Da schau her. Gerald Baumgartner und die Austria sind noch ohne Sieg.

© APA/ROLAND SCHLAGER

Interview
08/28/2014

Baumgartner: "Mein Konzept wird Erfolg bringen"

Die Wiener Austria will endlich gewinnen. Diesmal am Samstag in der Südstadt gegen die Admira.

von Alexander Strecha

Haben Sie eine Truppe von Trainings-Weltmeistern?
Gerald Baumgartner: Nein, ich denke, dass wir gegen Rapid schon eine gute Leistung gebracht haben. Es war ein flottes Derby , das wir als Sieger über die Bühne bringen hätten müssen.

Wöchentlich grüßt das Murmeltier – die Austria wartet auf den ersten Sieg. Nervt das schon?
Nein, wir haben Punkte verloren gegen Wr. Neustadt und Altach daheim, nicht unbedingt gegen Rapid. Das Remis war verdient.

Haben Sie zwischenzeitlich Zweifel, dass ihre Vorstellungen umsetzbar sind?
Zweifel kommen nicht auf. Man sieht, dass wir mit Hosiner oder Jun schon zwei Spieler verloren haben, die das Spiel der Austria in der Offensive sehr geprägt haben. Wir haben Damari geholt, der seine Qualität immer wieder zeigt, aber noch seine Zeit braucht. Ein Hosiner in Bestform ist er noch nicht. Wir arbeiten intensiv mit den Offensivreihen. Unser Anspruch muss sein, dass wir mehr Tore erzielen. Vielleicht zweifle ich dahin gehend, dass wir den einen oder anderen Stürmer zusätzlich noch brauchen könnten.

Haben Sie die Austria unterschätzt oder falsch eingeschätzt?
Inwiefern?

Das ganze Rundherum des Vereins.
Nein, das stört mich nicht. Ich habe gleich einen Crashkurs erhalten in den ersten Wochen. Das gehört für einen Austria-Trainer dazu. Natürlich bedarf das einer Gewöhnung. Aber das ist nicht das Problem. Wichtiger ist, dass wir das Spielermaterial weiter bringen.

Wie lange braucht die Austria, um Ihr System spielen zu können?
Gegen Rapid hat es die ersten 15 Minuten ja schon funktioniert, da haben wir ein Tor erzielt und Chancen kreiert.

Ist das ein System, das man überhaupt 90 Minuten durch hält?
Nein. Aber wir stehen auch nicht so hoch, wie das beispielsweise Salzburg tut. Weil wir nicht so schnelle Innenverteidiger haben. Wir versuchen bei Ballbesitz des Gegners ein hohes Pressing anzuwenden. Gegen Sturm und Rapid hat es teilweise gut geklappt. In der Offensive brauchen wir mehr Durchsetzungsvermögen. Damari wird kommen, Meilinger macht Fortschritte und wird vielleicht ein Führungsspieler bei der Austria.

Und einige Spieler sind nicht in Normalform.
Ja, das kommt sicher dazu. Ich will keinem Vorgänger ans Bein pinkeln, das war nie meine Intention. Aber ich habe eine Mannschaft übernommen, die nicht wirklich intakt war. Wir arbeiten daran, das braucht Zeit.

Haben Sie auch die Spieler für Ihr System?
Wir haben auf der einen oder anderen Position Spieler, die das spielen können. Aber in der Breite des Kaders haben wir noch nicht genug Spieler dafür oder ein paar, die dort noch hinkommen müssen. In Zukunft wollen wir im Kader etwas verjüngen und verändern. Wir haben aber auch sehr wohl dynamische Spieler für das System.

Ein Trainer muss glaubwürdig sein. Glaubwürdig ist man vor allem, wenn die Mannschaft erfolgreich ist. Haben Sie Angst, dass Ihre Glaubwürdigkeit leidet ohne Siege?
Ich sehe es andersherum. Ich habe ein Konzept, mit dem wir erfolgreich sein können. In zwei Monaten haben die Spieler gesehen, wie ich bin und arbeite. Als österreichischer Fußballprofi bin ich nicht in der Situation, mir den Trainer auszusuchen. Wir sind auf einem guten Weg, der Draht zueinander stimmt, der Umgang ist respektvoll. Ich hätte vielleicht den einen oder anderen gerne drinnen, der einmal laut dazwischen haut. Aber so einen Typen haben wir halt nicht, das muss man akzeptieren.

Haben Sie das Gefühl, dass die Mannschaft Ihr System kapiert und nur noch nicht so umsetzen kann?
Sie kapieren es und haben es teilweise schon umgesetzt. Nur müssen wir mehr Kombinationen in der Offensive zu Ende spielen. Wir kommen zu selten durch. Wenn wir anfangen zu gewinnen, können wir in der Tabelle schnell weit rauf wandern. Bis zum Winter wollen wir unter den ersten Drei sein.

Wie haben Sie das Ausscheiden der Salzburger empfunden?
Es ist schade. Für mich als Salzburger noch um ein paar Prozente mehr vielleicht. Man hat gesehen, dass der Fußball kein Wunschkonzert ist, dass man sich alles hart erarbeiten muss. Und dass es ins Gewicht fällt, wenn Stammspieler fehlen. Das hat Malmö ausgenützt mit der richtigen Taktik.

Die Austria liegt 13 Punkte hinter Salzburg. Salzburg kann Malmö nicht eliminieren...
Sie meinen: Wie weit weg sind dann wir?

Genau.
Natürlich sind wir weit weg von Salzburg. Aber bisher spielen wir auch noch keine normale Saison. Wir schauen aber nicht täglich auf Salzburg. Wir müssen unsere Dinge verbessern.

In letzter Zeit verweisen Sie darauf, dass Austria-Trainer ständig unter Druck stehen.
Ich habe nicht darauf hingewiesen, das habe ich im Small-Talk gesagt.

Warum? Um Druck von sich abzuladen? Oder weil Sie realistisch sind?
Ich bin realistisch. Es kann schnell gehen. Aber ich bin überzeugt, dass mein Konzept Erfolg bringen wird. Wir haben uns alle nicht gedacht, dass der erste Sieg so eine schwierige Geburt wird. Wir werden auf Kurs kommen. Unsere größte Baustelle ist derzeit die Offensive, aber bei den Spielern geht es allmählich nach oben.

Wenn wir uns in einem Monat wieder treffen, glauben Sie, dass wir über ganz andere Themen sprechen werden?
Ja, das glaube ich sehr wohl. Weil ich überzeugt bin, dass es nach oben geht.

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