"Kann mit 'Vastic raus'-Rufen umgehen"

Austria Trainer Ivica Vastic während des Spiels.
Foto: APA/HERBERT P. OCZERET Nachdenken: Austria-Trainer Vastic lässt sich von Unmuts­äußerungen nicht aus der Konzept bringen. Sagt er jedenfalls.

Vor dem Bundesliga-Hit gegen Salzburg redet Ivica Vastic über Realitäten, laute Fans und den Problemboy im Team.

Ivica Vastic stochert in einem von Alufolie umwickelten Erdapfel. "Gesund", stellt er fest, und blickt auf den Bildschirm über ihm, auf dem sein Lebensinhalt gerade Thema ist. Fußball. Messi dribbelt in der Champions League. Weit weg also von jenen Realitäten, die Vastic als Austria-Trainer beschäftigen.

Nein, es ist nicht nach Wunsch gelaufen, in diesem Frühjahr. Die Violetten haben sich zu oft blamiert, wirkten farblos und der Trainer lag im Clinch mit Roland Linz, der in der Branche als Star gehandelt wird.

Und am Sonntag kommt Salzburg. Ausgerechnet.

KURIER: Sie haben schwierige Tage durchlebt. Sind Sie verwundert, dass die Kritik an Ihrer Person so früh kam?
Ivica Vastic:
Das ist sehr wohl verwunderlich, wenn man einen Trainer bereits nach fünf Spielen beurteilt. Dabei ist das doch eine längerfristige Arbeit. Sonst müsste man ja alle zwei Monate den Trainer wechseln.

Was ist nicht so eingetreten, wie eigentlich erhofft?
Die Unterstützung von den Fans. Ich habe erwartet, dass Sie mehr hinter der Mannschaft stehen. Da geht es nicht um mich. Aber junge Spieler brauchen diese Unterstützung. Gegen Sturm war es schon besser, das hat mir gefallen.

Aber wie intensiv knabbern die "Vastic raus"-Rufe am Selbstbewusstsein eines Trainers, der sein erstes Bundesliga-Jahr begonnen hat?
Ich kann damit umgehen. So etwas habe ich auch schon als Spieler ausgehalten. Es ist doch die Frage, wie man es aufnimmt, an sich heranlässt, das heißt, man kann dem ja auch ausweichen. Wahrscheinlich belastet es die Spieler mehr.

Jetzt spüren Sie den Unterschied zum Spielerleben. Sie tragen die Verantwortung ...
Natürlich. Als Spieler hast du selbst Einfluss auf deine Leistung, deine Fitness, deinen Lebensstil. Als Spieler haben ich nie unter dem Druck gelitten. Meine Leistungen waren halbwegs konstant. Als Trainer bist du abhängig von den Spielern. Du kannst nur einen gewissen Teil steuern. Das Privatleben oder was alles im Kopf eines Spielers vorgeht, ist außerhalb deines Einflusses.

Ein Coach zu sein, ist also ungleich schwieriger?
Das steht außer Frage. Jetzt bist du für das Gesamtpaket verantwortlich. Und man muss dabei immer auf dem Boden der Tatsachen bleiben. Das war ich schon als Spieler.

Dennoch: Ist die Austria jetzt nicht schon zum Siegen verdammt?
Wieso?

Bei der Austria ist der Titel doch immer ein Thema?
Nein. Fordern kann man immer. Das ist das Leichteste. Wie ich sagte: realistisch bleiben. Wir haben momentan keinen Kader, von dem ich den Titel verlangen kann. Im Vergleich mit Salzburg fehlt da die Berechtigung.

Was ist realistisch?
Natürlich streben alle nach Höherem, kein Spieler wird sagen, wir wollen nicht den Titel holen. Unser erstes Ziel ist die Europa League. Ein Ziel, das du zuerst in Händen halten musst. Derzeit sind wir auf Kurs. Ergibt sich die Chance auf mehr, dann wird man sie auch nützen. So wie es im Vorjahr Sturm Graz getan hat.

Der Austria wurde vorgeworfen, zu defensiv zu spielen, sogar von Angsthasen-Fußball war die Rede. Wie steht ein offensiver und kreativer Typ wie Ivica Vastic dazu?
Klar will ich, dass nach vorne gespielt wird. Bei mir war die Offensive ein Trieb, ich wollte immer mehr Tore schießen als wir hinten bekommen haben. Momentan könnte es sein, dass es einige Spieler hemmt, wenn man einem Rückstand hinterherlaufen muss.

 

Also geben Sie die Vorsichtstaktik aus?
Nein. Jeder Spieler hat die Verantwortung, die Situation zu erkennen, jeder muss die Entscheidungen auf dem Feld selbst treffen. Ich verlange natürlich, dass sie sich viel bewegen, sich in den Strafraum hineintrauen. Das passiert noch zu selten. Ich weiß nicht, warum das so ist. Vielleicht liegt es an den Verträgen, keine Ahnung. Wenn jeder mit sich beschäftigt ist, leidet das Kollektiv. Aber die Mannschaft hat einen guten Charakter.

Sie haben gesagt, auf dem Zustand der Spielfelder würde sich auf die Qualität schlagen. Ist das nicht zu einfach?
Das ist einer von vielen Gründen. Derzeit sucht man den Erfolg eher über den Kampf. Zauberfußball war bei diesen Platzverhältnissen nicht möglich. Und in Mattersburg mussten wir mit einem Eierball spielen, nur der Schiedsrichter wollte ihn nicht austauschen. Und überhaupt sollte man das Niveau nicht so schlecht machen. Ich habe Bayern gegen Bremen live gesehen. Das war 70 Minuten ein katastrophales Spiel. Möglicherweise schauen wir alle zu viel Champions League und sind zu verwöhnt.

Weniger verwöhnt wurden Sie nach eigenen Aussagen von den Trainingsleistungen des Roland Linz. Es war eine ziemliche mutige Entscheidung, ihn aus der Mannschaft zu nehmen ...
Mutig? Ich weiß nicht. Es war sicher nicht einfach. Er ist ein verdienter und der bestverdienende Spieler in der Mannschaft. Das muss er auch beweisen.

Und seine Einstellung im Training hat sich verbessert?
Schon vor dem Sturm-Spiel hat er größeren Willen gezeigt. Ich hoffe, er hat nach seinem Tor noch mehr Motivation gefunden. Entscheidend waren vorrangig die Trainingseindrücke. Ich hab’ immer gesagt, er muss arbeiten. Es ist zu einfach, zu sagen: Ich bin so – und aus.

Ist die Achse Linz-Kienast in Angriff vorstellbar?
Grundsätzlich ja. Wir probieren es im Training, aber wenn es im Training nicht funktioniert, wie soll es dann im Spiel klappen. So viel Zeit für Experimente haben wir nicht.

Wird Linz gegen Salzburg spielen?
Kann ich nicht sagen.

Wenn Sie könnten, wen würden Sie aus der österreichischen Liga in Ihre Mannschaft holen?
Jakob Jantscher von Salzburg.

Warum?
Er ist dynamisch, hat einen Willen, probiert immer auf der Flanke durchzukommen. Er gibt nie auf. Das gefällt mir sehr.

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(kurier / Alexander Strecha und Bernhard Hanisch) Erstellt am
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