Fußball in Hernals: Ein Bezirk, zwei Welten

Tief in der sportlichen Krise feiert der Sport-Club die Stadioneröffnung, während der Post SV ums Überleben zittert.
Wiener Sport-Club-Platz

Von Fabio Tartarotti

Nach zwei Jahren Baustelle nahm das lange Warten am Freitagabend ein Ende. Feierlich wurde der neue Wiener Sport-Club-Platz,  alias Stadion der Stadt Wien, an der Alszeile eingeweiht. Mit dabei: Protagonisten wie Sportstadtrat Peter Hacker, der stolz in die Kamera grinsend sein rund 22 Millionen Euro schweres, öffentlich finanziertes Stadion vor ausverkauftem Haus für eröffnet erklärte. Zum Höhepunkt der Feierlichkeiten bot der Hauptpächter WSC seinem Publikum eine der aktuellen Spielform würdige 0:1-Performance gegen den SV Horn

Aktuell den 14. Rang der RLO-Tabelle belegend, darf man den Sport-Club als akut abstiegsgefährdet bezeichnen. Verfehlt man in den nächsten Runden den sportlichen Aufschwung, könnte das neue Prachtstück der Stadt Wien kommende Saison zum Austragungsort Wiener Stadtliga Spiele werden – dort wäre ein Aufeinandertreffen mit einem weiteren Hernalser Traditionsklub möglich.

15 Gehminuten weiter östlich und zwei Spielklassen weiter unten dominiert der Post SV die 2. Landesliga. Nach 22 Spielrunden mussten die Postler am Samstag gegen Rapid Oberlaa die allererste Saisonniederlage hinnehmen, was für Trainer Khajik Jerjes nicht zwingend nur Negatives mit sich bringt. „Vielleicht kam das jetzt zum richtigen Zeitpunkt, die Mannschaft war brennhaß, was ein gutes Zeichen für mich ist. Es kann etwas Gutes sein, dass jetzt für viele der Druck weg ist die Serie zu erhalten. Das klare Ziel ist immer noch die Meisterschaft und damit der Aufstieg in die Stadtliga.“ Und dieses bleibt auch weiterhin zum Greifen nah. 

Der aktuelle Erfolgslauf des Post SV gelang übrigens ganz ohne großes Bauprojekt oder Zuneigung der öffentlichen Hand, en contraire: Die mehrheitlich in Staatsbesitz befindliche Post AG lässt, um „wohlwollend“ Wohnraum zu schaffen, den Pachtvertrag des Postsportplatzes mit dem größten Amateursportverein Wiens bis Ende 2027 auslaufen, dieser sieht sich dadurch mittelfristig in seiner Existenz bedroht – dem geneigten Leser dürfte die Petition „Rettet den Post SV!“ bekannt sein.  
Und so sind die Rollen im Hernalser Fußball-Kosmos klar verteilt, das Schoßkind kämpft im neuen Vorzeigestadion um Klassenerhalt, während der Aufstiegskandidat ums blanke Überleben zittern muss.

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