Inter-Mailand-Trainer Simone Inzaghi: Legende mit Leidenschaft

UEFA Champions League Final - Inter Milan training session
Der Italiener hat im Finale der Champions League gegen Manchester City seinen größten Triumph vor Augen. Anpfiff ist um 21 Uhr.

Im Fußball, wie auch im Leben, schließt sich oft der Kreis. Auch für Simone Inzaghi. Der Italiener galt lange Zeit als der Unterschätzte, nun steht er im Champions-League-Finale mit Inter und fordert heute Abend den Favoriten Manchester City.

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Inzaghi stand als Stürmer zumeist im Schatten seines Bruders Filippo, wenngleich er selbst keine schlechte Karriere vorzuweisen hat. Nach der aktiven Laufbahn heuerte er als Nachwuchscoach bei Lazio Rom an und saß plötzlich im Chefsessel, da der Klub einen gewissen Stefano Pioli vor die Tür gesetzt hatte. Jenen Pioli, der 2022 Milan zum Titel führte und der Inzaghis Halbfinal-Gegner in der Champions League war. Inzaghi setzte sich mit Inter klar durch und steht vorm Ziel seiner Träume.

Beinahe schon entlassen

Dabei wäre der 47-Jährige aus Piacenza schon längst nicht mehr Coach der Nerazzurri, wäre es nach den Klubverantwortlichen gegangen. Im Juni 2022 verlängerten sie Inzaghis Vertrag, im Oktober wollten sie ihn schon wieder auf die Straße setzen.

Ähnlich erging es ihm bei Lazio Rom. Nach wenigen Spielen musste er wieder zurück in die zweite Reihe, weil Marcelo Bielsa verpflichtet wurde. Doch der Argentinier begann, mit der Klubspitze zu streiten, sodass man wieder Inzaghi zurück in die Coaching Zone bat, wo er bei Lazio auch fünf Jahre blieb, ehe ihn der Ruf von Inter Mailand ereilte.

Während also sein Gegenüber Pep Guardiola bei all seinen Trainerstationen Barcelona, Bayern München und Manchester City unumstritten war und ist, musste Inzaghi zumindest immer zu Beginn seiner Tätigkeiten um Anerkennung rittern.

Die Inzaghi-Brüder sind in Fußball-Italien seit vielen Jahren ein Begriff. „Pippo“ hatte als Fußballer mehr Erfolge zu feiern, vor allem den WM-Titel 2006, Simone dafür als Trainer. Nur einmal triumphierte Simone als Spieler über seinen älteren Bruder, als Lazio 2000 noch an Juventus vorbeizog und den Scudetto holte.

Spiele auf dem Dachboden

Die Brüder hatten von klein auf den Ball an den Füßen. Als Kinder forderten sie sich gegenseitig in den Spielen auf dem Dachboden des Hauses heraus, wie aus Piacenza berichtet wird.

Die Inzaghis fühlen sich nicht wie Wissenschafter auf der Trainerbank, sondern leben vielmehr von ihrer Leidenschaft und ihren Emotionen, sie beziehen Spieler und Fans in ihr Werk mit ein. Nicht selten geschieht es, dass Simone unmittelbar nach einem Spiel nicht interviewt werden kann, weil seine Stimme nach den lautstarken Anweisungen im Abseits steht. Die Familienbande der Inzaghis hält, wie Simone unterstreicht: „Mein Bruder ist mir immer nahe geblieben.“

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