Kalajdzic nach Algerien-Tor: „Jeder hat mir eine Watsch’n gegeben“
Er war fix und fertig und vor allem kurz sprachlos. Sasa Kalajdzic hatte Österreich wenige Minuten zuvor mit dem 3:3 ins Sechzehntelfinale geschossen. „Ich kann das Tor nicht realisieren, ich hoffe, dass ich es in den nächsten Tagen kann und dass ich vor Spanien wieder klar im Kopf bin.“
Er kam in der 94. Minute und erlöste Fußball-Österreich in der 96. Minute und ersparte seinen Kollegen und dem Trainerteam eine Blamage mit dem Heimflug nach der Vorrunde. Marcel Sabitzer meinte mit einem Schmunzeln: „Er ist ein Stürmer und für die Tore da. Und er hat es gemacht.“
Dabei hatte Kalajdzic das Aufwärmen schon beendet gehabt. Alles deutete auf ein 2:2 hin, die Ersatzspieler nahmen auf der Bank Platz, als Riyad Mahrez plötzlich das 3:2 erzielte, und Österreich reagieren musste.
Die Anweisungen von Rangnick waren kurz: „Sasa, du kommst jetzt. Das hat er zu mir gesagt.“ Seine Gedanken waren ebenfalls schlichter Natur. Irgendwie muss der Ball hinter die Linie, egal von wem. Letztlich bewies Kalajdzic Köpfchen und bescherte Österreich den Hit gegen Spanien. Nach dem Hollywood-Thriller geht es nun nach Los Angeles.
4 Minuten Nachspielzeit waren angezeigt, Mahrez traf in Minute 93 zum 3:2. Und dann die 96. Minute. Der Ball kommt von Gregoritsch vor das Tor, Kalajdzic köpfelt entschlossen gegen die Laufrichtung des algerischen Tormanns. Alles, was danach kommt, ist Ekstase.
Turbulente Zeiten
Der 28-Jährige erlebt gerade aufregende Zeiten. Mit dem LASK holte er das Double, spielte sich mit starken Leistungen in den WM-Kader und rechtfertigte diese Entscheidung nicht nur mit diesem Tor. „Gefühlt bin ich noch im Schock – und erleichtert, dass es noch positiv ausgegangen ist für uns. Plötzlich erwischen sie uns eiskalt. Und dann das. Ich hoffe, dass noch viele Momente kommen werden, vielleicht nicht ganz so dramatisch. Solche Momente wie diesen möchte man als Fußballer erleben.“
Voller Ekstase: "Solche Momente wie diesen möchte man als Fußballer erleben"
Vor allem für so einen Torjubel arbeitet man als Fußballer jeden Tag. „Im ersten Moment habe ich gar nicht gewusst, was ich machen soll. Dann habe ich den Gregerl gesehen, der mir den Ball super aufgeköpfelt hat, und bin auf ihn drauf gesprungen. Dann waren gefühlt 50 Menschen um mich, und jeder hat mir eine Watsch’n gegeben, hat mir ins Gesicht oder ins Ohr geschrien. Es war voller Ekstase. Diese Momente schreibt nur der Fußball.“
Jetzt wartet Spanien im Sechzehntelfinale. „Wir haben ja gewusst, dass es nur mehr diese Option gibt. Aber an den kommenden Gegner haben wir nicht gedacht.“ Vor lauter Erschöpfung und Glückseligkeit blieb auch kaum Raum für klare Gedanken.
Überwältigt
Dabei begann die WM für Kalajdzic mit einer Überraschung. „Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass ich gegen Jordanien von Beginn an spiele.“ Seine Leistung, er wurde in der Pause ausgetauscht, stufte er als weder gut noch schlecht ein. „Ich glaube, dass ich von dem ganzen Ambiente etwas zu überwältigt war.“
Das alles ist jetzt auf die Seite geschoben, „weil das interessiert jetzt niemanden“.
Den 27. Juni in Kansas City zählt er nun zu seinen besten Tagen in seinem Fußballerleben. „Ich habe mit dem LASK den Cup und die Meisterschaft geholt. Und dann war noch ein Spiel mit Stuttgart gegen Köln, als wir den Abstieg verhindert haben. Das war ein Wahnsinn und mit der Situation jetzt ein wenig vergleichbar.“ Die Reise geht weiter, auch für Sasa Kalajdzic.
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