Kracherspiele und Leichenschmaus: Das steht im neuen Sport-Club-Vertrag
Nach jahrelangem Tauziehen um ein neues Stadion für den Wiener Sport-Club (WSC) konnten vorige Woche endlich die Sektkorken knallen: Die Stadt Wien und der Traditions-Fußballklub aus Hernals unterschrieben einen unbefristeten Pachtvertrag für die um 22 Millionen Euro runderneuerte Arena (der KURIER berichtete). Erster Ankick wird am Freitag beim Ostliga-Heimmatch gegen Horn sein – dann darf auch die hohe Rathauspolitik den Ehrenanstoß vornehmen: durch Sportstadtrat Peter Hacker (SPÖ) und die pinke Sportsprecherin Jing Hu.
Die Tinte in den Verträgen war vorige Woche noch gar nicht trocken, da konnten gleich zwei weitere Nutzer für die neue Arena präsentiert werden: Die Footballer der Vienna Vikings werden künftig an der Alszeile bei Heimspielen das Eierlaberl werfen; und auch die ÖFB-Damen gastieren am 5. Juni beim Match gegen Slowenien in der neuen Sport-Club-Arena.
Mindestens 50.000 Euro
Von solchen Kooperationen hat der WSC aber eigentlich nichts, denn man ist selber nur noch „Untermieter“ und derlei Events werden nun direkt von der Stadt Wien vergeben. Und zwar von der Wien Holding Sport GmbH (WHS), die auch die neue Sport Arena Wien im Prater betreibt. Aufgrund dieser Expertise soll beim WSC „die Vergabe der Sportveranstaltungen an andere Sportarten durch die WHS erfolgen“, teilt ein Sprecher des Wiener Sportamts (MA 51) mit.
Es ist eine durchaus kompliziertere Konstruktion, die da gewählt wurde: Stadion-Eigentümer ist zwar weiter die MA 51, die aber kein direktes Vertragsverhältnis mehr mit dem Sport-Club hat, sondern mit der WHS. Und der Sport-Club ist deren Sub-Pächter – mit entsprechend eingeschränkten Nutzungsrechten. Was an den Verträgen, die dem KURIER vorliegen, noch auffällt: Es gibt keinen fixen, sondern einen Mindest- und einen umsatzabhängigen Pachtzins – wobei Ersterer anfangs 50.000 Euro pro Jahr beträgt. Für den Umsatzpachtzins wurden neun Kategorien (siehe Tabelle unten) definiert, wo die Stadt bei den Einnahmen anteilsmäßig mitschneidet: vom Ticketing über Bandenwerbung bis hin zu kleineren Events (explizit die Rede ist dabei "von Kindergeburtstagen über Firmenveranstaltungen bis zu Leichenschmaus").
Von den VIP-Erlösen möchte die Stadt 10 Prozent haben, von den Kartenverkäufen 5 Prozent (bei freundschaftlichen „Kracherspielen“, also Spitzenspielen, sind es auch 10 Prozent). Ein Preisbeispiel: Ist der WSC bei einem Liga-Heimspiel mit rund 5.600 Fans ausverkauft und nimmt so rund 50.000 Euro ein, müssen 2.500 Euro abgeliefert werden.
Allerdings gibt es laut Vertragswerk auch einen „Deckel“: Mehr als 150.000 Euro an jährlichem Umsatzpachtzins darf es nicht sein – wobei vorab festgehalten wird, dass dieser Betrag bei einem Aufstieg in die 2. Bundesliga und entsprechend höheren Einnahmen „evaluiert“ werden soll.
Der MA-51-Sprecher betont, dass der Pachtvertrag nicht das Ziel verfolge, die Investitionssumme à la longue zurückzuverdienen, vielmehr gehe es um einen „gesellschaftlichen Mehrwert“, da das neue Stadion „die Begeisterung für sportliche Aktivität in der Bevölkerung“ fördern möge.
Mit der bei der Wien Holding angesiedelten WHS gibt es nun jedenfalls eine dritte Verwaltungseinheit im Wiener Sport: Denn außer der MA 51, die große Stadien (Generali-Arena, Hohe Warte) und viele kleine Plätze besitzt, existiert ja auch noch die Wiener Sportstätten GmbH: Die hat das Happel-Stadion im Portfolio – und gehört auch zur Holding.
Der vertrauliche Pachtvertrag für den WSC: Bei all diesen Einnahmen ist die Stadt beteiligt.
Der "Pachtzins-Deckel" und die Aufstiegsklausel sind vertraglich festgehalten.
Kritik von FPÖ
Wegen dieser „Sportbürokratie“ hat die FPÖ im Ausschuss als einzige Partei gegen den Vertrag gestimmt: „Die neue Heimstätte für den Sport-Club ist klar zu begrüßen. Aber solche Kettenpachtverträge über die WHS sind hochproblematisch, weil so dem Gemeinderat die Kontrolle entzogen wird“, moniert Sportsprecher Lukas Brucker.
Sport-Club Stadion
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