Gerhard Zallinger (Mitte) genießt das Vertrauen von Teamchef Franco Foda und hält Stars wie Martin Hinteregger fit

© APA/HANS PUNZ

Sport Fußball
03/21/2020

Heimtraining für Fußballer: Wenige Quadratmeter, viele Übungen

Coronavirus: Athletik-Trainer Gerhard Zallinger erklärt, worauf es ankommt und wie viel Anlauf es nach der Pause braucht.

von Andreas Heidenreich, Stephan Blumenschein

Was darf man? Was darf man nicht? Diese Fragen haben sich in den vergangenen Tagen mit Sicherheit auch viele Sportlerinnen und Sportler gestellt. Nicht zuletzt wurde bestätigt: Es ist erlaubt, sich alleine oder in Begleitung jener Menschen, mit denen man zusammenlebt, im Freien zu bewegen.

Für die Trainer im Fußball und anderen Sportarten war diese Meldung mit Sicherheit mit einer Menge Erleichterung verbunden. Sie können ihre Spieler dieser Tage nicht nur mit einem Heim-Programm fürs Wohnzimmer, sondern auch mit einem individuellen Laufprogramm ausstatten.

KURIER-Informationen zufolge ist genau das bei den österreichischen Profiklubs auch passiert. Die Spieler haben von ihren Klubs Pulsuhren bekommen, mit denen sie ihre Läufe aufzeichnen und dem Athletik-Trainer schicken müssen.

Peter Stöger, Sportvorstand der Austria: „Es ziehen alle super mit, das Verständnis ist groß. Wenn Spieler etwas benötigen, dann können wir es ihnen auch zustellen.“

Kurze Pause ist gut

Von Pause ist also keine Rede. Doch würde genau die speziell Fußballern, die zuletzt im Dreitagesrhythmus im Einsatz waren, nicht gut tun?

Gerhard Zallinger, Sportwissenschafter und Athletik-Trainer des österreichischen Fußball-Nationalteams, formuliert es so: „Keine Frage. Pause tut gut. Es hängt allerdings davon ab, was danach kommt“, betont Zallinger. „Je länger die Pause dauert, umso länger braucht man danach auch wieder Anlauf.“

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Auch Zallinger hat in Sachen ÖFB nun eine Pause, die Länderspiele im März gegen Wales und die Türkei wurden ebenso abgesagt wie die Europameisterschaft.

Mehr als eine Woche ist es nun schon her, dass zuletzt eine österreichische Mannschaft ein Spiel bestritten hat. Es war das 0:5 des LASK gegen Manchester United am 12. März. Seither steht auch bei den Linzern der mannschaftliche Trainingsbetrieb still. Und an das so wichtige Mannschaftstraining im Fußball wird mit hoher Wahrscheinlichkeit noch lange nicht zu denken sein.

Rundum-Programm

Um die Fitness zu erhalten, braucht es weit mehr als Läufe. „Es gibt viele Dinge und Übungen, die man mit wenigen Quadratmetern zu Hause auch erfüllen kann“, sagt Zallinger. Auch als Profisportler. Die Rede ist von Kräftigung und Mobilisierung. „Die ganzen Aufgaben, die der Sportler in seiner täglichen Routine sowieso meist zurückstellt.“

Klar, welcher Fußballer arbeitet nicht lieber mit dem Ball, als auf der Gymnastikmatte? „Es gibt wenige, die wirklich mit null Schmerzen oder Problemen durch eine Meisterschaft gehen.“ Genau deshalb sei es genau jetzt auch möglich, in Einzelfällen Rückstände in diesen Bereichen aufzuholen.

