Sport | Fußball
08.03.2013

Jun, präzise und dynamisch

Der tschechische Schlüsselspieler drückt dem violetten Spiel seinen Stempel auf.

Auch am Samstag (16 Uhr) soll er die Veilchen wieder zum Sieg führen. Diesmal in Wr. Neustadt. Die Chancen stehen gut, die Austrianer haben in der laufenden Saison drei Mal so oft getroffen wie die Niederösterreicher.

Tomas Jun ist seit Jahren aus dem Spiel der Austria nicht mehr wegzudenken. Der Prager ist vor Kurzem 30 geworden und dürfte nach all seinen schweren Verletzungen regelrecht in einen Jun-Brunnen gefallen sein. So vergnügt wie in dieser Saison sah man den Tschechen schon lange nicht über die Fußballfelder Österreichs laufen.

Schmerzfrei

„Endlich bin ich über einen längeren Zeitraum schmerzfrei und habe letzten Sommer und jetzt im Winter die Vorbereitungen voll durchziehen können.“ Bei seinem aufwendigen Spielstil ist seine Fitness die Basis.

Die Verletzungen gehören der Vergangenheit an. Im Oktober 2009 riss bei Jun ein Kreuzband, der Weg zurück war steinig und schwer. Und vor allem lange, weil sein Knie in Folge immer wieder Beschwerden bereitete. „Ich wollte unbedingt spielen und habe zu früh begonnen. Lange Zeit waren nur 70 Prozent möglich.“

Der ehemalige Internationale – Jun absolvierte von 2004 bis 2006 unter Teamchef Karel Brückner zehn Länderspiele für Tschechien – ist das Um und Auf im Spiel der Austria. Er agiert unaufgeregt, für seine offensive Position selten wirklich spektakulär, dafür aber effizient und mannschaftsdienlich.

Lobes-Hymnen

Trainer Peter Stöger kann nur Positives über seine Nummer 11 berichten. „Tommy ist ein außergewöhnlicher Fußballer, torgefährlich, aber auch mit dem Blick für den Mitspieler.“ Jun freut das Lob. „Es ist schön, wenn die Leute das so sehen. Druck verspüre ich deswegen nicht. Ich gehe auf den Platz und will gut spielen.“ Das Kompliment gibt er zurück.

Denn den Trainer macht er für den violetten Höhenflug hauptverantwortlich. „Ich habe schon 15 Trainer gehabt in meiner Karriere. Aber nur ein, zwei waren wirklich gut. Peter Stöger hat das richtige Gespür für die Spieler und die Situationen. Ich habe noch nie einen Trainer gesehen, der so oft richtige Entscheidungen trifft.“

Jun träumt vom Titel. „Wir haben ihn aber noch nicht in der Tasche. Ich habe nur einmal so eine gute Saison gespielt, damals 2005 mit Sparta Prag, als wir sehr früh den Titel fixiert haben. Ich wurde Torschützenkönig.“ Und er denkt natürlich an die Champions League.

In der Königsklasse hat er als 17-Jähriger mit Sparta schon mitspielen dürfen. „Das war eine unglaublich schöne Erfahrung. Vor allem, als ich im San-Siro-Stadion gegen den AC Milan ein Tor erzielt habe.“ Spricht’s und bekommt sofort eine Gänsehaut. „Schau dir das an. Und das nach so vielen Jahren.“

Der Tscheche ist stolzer Familienvater und glücklicher Familienmensch. Seine Frau und Tochter Annetta leben in Prag, daher wird eifrig gependelt. Die Tochter geht in Tschechien in den Kindergarten, kommt im Sommer in die Schule. Juns Frau leitet ein Kosmetik-Geschäft.

Die von Strecke Wien nach Prag kann er mittlerweile mit verbundenen Augen fahren. Nur aktuell sind die Ausflüge in seine Heimat selten. „Weil ich alles für den Titel mache und mich lieber in Wien regeneriere als Stunden lang im Auto zu sitzen.“

Ruhepol

Ist er dann in Wien ein Jun-Geselle, hört er gerne tschechischen und slowakischen Rap. „Die Slowaken sind da aber besser.“ Oder er geht mit seinen Kumpels Simkovic, Kienast oder Mader auf einen Kaffee. „Ich bin ein ruhiger Typ, ich brauche nicht so viel.“ Er ist aber auch ein 30-Jähriger, der häufig verschmitzt lächelt wie ein kleiner Bub. „ Tomas hat einen guten Schmäh. Er ist ein lustiger Typ“, erzählt Stöger.

Mit einer Einberufung ins tschechische Nationalteam rechnet Austrias Offensivmotor nicht mehr. „Teamchef Bilek mag mich nicht. Ich hatte ihn als Trainer bei Sparta Prag, damals hat er mich in die U-23 verbannt.“ Jun durfte im Team zwei Jahre mitwirken. „Pavel Nedved und Karel Poborsky waren die Besten. Ich habe viel von ihnen lernen können.“

Zukunftsmusik

Über die Zeit nach der Karriere hat er sich noch keine Gedanken gemacht. „Mit den Händen kann ich nichts, nur mit den Füßen“, lacht er wieder einmal verschmitzt. Und hat dann doch eine Idee. „Vielleicht leite ich irgendwann Tennisplätze in Prag mit einem kleinen Restaurant. Ich spiele ja selbst gerne Tennis.“ Und auch Eishockey, wie es sich für einen Tschechen gehört.

Bis dahin hat er aber noch Zeit. „Einige Jahre möchte ich noch spielen. Am liebsten hier in Wien.“

Porträt: Fast ein echter Wiener

Juns Stammverein ist Sparta Prag, wo er sechs Jahre spielte und 2005 Torschützenkönig wurde. Ausgeliehen wurde er an Trabzonspor, Jablonec, Besiktas und Altach.

Seit 2009 spielt Jun für die Austria, erzielte in 98 Spielen 22 Tore.