Und dass ausgerechnet die „Freunde des LASK“ um Siegmund Gruber es schaffen könnten, die wirtschaftliche Potenz des Bundeslandes in einen sportlich und finanziell gesunden Klub zu kanalisieren, hat damals gewiss auch keiner mehr geglaubt.

FUSSBALL: ADMIRAL BUNDESLIGA/ MEISTERFEIER LASK

Didi Kühbauer: Er brachte den Meisterteller zurück nach Linz.

Ebenso wenig, dass Oliver Glasner, der 2015 das Traineramt beim LASK übernahm, einmal in der Premier League coachen und in einem Atemzug mit Ernst Happel genannt werden würde. In Wahrheit legte ausgerechnet die Legende des Rieder „Dorfklubs“, der mit zwei Pokaltriumphen (1998, 2011) den Hauptstädtern den Rang abgelaufen hatte, die Basis des jetzigen Erfolgs unter Didi Kühbauer. Mit Glasner ging es steil bergan: Bundesliga-Aufstieg, Vizemeistertitel 2019. Danach (ohne Glasner) sensationell Gruppensieg in der Europa League, ehe das Heimduell gegen Manchester United im Achtelfinale vom größten zum Geister-Spiel mutierte. Am Vorabend des schwarzen „Corona-Freitags“ gab es vor leeren Rängen ein 0:5. Noch bitterer wurde es dann beim Re-Start: Wegen unerlaubten Kontakttrainings setzte es für den Grunddurchgangssieger eine drakonische 12-Punkte-Strafe; obwohl später auf 8 reduziert, war der zum Greifen nahe Meistertitel (psychisch) verspielt. Typisch LASK irgendwie.

Und jetzt doch noch das märchenhafte, fast kitschige Happy End unter Kühbauer. Das am Sonntag in der Generali-Arena unter den gut 5.000 schwarz-weißen Anhängern und später in der Stahlstadt für eine nie erlebte Stimmung gesorgt hat. Auch Landeshauptmann Thomas Stelzer und Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer hielt es nicht mehr auf den VIP-Rängen – als einzige Fans war ihnen ein „Platzsturm“ erlaubt worden. Immerhin hat das Land auch das schwarz-weiße Wunder mitermöglicht, schießt es doch mit 4,5 Millionen Euro jährlich via Landesgesellschaften die höchsten Sponsorbeträge aller Bundesligisten zu. Auch die schmucke Raiffeisen-Arena auf der Gugl wurde nur dank der Steuerzahler Realität.

Bleibt für alle LASKler nur zu hoffen, dass es nicht wieder 61 Jahre dauert, bis ein goldener Pokal oder ein Teller in den Himmel gestreckt werden darf. Und dass „Don-Double-Didi“ ein (vor Tauben) geschütztes Denkmal auf der Landstraße oder der Gugl erhält – wenn schon der 17. Mai nicht zum neuen Landesfeiertag neben Floriani wird. Kühbauer war ja schon bei Rapid als einer der vier "Daltons" (eigentlich) ein Schwarz-Weißer aufgrund seiner Sträflingskluft. Welch' Anekdote! Dank Didi hat sich der Kreis jetzt geschlossen und der Linzer Fußball ist endlich wieder eine runde Sache.

Christian Mayr ist Redakteur in der Wien-Chronik und nördlich von Linz als LASK-Fan aufgewachsen.    

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