Zallinger nennt es ein „Aufbauprogramm für Gelenke oder Muskelsysteme, die im Zuge der Meisterschaft zu kurz kommen.“ Auf einzelne Übungen könne man so ein Programm aber nicht beschränken. „Es geht darum, in der Bewegung zu bleiben und den Muskel am Kraftniveau zu halten.“

Eigenes Fitnesscenter

Nicht alle Spieler haben freilich auch dieselben Möglichkeiten. Bekanntere Stars – wie auch David Alaba – haben oft ein größeres Haus mit Fitnessgeräten im Keller. Vor wenigen Tagen erst postete Real-Kapitän Sergio Ramos ein Video, das ihn bei einem hochintensiven Lauf auf seinem Laufband zeigt. Seine Kraftkammer gleicht einem Fitnesscenter.

Weil aber Profis von kleineren Klubs nicht immer ebenso gute individuelle Trainingsmöglichkeiten und auch oft nicht eine ganz so umfangreiche Betreuung haben, könnte eine längere Pause in einer Liga wie der österreichischen auch zu einem größeren Problem werden.

Zallinger vergleicht die Situation mit jener, die zwischen zwei Saisonen inklusive Urlaub und Vorbereitung entsteht. „Da halte ich eine Pause von acht bis zehn Tagen für absolut notwendig. Wenn wir jetzt von einer mehrwöchigen Unterbrechung der Liga ausgehen, dann braucht es mindestens auch einen zweiwöchigen Anlauf, um wieder vernünftig in eine Meisterschaft starten zu können.“

Um die Meisterschaft in der österreichischen Bundesliga bis Ende Juni fertig spielen zu können, müsste der Anpfiff für die zehn ausstehenden Runden spätestens Ende Mai und die Rückkehr ins gemeinsame Mannschaftstraining spätestens zwei Wochen davor erfolgen.

Andernfalls wäre ein großes Verletzungsrisiko die fast logische Folge.

Salzburger bekommen online das Menü serviert

Hand in Hand mit dem individuellen Training geht auch die Ernährung des Sportlers, die für die Fitness ebenso essenziell ist. Größere Klubs haben meist eigene Köche, da ist es ganz normal, dass zwei Mal täglich gemeinsam gegessen und somit eine gewisse Qualitätssicherung bei der Nahrungsaufnahme betrieben wird.

Viele Spieler stehen damit nun vor einer Herausforderung, die bisher immer andere für sie erledigt haben. „Der Stellenwert der Online-Beratung in Fitness- und Ernährungsfragen wird wachsen“, ist ÖFB-Athletik-Trainer Gerhard Zallinger überzeugt.

Bei Red Bull Salzburg ist die Ernährung schon lange ein wichtiges Thema. Als sich vor mehr als zehn Jahren der damalige Trainer Huub Stevens die vielen Muskelverletzungen nicht erklären konnte, wurde als Konsequenz  im Trainingszentrum ein gesundes Frühstücksbuffet angeboten. Daraufhin ging die Verletzungsanfälligkeit zurück. 

Schon seit Sommer 2012 gehört mit Tobias Brunner ein Koch fix zum Betreuerteam, der nicht nur auf den Reisen und während der Trainingslager für das leibliche Wohl der Spieler sorgt, sondern tagtäglich für die Mannschaft kocht.

Kein fixer Speiseplan

Natürlich wurde wegen der Coronavirus-Krise auch bei Red Bull das Training eingestellt. Die Spieler wurden vom Verein angewiesen, den Anordnungen der Behörden Folge zu leisten und sich in ihrem häuslichen Umfeld in Salzburg aufzuhalten. Reisetätigkeiten wurden bis auf Weiteres untersagt.

Dazu bekam jeder Spieler ein persönliches Trainingsprogramm. Aber nicht nur das: Von Sport-Diätologin Anja Horina gibt es in einer Online-Gruppe täglich Tipps für die Spieler, wie sie sich in ihren eigenen vier Wänden gesund ernähren können. Einen fixen Speiseplan gibt es nicht, auch wird nicht kontrolliert, ob die Spieler die Kochtipps nutzen. Aber beim Klub geht man von professionellem Verhalten auch in der Quarantäne aus.

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