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Sport Fußball
03/12/2020

Geisterspiel psychologisch: "Kein großer Einfluss auf Spieler"

Sportpsychologin Mirjam Wolf spricht über die Situation des LASK im Heimspiel gegen Manchester United.

von Andreas Heidenreich

Mirjam Wolf ist Sportpsychologin beim österreichischen Frauen-Nationalteam. Schon bei der erfolgreichen EM 2017, die Österreichs Team auf Platz drei beendete, gehörte sie zum Betreuerstab von Teamchef Dominik Thalhammer.

KURIER: Ein Fußballer eines österreichischen Klubs bekommt Manchester United als Gegner zugelost. Was passiert im Kopf des Spielers?

Mirjam Wolf: Das hängt vom Individuum ab und macht jeder Spieler mit sich selbst aus. Der erste Gedanke kann sein: „Puh, wir hätten es leichter erwischen können“, oder „Ich freu mich auf die Riesenchallenge und bin bereit, diese zu meistern.“ Es kann also in alle Richtungen gehen. Es kann auch den Aspekt haben: „Wir können, aber müssen nicht.“ Weil die externe Erwartungshaltung gering ist.

Frei nach dem Motto: Wir haben ja nix zu verlieren?

Das kann einen gewissen Schutz darstellen und externalen Druck nehmen. Internal ist das oft nicht so, weil ein Profi bemüht ist, Tag für Tag und Spiel für Spiel seine beste Performance zu zeigen.

Man hört oft von Spielern nach einer Niederlage: „Da haben wir die Hose voll gehabt.“ Wie kann man Spieler darauf vorbereiten, nicht in Ehrfurcht zu erstarren?

Man kann sich vor Augen führen, dass nicht immer das beste Team gewinnt. Es geht nicht um die Frage, wer das beste Team ist, sondern wer das beste Team des Tages ist. Entscheidend dabei ist, den Gegner ein Stück weit wegzulassen, sich mehr auf sich zu konzentrieren und zu fragen: Verfüge ich über ausreichend Mittel, die mir Vertrauen und Zuversicht geben, die Aufgabe meistern zu können? Welche Handlungen will ich umsetzen, welche Ziele verfolge ich auf dem Platz?

Was kann ein großes Stadion wie Old Trafford bewirken, wenn man Pasching oder die Linzer Gugl gewohnt ist?

Jeder Fußballer träumt von klein auf, in so einem Stadion spielen zu dürfen. Es geht wieder um die eigene Haltung. Ist man überzeugt von dem, was man kann und auf dem Platz erreichen kann? So bald man diese Ebene erreicht hat, kann so ein Stadion unglaublich beflügeln.

Wie ist es umgekehrt für einen Spieler aus Manchester, der auf die leere Linzer Gugl kommt. Noch dazu bei einem Spiel ohne Zuseher?

Das ist sehr individuell. Es berichten immer wieder Spieler, dass sie das Publikum gar nicht wahrnehmen, weil sie in ihrem Tunnel sind. Es kann für manche aber auch positiv sein, weil sie mehr davon wahrnehmen, was der Mitspieler oder der Trainer sagt. Es kann genauso negativ sein, wenn ein Spieler das Gefühl hat, er braucht es, dass ihn von außen jemand pusht. In Summe hat es daher gar nicht so einen großen Einfluss.

Der Mensch soll ja auch Gewohnheitstier sein. Der LASK ist aus der österreichischen Liga wenige Zuschauer durchaus gewohnt. Ein Vorteil?

Gewohnheiten haben den meisten Nutzen, wenn sie von mir selbst kommen. Bei einem Sportler etwa die individuelle mentale oder physische Vorbereitung auf einen Wettkampf. Externe Faktoren sollten da eher keine Rolle spielen.

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