Sport | Fußball 10.01.2012

"Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona"

© Bild: EPA

Das bewegende Leben der Manchester-United-Legende.

Eric Cantona. Philosophisch, exzentrisch, kontrovers. Manchester-United-Legende. Eine polarisierende, schillernde Persönlichkeit, die den Fußball in den 90er Jahren prägte.

Aber auch abseits des Platzes weiß der vielfältige Franzose wie man auf sich aufmerksam macht. Seine Karriere danach ist bemerkenswert.

Begonnen hat alles 1983 beim AJ Auxerre wo er fünf Jahre spielte. Ein Meistertitel blieb ihm jedoch verwehrt. Diesen holte er aber mit Marseille gleich zwei Mal, 1989 und 1991. Doch Cantona wusste sich nicht nur durch sportliche Leistungen in Szene zu setzen. Nicht immer hatte er seinen temperamentvollen Charakter im Griff, prügelte sich mit einem Tormann, wofür er drei Monate gesperrt wurde. Nach weiteren Eskapaden flog er aus der Mannschaft und landete über Umwege bei Manchester United, wo er 64 Tore in 144 Spiele erzielte.

Negativer Höhepunkt des Kampfhahns: Am 25. Januar 1995 beim Spiel gegen Crystal Palace kickte er im Kung-Fu Stil einen Zuschauer, nachdem dieser ihn beleidigt hatte. Nur knapp entging er einer Gefängnisstrafe. Über eine neuerliche Sperre von einem halben Jahr kam er dennoch nicht herum. Die Bilder gingen um die Welt und spätestens jetzt war Cantona in aller Munde.

Trotz seiner zahlreichen Skandale genießt der Mann mit dem aufgestellten Kragen einen gottesähnlichen Status bei den "Red Devils". Nicht nur wegen der vier Meisterschaften in fünf Saisonen und seiner Wahl zu Englands Fußballer des Jahres 1996. Mit der Ehrung im Milleniumsjahr zum wichtigsten United-Spieler des 20. Jahrhunderts wurde er bei den Fans unsterblich. Die Wahl 2005 zum wichtigsten Spieler aller Zeiten in der Premier League ist ein weiterer Meilenstein in seiner einzigartigen Karriere.

Rücktritt

Seinen Rücktritt als Profi verkündete Cantona, als er am sportlichen Höhepunkt angelangt war. Als damals 31-Jähriger kam die Entscheidung vollkommen überraschend. Aber die Ambitionen nach neuen Herausforderungen bewegten ihn zu diesem Schritt. "Wenn jemand nur den Fußball als einzige Leidenschaft im Leben hat, wird es gefährlich."

Und so entfaltete sich der 45-fache Nationalspieler der " Équipe Tricolore" als Schauspieler. Mithilfe des Slogans "Ich bin kein Mensch, ich bin Cantona" gelang ihm mit "Looking for Eric" der Durchbruch. Im Film setzt sich Cantona als Lebensberater in Szene, indem er Eric Bishop, einen glühenden, aber depressiven und auf die schiefe Bahn geratenen Manchester-United-Fan, hilft, seine Probleme in den Griff zu bekommen. Cantona wollte damit seine besondere Beziehung zu den United-Fans darstellen.

Für besonderes Aufsehen sorgte der Goalgetter im November 2010, als er eine Boykottaktion gegen das Finanzsystem unterstützte. In rebellischer Manier forderte er die Franzosen auf, sich gegen die Politik und das Bankensystem zu wehren, er forderte die Leute auf, sämtliches Geld von Bankkonten abzuheben. Ziel: das Finanzsystem zum Zusammenbruch zu bringen. Die Initiative findet mittlerweile internationalen Anklang. Eher symbolisch dagegen ist seine Präsidentschaftskandidatur, mit dem Ziel auf die akuten sozialen Probleme, speziell im Wohnbereich, aufmerksam zu machen.

Daneben hat er dem Fußball die Treue gehalten. Zunächst im Beachsoccer, wo er 1999 als Spielertrainer und Organisator den Aufbau des professionellen französischen Beachsoccer maßgeblich vorantrieb. Mit der französischen Nationalmannschaft wurde er Europa- (2004) und Weltmeister (2005). Nun fungiert er seit kurzem als Sportdirektor bei New York Cosmos, das ab 2013 in der amerikanischen Major Soccer League antreten möchte.

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Erstellt am 10.01.2012