Sport | Fußball
05.12.2011

Gefährliches Spiel mit Arnautovic

Nach der Rauferei von Istanbul ist das Enfant terrible zurück im Team und steht im Mittelpunkt, spricht jedoch nicht.

Immer wieder ist sein Name zu hören. So leise kann das Getuschel am Rande des Spielfeldes in Bad Tatzmannsdorf gar nicht sein. "Schau', der Marko Arnautovic".

Da ist er, da geht er, da liegt er mit Marc Janko zum Zwecke der Dehnungsübung am Boden. Und da scherzt und gaberlt er mit David Alaba und Aleksandar Dragovic. Es ist die Phase der Vorbereitung für das Spiel am Freitag in Gelsenkirchen. Aber wen interessiert schon Deutschland, wenn es einen Typen wie Arnautovic zu besichtigen gibt.

Streit

Es war am 29. März, als sich der Legionär aus Bremen in Istanbul nach dem 0:2 im EM-Qualifikationsspiel eine handfeste Auseinandersetzung mit Teilen der Nationalmannschaft geliefert hat. Die Konsequenz aus der damaligen Kabinenparty: Arnautovic wurde aus dem Kader eliminiert.

Nach fünf Monaten ist er wieder zurück. Ein Telefonat hat gereicht, und der Teamchef entschloss sich zum Rückzieher. Es ist nicht das erste Mal, dass sich Dietmar Constantini erweichen ließ und an die wundersame Persönlichkeitsveränderung glaubt. "Er ist einer, der den Unterschied ausmachen kann", lautet die Begründung. Lammfromm ist er jetzt. Bremen-Trainer Schaaf habe dies in mehreren Gesprächen versichert. Und in die "kicker-Elf der Runde" hat er es auch geschafft.

Stille

Marko Arnautovic winkt ab, wenn er von den Medien angesprochen wird. Schweigen ist bis nach dem Spiel gegen die Deutschen Gold, wurde ihm nahegelegt. Der 22-Jährige erlaubt das private Gruppenfoto mit drei Kindern und geht danach ungebrochen lässigen Schrittes ins Hotel. Dort bekam er ein Einzelzimmer verordnet. Zeit, um sich ungestört konzentrieren zu können. Martin Harnik scherzt, dass der nachnominierte Salzburger Franz Schiemer ins Zimmer von Arnautovic muss.

Aber wie reagiert die Mannschaft auf das Comeback? Besonders die älteren Spieler begrüßten den Bann. Constantini meinte, als er auf dessen Einberufung verzichtet hatte: "Ich habe mich für das Kollektiv entschieden." Gerät die Harmonie im Kollektiv wieder in Gefahr? Sollte es Probleme geben, "ist er in der nächsten Minute weg", meint der Teamchef.

Doch beim lockeren Trainingsauftakt fehlten jene Spieler, die in Istanbul mit Arnautovic das Nachspiel bestritten hatten. Auf Pogatetz ( Hannover) wurde noch gewartet, Keeper Macho ist verletzt und Neo-Salzburger Maierhofer ist nicht im Kader.

Diplomatie

Zumindest offiziell reagieren die Spieler zurückhaltend. "Wir begrüßen uns und dann geht jeder seine Wege. Wir geben ihm eine Chance. Es ist fürs Team sicher kein Nachteil, dass er ein Sprechverbot hat", meint Janko.

"Ich halte mich zurück und schaue mal, wie er sich verhält", erklärt England-Legionär Paul Scharner. Und für Austria-Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic soll das Sportliche im Vordergrund stehen: "Ich verstehe mich vor allem auf dem Platz mit ihm sehr gut."