Sport | Fußball
18.12.2011

Herzog wird Klinsmanns Co

Der U21-Teamchef verlässt den ÖFB und wird Assistent seines Freundes beim US-Nationalteam.

Die kurze Liste der österreichischen Trainer-Legionäre wird um einen Namen und eine auch international beachtliche Position erweitert: Andreas Herzog verlässt nach sechs Jahren den ÖFB und wechselt in die USA.

Den 43-Jährigen ereilte der Ruf seines langjährigen Freundes Jürgen Klinsmann. Der frühere Trainer des FC Bayern coacht das Nationalteam der USA und wollte seinen Betreuerstab um einen Co-Trainer erweitern. "Am Montag hat mich Jürgen kontaktiert. Ich musste nicht lange nachdenken, um zu erkennen, was das für eine Chance ist", erzählt Herzog im KURIER-Gespräch.

Überraschung

Am Freitagabend bei der internen ÖFB-Weihnachtsfeier informierte Herzog Verbandspräsident Windtner, Generaldirektor Ludwig und Sportdirektor Ruttensteiner, dass ihm ein Offert des US-Verbandes vorliegt. "Für Herzog ist dies eine einzigartige Möglichkeit, sich als Trainer auf internationaler Bühne zu präsentieren. Daher werden wir ihm keine Steine in den Weg legen, obwohl wir seinen Abgang bedauern", erklärt Windtner zum überraschenden Abschied.

Herzog wagt damit den großen Schritt über den Atlantik und verpasst seiner zuletzt ins Stocken gekommenen Trainerkarriere einen Schub. Österreichs Rekord-Teamspieler diente Hickersberger und Brückner als Co-Trainer beim A-Team. Für den Chefposten kam er nie über den Kandidatenstatus hinaus, auch nicht nach Constantinis Abgang. Als U-21-Teamchef wurde die Olympia-Qualifikation verpasst, die EM-Qualifikation verläuft enttäuschend. Ein Nachfolger wird im Jänner bestimmt. "Das ist ein begehrter Job. Wir werden in Ruhe sondieren", sagt Ludwig.

Kontakte

Herzog sagt zu seinem Wechsel zum WM-Stammgast: "Jürgen ist seit langer Zeit ein Freund von mir. Wir hatten zuletzt nicht so viel Kontakt, haben aber immer darauf geachtet, dass wir uns regelmäßig austauschen. Er war bei der deutschen Heim-WM Teamchef und dann Bayern-Trainer. Jürgen ist also auf einem Top-Niveau unterwegs. Ich werde da sicher auch einiges für meine Zukunft mitnehmen können."

Herzogs Wechsel wurde auch in Deutschland wahrgenommen: "Unglaublich, was heute los ist und wie viele Medien sich melden." Der Lebensmittelpunkt bleibt für den zweifachen Familienvater aber weiterhin Österreich. "Ich werde viel hin- und herfliegen. Vielleicht nehme ich mir auch eine Wohnung in den USA. Ein großer Teil meiner Arbeit wird aber in Europa stattfinden, weil ich für die Beobachtung der US-Legionäre in den europäischen Ligen zuständig bin", erklärt Herzog, der bereits am 3. Jänner mit einem Trainingscamp in Arizona startet: "Wir werden bis zum 26. Jänner mit Spielern aus der US-Liga arbeiten und gegen Venezuela und Panama testen."

Die USA sind Andreas Herzog keineswegs fremd. Der Mittelfeldspieler ließ seine Karriere 2004 bei Los Angeles Galaxy ausklingen und war von Land und Leuten angetan. "Jürgen hat damals als Berater von Galaxy meinen Transfer eingeleitet. Martin Vasquez, der jetzt auch beim US-Team als Coach arbeitet, war damals noch unser Co-Trainer." Die USA steigen im Kontinental-Verband CONCACAF erst in der dritten Runde in die WM-Qualifikation ein. Am 8. Juni wird gegen Antigua und Barbuda daheim gespielt. Weitere Gegner sind Jamaika und Guatemala. Die ersten Zwei kommen in eine Sechser-Gruppe. Die ersten Drei fahren fix nach Brasilien, der Vierte spielt ein Play-off gegen den Sieger der Ozeanien-Qualifikation.

Rapid-Episode

Im April wäre Herzog beinahe zu seinem Stammverein zurückgekehrt: Nach dem Rücktritt von Rapid-Sportdirektor Alfred Hörtnagl gab es am 5. April eine Einigung mit Präsident Edlinger. Tags darauf sagte Herzog plötzlich ab, weil er sich doch als Trainer sieht. Als nur eine Woche später Trainer Pacult entlassen wurde, wollte Edlinger nicht wieder anfragen. "Manchmal passt das Timing einfach nicht", meinte Herzog.

Dieses Mal war das Timing für Herzog perfekt.

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