Geisterspiele in der Corona-Krise? "Fußball ist als Messe zu feiern"

Geisterspiele in der Corona-Krise? "Fußball ist als Messe zu feiern"
Der heimischen Bundesliga drohen Geisterspiele: Uni-Professor Roman Horak fürchtet dabei um alles, was den Kick ausmacht.

Jahrzehntelang erforschte Roman Horak den Fußball und seine Fans. Bis zu seiner Pensionierung leitete der 67-Jährige die Abteilung für Kulturwissenschaften an der Universität für angewandte Kunst. Nicht nur als Rapid-Fan fürchtet sich Horak vor den Geisterspielen.

KURIER: Geht Ihnen der Fußball fünf Wochen nach dem letzten Spiel ab?

Roman Horak: Mir geht meine Runde von Freunden ab. Wir sind 5 bis 15 Menschen, die sich seit rund 30 Jahren beim Wirten treffen und dann zum Spiel gehen. Mir geht auch das Spiel ab, obwohl die Rapid meistens ein Elend ist. Und mir geht ab, dass ich mich nicht über die Rapid ärgern kann. Mir geht also das ganze Paket ab.

Ist das Spiel nur ein Teil des Fußballs?

Ja. Als ich in den 80er und 90ern Fan-Forschung betrieben habe, war zu hören: Das Spiel ist ein Auslöser, aber es geht mehr um das soziale Rundherum. Fußball ist mehr als die 22 Hans’ln, die dem Ball nachlaufen. So erlebe ich es auch: Im Stadion ist es noch erlaubt, eine längt überholte Männerkultur auszuleben. Ich erlaube mir, mich zu entäußern und Dinge zu sagen, die ich sonst nicht von mir hören will.

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