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Sport Fußball
07/13/2019

Kühbauer: "Bei Rapid reiben alle mit dem Preis auf"

Der Trainer der Grünweißen über teure Spieler, den optimalen Kader und den Angriff auf Salzburg.

von Günther Pavlovics

Rapid hat am Sonntag noch einen Härtetest gegen Nürnberg, danach ein Warmlaufen gegen Pinkafeld. Und dann geht es los im Cup gegen Allerheiligen in die erste komplette Saison unter Trainer Didi Kühbauer. Der 48-jährige Burgenländer hat Anfang Oktober seinen Job in Hütteldorf angetreten hat.

KURIER: Sie haben gesagt, dass man die Arbeit eines Trainers erst nach seiner ersten vollen Saison beurteilen kann.

Didi Kühbauer: Man hat zwar schon im Frühjahr gesehen, dass wir anders spielen wollen, wir sind offensiver geworden. So weh mir auch tut, dass wir im Europacup nicht dabei sind, haben wir aber jetzt mehr Trainingszeiten, um daran zu arbeiten.

Aber Sie haben ja noch immer viele Spieler im Kader, die Sie nicht geholt haben.

Von denen, die da sind, bin ich im Großen und Ganzen überzeugt. Von denen, die wir geholt haben, auf jeden Fall. Den optimalen Kader wird es aber nie geben.

Wie kann man aber am fast optimalen Kader arbeiten?

In Ruhe. Das hat man beim LASK gesehen. Dort hat Oliver Glasner in seinem ersten Jahr den Aufstieg nicht geschafft. Trotzdem durfte er bleiben und die Spieler holen, um eine Mannschaft nach seinen Vorstellungen aufzubauen.

Wie kann man für Ruhe sorgen?

Mit der einfachen Rechnung Siege = Erfolg = Ruhe. Die brauchst im Fußball auch Erfolge, um auch Ruhe zu haben.

Sie sind neun Monate im Amt. Acht gestandene Spieler und vier Kaderspieler haben in dieser Zeit Rapid verlassen. Sind Sie als Trainer ein Rauswerfer?

Überhaupt nicht. Einige sind gegangen, einige wurden verliehen. Aber die Entscheidung, ob ein Spieler in unser System und in die Mannschaft passt oder nicht, treffe ich mit dem Trainerstab und Sportdirektor Barisic. Alle Spieler haben ihre Qualitäten, aber wir müssen entscheiden, ob es die Qualitäten sind, die wir wollen und die für uns notwendig sind.

Zwölf Spieler sind weg, aber nur vier sind gekommen. Ist der Kader nicht etwas dünn?

20 gestandene Feldspieler wären für einen Trainer das Beste, dazu noch ein paar Junge, die nachdrängen und den Arrivierten Druck machen.

Und wie viele Spieler haben Sie?

Derzeit sind es für mich 17 gestandene und fitte Feldspieler und mit Greiml, Arase und Wunsch drei Junge, die anklopfen.

Es sollen aber noch zwei gestandene Feldspieler kommen?

Mit Bolingoli haben wir einen Spieler auf der linken Seite verloren. Und auch im Sturm ist nach zwei Abgängen ein Platz frei.

Wann sollen die Spieler kommen?

Wenn es nach dem Trainer geht, so schnell wie möglich. Aber ich verstehe auch, dass man keinen auf Teufel komm raus um jeden Preis holt. Eines ist klar, wenn Rapid kommt, reiben alle mit dem Preis auf.

Was erwarten Sie von Ihren Spielern?

Dass sie alles geben, denn sie sind beim populärsten Klub des Landes.

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Alles geben – war das bei Admira, in Wolfsberg oder St. Pölten nicht so?

Natürlich, aber hier bei Rapid ist das noch eine Stufe höher. Hier ist zwar der Druck größer, aber die Spieler haben auch die Chance auf mehr Aufmerksamkeit. Hier können sie wirklich bekannt werden, hier können sie sich auch für große Klubs im Ausland empfehlen.

Wie sind Sie mit den Möglichkeiten zufrieden, die der Klub bietet? Zuletzt haben Sie sogar mit einer Drohne filmen lassen.

Die Voraussetzungen sind hervorragend, wir haben zahlreiche Systeme zur Datenerfassung und durch diverse Kameras immer alles im Auge. Die Drohne bringt spezielle Bilder aus ungewohnter Perspektive, wir haben das auch schon im Winter bei einem Testspiel in der Türkei gegen Odense genutzt. Ich finde es super, was man alles nutzen kann. Am Ende soll und wird das Spiel aber immer Fußball bleiben.

Was haben Sie sich für die Saison vorgenommen?

Wir haben vor, offensiven Fußball zu spielen. Wobei man aber auch erkennen soll, dass Leidenschaft und Arbeit drinnen steckt. Und gegenüber dem Frühjahr müssen wir im letzten Drittel noch mehr fokussiert sein.

Was wollen Sie erreichen?

Wenn sich kein wichtiger Spieler verletzt, dann sind wir oben dabei. Das muss unser Anspruch sein.

Und die Meisterschaft? Salzburg hat einen neuen Trainer, der ordentlich umbauen muss.

Wir müssen einen Angriff starten. Wir können ja nicht schon jetzt sagen, dass die Meisterschaft entschieden ist und Salzburg wieder der Meister ist. Auch, wenn sie noch immer gute Spieler haben und noch einige kommen werden.