APA14112324 - 12082013 - SALZBURG - ÖSTERREICH: ZU APA TEXT SI - Zlatko Junuzovic (m.) während des Trainings der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft am Montag, 12. August 2013, in Salzburg. Österreichs Nationalteam bereitet sich auf das freundschaftliche Länderspiel am Mittwoch, 14. August, gegen Griechenland in Salzburg vor. APA-FOTO: BARBARA GINDL

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Interview
08/14/2013

Junuzovic: „Wir sind zu noch mehr fähig“

Zlatko Junuzovic testet mit Österreich gegen Griechenland für die WM-Qualifikation.

von Alexander Strecha

Er ist Dauerbrenner und Dauerrenner: Seit eineinhalb Jahren läuft Zlatko Junuzovic als Mittelfeldmotor bei Werder Bremen auf Hochtouren, ist aus der Startelf nicht mehr wegzudenken. Parallel dazu erkämpfte er sich auch im Nationalteam seinen Fixplatz im offensiven Mittelfeld. Auch am Mittwoch gegen Griechenland in Salzburg (20.30 Uhr/live ORFeins) wird Teamchef Marcel Koller auf ihn zählen. Junuzovic steht nämlich stellvertretend für eine Generation von Fußballern, die sich im Ausland durchgesetzt hat und der eine positive Zukunft im Nationalteam zugetraut wird.

KURIER: Was kann man gegen Griechenland testen, was man im Quali-Herbst brauchen wird?
Zlatko Junuzovic:
Wir testen die momentane Form, versuchen einen Rhythmus zu bekommen. Es geht um die Abstimmung, um Laufwege, damit wir in drei Wochen besser vorbereitet sind.

Wie stehen die Chancen auf Platz zwei in der Tabelle, den Österreich aktuell innehat?
Mit dem Sieg über Schweden haben wir uns eine gute Position erarbeitet. Jetzt haben wir drei Finalspiele gegen Irland, Schweden und die Färöer. Punkte gegen Deutschland wären ein Bonus. Daheim gegen Irland müssen wir gewinnen, sonst relativiert sich der Sieg über Schweden.

Hat dieser Sieg für den gewünschten Ruck in der Mannschaft gesorgt?
Auf alle Fälle. Das ist uns in den letzten Jahren nicht gelungen, das gibt uns jetzt eine gewisse Selbstverständlichkeit. Wir haben dem Druck standgehalten. Hätten wir nicht gepunktet, wären wir weg gewesen aus dem Quali-Rennen.

Betrachten Sie einmal die letzten zwölf Monate: Inwieweit hat sich das Nationalteam weiterentwickelt?
Wir haben an Selbstvertrauen gewonnen, ohne dass es ins Überhebliche geht. Man merkt, dass wir etwas erreichen können. Und wir sind zu noch mehr fähig, können und werden uns weiter steigern in den nächsten Jahren. Jeder Einzelne ist noch nicht am Zenit.

Das Team kann seit dem Schweden-Sieg gegen Große bestehen. Was fehlt noch?
Wir können uns überall speziell verbessern. In der Abstimmung von hinten bis vorne, wie wir mit Drucksituationen umgehen. Wie wir in einer schlechten Phase reagieren. Das ist ein Lernprozess. Wir stehen da vielleicht erst am Anfang, weil wir generell immer noch eine junge Mannschaft haben.

Sie persönlich haben als Fußballer einen großen Schritt nach vorne gemacht, bei Bremen und im Team. Was unterscheidet Sie vom Zlatko Junuzovic aus Austria-Zeiten?
Ich bin älter geworden (lacht). Eigentlich hat sich nicht viel verändert, außer freilich dem Niveau, durch die Deutsche Bundesliga. Ich bewege mich jetzt auf einem anderen Level.

Viele prophezeien diesem Team eine schöne Zukunft. Ist dieser Optimismus berechtigt?
Natürlich. Nur dürfen wir nicht gleich wieder in eine Euphorie verfallen und verlangen, dass wir uns für jedes Turnier qualifizieren. Denn das ist nicht so leicht und braucht seine Zeit. Wichtig ist, dass man nicht den Fehler der letzten Jahrzehnte wieder begeht.

Welchen denn?
Entweder hat man alles schlechtgeredet, oder man ist in eine nicht gerechtfertigte Euphorie verfallen. Es muss gelingen, dauerhaft ein Mittelmaß zwischen beidem zu finden. Wenn wir den Weg konsequent weitergehen, dann kann dabei auch etwas rauskommen.

Marcel Koller meinte: Schafft man es nicht zur WM, dann wäre das für dieses Team kein Rückschlag.
Das sehe ich ähnlich. Natürlich wollen wir zunächst den zweiten Platz erreichen, um die zwei Spiele im Play-off zu haben. Dort ist dann auch viel möglich, vor allem beim Heimspiel. Wir haben bewiesen, dass wir vor eigenem Publikum gegen stärkere Gegner absolut bestehen können. Nur auswärts müssen wir künftig stärker auftreten. Schaffen wir es nicht nach Brasilien, dann dürfen wir den Weg dennoch nicht verlassen. Man muss das akzeptieren und darf nicht in Depressionen verfallen. Warum auch? Es gibt gleich wieder neue Ziele mit der EURO 2016 in Frankreich.

Für den Teamchef ist Arnautovic fit genug

Für das Länderspiel Österreich gegen Griechenland wurden bis Dienstagmittag rund 17.000 Karten abgesetzt. Der ÖFB rechnet mit etwa 20.000 Zuschauern in der Salzburger EM-Arena. Marcel Koller verzichtet auf Experimente, will der Mannschaft den letzten Feinschliff vor dem heißen Herbst verpassen. „Wichtig wird gegen die Griechen und auch in den nächsten Spielen sein, dass wir bereit sind, in der Defensive zu arbeiten und lieber zusätzliche fünf Meter zu gehen als zu spekulieren“, erklärte der 52-jährige Schweizer.

Im Hinblick auf die Schlussphase der Schweden-Partie, als die ÖFB-Auswahl gehörig unter Druck geriet, fordert Koller mehr Ruhe in Sturm- und Drangphasen des Gegners. „Da sind vor allem die älteren Spieler gefragt.“ Obwohl er erst 21 Jahre jung ist, wird in solchen Situationen auch David Alaba gefordert sein. Der Triplesieger von Bayern hat bei Koller eine tragende Rolle im defensiven Mittelfeld. Alaba, der in München Linksverteidiger spielt, hat zum Saisonbeginn einen Elfer verwandelt.

Seinen Stammplatz hat weiterhin auch Marko Arnautovic, obwohl man sich in Bremen zuletzt über den Fitnesszustand des Wieners beklagte. „Doch er ist nicht zusammengeschrumpft und hat kein Übergewicht. Für mich ist er fit, weil er die Vorbereitung mit Werder voll mitgemacht hat“, sagte Koller.

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