Sport | Fußball
02.09.2018

Kein Sieger im Bundesliga-Schlager Sturm - Rapid

Ausgerechnet der Ex-Grazer Deni Alar bringt die Steirer mit einem Tor um den Heimsieg.

Das sind Geschichten, die nur der Fußball schreibt. Ausgerechnet Deni Alar sicherte Rapid ein 1:1-Remis bei Sturm. Für den  Steirer, der im Sommer den Wechsel über den Wechsel vollzogen hatte, war es die richtige Antwort auf die Anfeindungen. 

Diese begannen schon lange vor dem Match. Während die Sturm-Fans das Aufwärmen des Ex-Grazers (bei seinem Kollegen Potzmann hielt man sich zurück) schon vor Anpfiff optisch (mit Transparenten) und akustisch mit weniger familienfreundlichen Worten begleitet hatten, wurde hingegen Ludwig Krentl herzlich begrüßt - oder besser verabschiedet. Sturms Stadionsprecher geht nach 22 Jahren in Pension und verlas am Sonntag das letzte Mal die Aufstellungen. Sein Wunsch, "dass bei den Namen Alar und Potzmann nicht zuviel gepfiffen wird", erfüllte sich nicht. 

Bei Rapid war das Rotationsprinzip recht übersichtlich, gegenüber Donnerstag rutschten nur Berisha und Hofmann in die Startelf, die in Bukarest gesperrt waren. Sturm startete vorsichtig, ließ die Stürmer Hosiner, Eze und Pink auf der Bank. 

Nach einem gegenseitigen Kennenlernen hätte Rapid nach sieben Minuten fast geführt. Nach einem Knasmüllner-Freistoß von links nahm sich der alleingelassene Kapitän Schwab den Ball sehenswert mit der Brust mit, traf aber nur die Latte. 

Elfergeschenk

Die Grazer spielten nach vorne, ohne gefährlich zu werden, die Wiener verteidigten geschickt und kamen zu Entlastungsangriffen, wie durch einen Murg-Schuss. Aber beide Mannschaften beackerten zu umständlich die Mitte des Platzes. Und Rapid hatte Glück, dass Schwab nach einem derben Einsteigen gegen Grozurek nur Gelb sah.

Dann schritt aber Schiedsrichter Schüttengruber ein. Ein Foul von Hofmann  an Huspek, das klar außerhalb des Strafraumes seinen Beginn nahm, wertete der Unparteiische als Elferfoul. Peter Zulj verwandelte in der 37. Minute. Für Schüttengruber und seinen Assistenten ist  ein zweiter Kontakt im Strafraum maßgeblich gewesen. Sturm hat’s jedenfalls beflügelt, Huspek traf nach einem schnellen Spielzug die Stange. Danach hatte Rapid Überzahlspiel in Sturms Hälfte, Berisha passte aber zu ungenau. 

Nach der Pause prüfte Kiteischwili Rapid-Goalie Strebinger. Rapids Mittel im Spiel nach vorne waren etwas untauglich, immer wieder lief man sich in der Grazer Abwehr fest. Und dann tauchte Alar allein vor dem Tor auf, als ihn Knasmüllner ideal freigespielt hatte - drüber. 

Doch Rapid kam zu Chancen, ein Freistoß von Murg ging aber ebenso über das Tor. Dann marschierte Ivan links durch, sein Pass fand auch keinen Abnehmer. Die Wiener wachten aber schon vor der Rapid-Viertelstunde so richtig auf. In dieser dominierte Rapid. Sturm  reagierte nur noch, statt zu agieren. Trainer Vogel verzichtete aber bis zur 80. Minute auf einen Wechsel.

In der 78. Minute bekamen die Steirer die Rechnung präsentiert. Knasmüllner bediente Alar ideal, der bedankte sich mit dem Ausgleich. Sturm wachte noch einmal auf, Spendlhofer und Murg vergaben in der Schlussphase Topchancen auf den Siegestreffer. Es blieb beim 1:1. Ein Unentschieden, das am Ende gerecht war.  

Wieder "Gogo raus"-Rufe

Nach dem Schlusspfiff waren wieder Fans am Wort. Da schimpften die Rapid-Fans. "Gogo raus"-Rufe waren zu hören. "Ich habe keine Zeit für so etwas, kümmere mich nur um die Mannschaft", sagt Trainer Goran Djuricin, der diese lobte. "Wir haben nach den Belastungen der vergangenen Wochen in den letzten Minuten noch einmal richtig Gas geben können. Das war gut."

Meinungen zum Spiel:

Heiko Vogel (Sturm-Trainer): "Es war ein leistungsgerechtes Unentschieden. Die Situation vor unserem Tor - das war Freistoß, kein Elfmeter. Wir hätten dann nach einem Superkonter nachlegen können, leider hat Huspek die Stange getroffen. In der zweiten Halbzeit wollten wir tiefer stehen und auf Konter lauern. Die Entlastung in Ballbesitz hat da aber nicht gut geklappt, wir hatten zu viele Ballverluste, anstatt das Spiel zu beruhigen. Wir wussten, dass Rapid zwei hochstehende Außenverteidiger hat, deswegen habe ich auch den schnellen Huspek gebracht. So wie er heute gespielt hat, da wird er auch die nächsten Spiele spielen. Es war ein sehr gutes Spiel meiner Mannschaft. Wir gehen mit einem guten Gefühl in die Länderspielpause.2

Goran Djuricin (Rapid-Trainer): "Wir hatten nach sieben Minuten eine Riesenchance von Schwab. Mit einem Tor hätte der Spielverlauf wahrscheinlich anders ausgesehen. Dann gab es die Fehlentscheidung beim Elfmeter, ich rechne es Manuel Schüttengruber hoch an, dass er sich schon in der Pause entschuldigt hat. In der zweiten Hälfte sind wir von Minute zu Minute stärker geworden und waren die letzten 20 Minuten richtig in Fahrt. Da gilt auch mein besonderer Dank an die medizinische Abteilung. Ich bin stolz auf meine Mannschaft wie sie nach dem Donnerstagspiel aufgetreten ist. Wir hätten das Spiel gewinnen, aber auch verlieren können."

Zu den "Gogo-Raus"-Rufen der Fans nach der Partie: "Wir leben in einer Demokratie, jeder kann denken und sagen, was er will."

Deni Alar (Rapid-Torschütze): "Sturm gegen Rapid ist kein normales Spiel, für mich war es ein besonderes Spiel. Ich bin froh, dass ich getroffen habe. Im Großen und Ganzen war es ein gerechtes Unentschieden, wenn auch beide Seiten Chancen auf den Sieg hatten. Druck hat man überall, wir wollten bei Sturm alles gewinnen und das ist jetzt bei Rapid das Gleiche."