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Sport Fußball
03/30/2021

Kara, Demir und Co.: Der ÖFB und seine türkisch-stämmigen Kicker

Österreich zeigte in der Vergangenheit einen nicht immer friktionsfreien Umgang mit türkisch-stämmigen Spielern. Kara ist aktuell noch in der Warteschleife.

von Günther Pavlovics

Turgay Bahadir wurde 1984 in Wien geboren und spielte zwei Mal im österreichischen U-21-Nationalteam. 2010 trug er das türkische Teamleiberl. Das war nur durch eine Änderung der FIFA-Regeln möglich, wonach Einsätze in Nachwuchs-Nationalteams kein Ausschlussgrund für einen Nationenwechsel seien. Der 1,90 Meter große Stürmer erklärte stets, für Österreich spielen zu wollen. Sein Klub wurde einmal per Fax benachrichtigt, dass er auf der Abrufliste für die ÖFB-Auswahl (für das Testspiel gegen die Türkei) stehe. Mit Bahadir persönlich nahm allerdings seitens des ÖFB niemand Kontakt auf.

Ercan Kara wurde zumindest vom ÖFB kontaktiert, er steht sogar im Aufgebot für die drei WM-Qualifikationsspiele. Um aber die Begehrlichkeiten des türkischen Verbandes abzuwehren, müsste der 25-Jährige laut FIFA-Regulativ nur ein Mal eingesetzt werden. Doch der Rapid-Stürmer saß zwei Mal nur auf der Tribüne.

„Er war heute nicht im Kader, weil ich mich einfach für andere Spieler entschieden habe“, sagte Franco Foda nach dem Färöer-Spiel. „Es war nicht nur Ercan auf der Tribüne, sondern auch vier andere Spieler“, sagte der Teamchef und verwies auf Lindner, Ranftl sowie das noch nicht ganz fitte Duo Posch und Lazaro.

Das Credo von ÖFB-Sportdirektor Peter Schöttel lautet, dass interessante Kandidaten im Nationalteam eingesetzt werden, wenn sie soweit sind. Diesbezüglich bliebe der Verband seiner Linie treu. „Wir werden das auch in Zukunft so fortführen.“

Wie im Fall Tarkan Serbest, der im ersten Teamkader von Foda im November auf Abruf stand. Der ehemalige Austrianer durfte im Jahr darauf im Nationalteam spielen – im türkischen. Wie im Fall Mert Müldür. „Die Einberufung vom ÖFB ist nicht gekommen. Sie haben sich zwar einmal gemeldet und wollten mit mir einen Termin für ein Gespräch vereinbaren. Aber dann habe ich nichts mehr von ihnen gehört. In der Zwischenzeit ist die Nominierung von der Türkei gekommen, die hab ich angenommen.“

Wobei es türkisch-stämmige Spieler im österreichischen A-Team nicht so leicht haben. Nicht einmal 20 Jahre ist es erst her, dass der erste Spieler mit türkischen Wurzeln im österreichischen Nationalteam gespielt hat. Teamchef Hans Krankl ließ im Jahr 2002 Volkan Kahraman auflaufen.

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Etwas mehr als 117.000 türkische Staatsbürger leben laut Statistik Austria in Österreich. Zu Beginn des Jahres 2018 befanden sich hierzulande zudem 71.678 österreichische Staatsbürger, die in der Türkei geboren wurden. Zieht man als bestimmendes Merkmal das Geburtsland der Mutter heran, so leben in Österreich rund 272.000 Menschen mit türkischem Migrationshintergrund.

Am Sonntag lief erst der zehnte Spieler mit türkischen Wurzeln für das A-Team auf. Zehn Spieler mit Wurzeln im ehemaligen Jugoslawien standen allein in Fodas Kader (43 Spieler, 15 auf Abruf, Arnautovic in China) für diese drei WM-Quali-Spiele.

Demir ist die Nr. 10

Nach Kahraman, Akagündüz, Korkmaz, Atan, Sariyar, Dag, Pehlivan, Kavlak und Özcan gab Yusuf Demir sein A-Team-Debüt. Laut FIFA-Regulativ muss der 17-Jährige in den nächsten drei Jahren noch zwei weitere A-Teamspiele haben, um nicht mehr für die Türkei auflaufen zu dürfen.

Die überraschte zum Auftakt der WM-Qualifikation mit einem 4:2 daheim gegen die Niederlande und einem 3:0 in Norwegen. Beide Partien spielte Mert Müldür durch, und er wird es wohl auch heute gegen Lettland tun. Der bald 22-jährige Rechtsverteidiger und Ex-Rapidler ist derzeit bei Sassuolo in Italien unter Vertrag.

Kosovo vs Turkey

Die Türkei bemüht sich schon seit Jahrzehnten offensiv, um Gastarbeiterkinder aus ganz Europa, besonders in den Niederlanden und Deutschland. So sind im Kader von Senol Günes neben dem Wiener Müldür sechs weitere Spieler, die nicht in der Türkei geboren wurden: Ayhan (Gelsenkirchen), Karaman (Stuttgart), Calhanoglu (Mannheim), Tosun (Wetzlar), Kökcü (Haarlem) und Türüc (Enschede).

Der bullige Stürmer Burat Yilmaz stammt zwar aus der Türkei, ist aber schon 35 Jahre alt. Weshalb die Türken Interesse an Ercan Kara haben. Wenn ihn Franco Foda nicht einsetzt. Der Teamchef sagte: „Es ist durchaus möglich, dass er beim nächsten Spiel im Kader ist.“

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