Ein Stück Mauer: Rapid-Fans besorgen sich in Hütteldorf den ganz persönlichen Teil der Westtribüne.

© KURIER/Gilbert Novy

Hütteldorfer Abrissparty
10/05/2014

Der letzte Ansturm der Sesselkleber

Mehr als 15.000 Rapid-Fans kauften das Hanappi-Stadion leer, bis die Bagger kamen.

von Alexander Huber, Gilbert Novy

Im Hanappi Stadion wurde viel erlebt. Sportliche Triumphe und menschliche Tragödien. Meisterfeiern und Platzstürme. Stimmungsexplosionen und Schweigeproteste. Am Samstag kam noch eine letzte, neue Erfahrung hinzu: Ein Begräbnis erster Klasse mit Hütteldorfer Partystimmung.

Weil in Wien "a schene Leich’" stets mit besonders großer Anteilnahme gefeiert wird, stehen schon mehr als 2000 Fans vor den rostigen Toren, bevor die achtstündige Abrissparty überhaupt losgeht. Mittags sind die 6000 vorbereiteten Erinnerungsboxen schon ausverkauft. Der ganz legale Grasverkauf führt zu langen Warteschlagen. Kein Wunder: Über 15.000 sind insgesamt gekommen, um einen Rasenziegel, ein Teil vom Tor-Netz der Leidenschaft oder das selbst heraus gebohrte Stück Westtribüne mitzunehmen. Manche wollen nur noch einmal im Stadion sitzen, bevor kommende Woche nach 37 Jahren der Abriss beginnt.

Den größten Run gibt es auf die grün-grauen Sesseln der Westtribüne – als ginge es um einen "Heiligen Stuhl". Die meisten Abonnenten erweisen sich als Sesselkleber und wollen genau ihren Sitz- bzw. Stehplatz. Aber auch viele Familienväter, die längst auf die teureren Plätze der Nord- und Südtribüne übersiedelt sind, nehmen sich um 19,77 Euro noch ein Stück Jugend vom "Block West" mit nach Hause.

Weltweite Resonanz

Über die charmante und zugleich lukrative Idee der Abrissparty (rund 200.000 Euro Einnahmen) wurde zuletzt in Deutschland, England, Niederlande, Italien und sogar in Brasilien und Japan berichtet. In den Gesichtern der Fans ist kindliche Freude, aber auch Wehmut zu sehen. "Das ist schon traurig", sagt Rekordfan Jürgen Hartmann, als er seinen Abo-Sitz aus dem zweiten Wohnzimmer entfernt.

Bevor der erste Bagger einrollt, gibt es noch das überdimensionale "Familienbild" mit der Mannschaft und 3000 singenden Mitgliedern auf der Tribüne. Da das Hanappi-Stadion als erstes österreichisches Stadion in die "Google Special Collection" aufgenommen wurde, ist es zumindest im Netz für die Ewigkeit festgehalten. Und wer sich ein Bild vom Bau des Allianz Stadions machen will, findet ab sofort auf der Rapid-Homepage eine in luftiger Höh’ montierte Webcam: Das Hanappi-Stadion ist Geschichte, doch am Gerhard-Hanappi-Platz 1 entsteht Größeres.

Bilder von der Abrissparty

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