ÖFB-Teamkicker: Traurig, niedergeschlagen, aber optimistisch für die Zukunft
Die erste WM seit 28 Jahren ist für Österreich mittlerweile wieder Geschichte.
Die Spieler wirkten nach dem 0:3 gegen Spanien allesamt geknickt, verweilten noch lange in der Kabine. Während die Spanier den von der FIFA vorgegebenem Gang durch die Medienzone ganzheitlich und recht flott absolvierten und mit Journalisten plauderten, ließen sich Österreichs Kicker Zeit und bitten.
Einige bogen sogar in den Katakomben des SoFi-Stadium ab und verschwanden, andere wie Marko Arnautovic gingen wort- und grußlos vorbei. Der Rekordnationalspieler hatte nach seinem letzten Auftritt für Österreich seinem Lieblingsfeind, den Medien, nichts zu sagen.
Dafür umso mehr seinen Kollegen in der Kabine, als er zum Abschied eine Rede hielt, jeden einzelnen innig umarmte und bitterlich weinte. Seine langjährigen Weggefährten und Spezis tränten ebenso.
Ein Nationalteam ohne Marko Arnautovic, vorstellbar? Konrad Laimer schüttelte den Kopf: „Seit ich für Österreich spiele, ist der Marko da. Ein großartiger Spieler, aber mehr noch ein großartiger Mensch, eine tolle Persönlichkeit.“
Einige Spieler standen dann doch Rede und Antwort, machten sich Gedanken um eine vernünftige WM-Bilanz trotz aller Emotion ziehen zu können. Kapitän David Alaba rang zunächst sichtlich nach Worten, war niedergeschlagen. „Ich spüre eine gewisse Leere und natürlich auch Trauer. Es wird sicherlich noch einige Zeit brauchen, das alles zu verarbeiten.“
Jetzt kann er sich endlich auch mit seiner beruflichen Zukunft beschäftigen. Nach dem Abgang von Real Madrid befindet er sich auf Vereinssuche. „Jetzt werde ich mir darüber Gedanken machen. Bis jetzt habe ich mich nur auf die WM konzentriert.“
Der Weg des Nationalteams sei der richtige, grundsätzlich, weil man endlich seit 28 Jahren wieder bei einer WM war. Dennoch habe man gesehen, dass gegen die ganz Großen die Qualität fehlt. „Da ist schon noch Luft nach oben.“
Teamchef Ralf Rangnick wirkte nach außen hin durchaus zufrieden mit der WM. „Die Mannschaft hat ihr eigentliches Ziel bei der WM erreicht. Wir sind in einer extrem schwierigen Gruppe weitergekommen. Schon bei der Auslosung war uns klar, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, als Zweiter aufzusteigen und anschließend auf Spanien zu treffen. Ich glaube aber, dass meine Mannschaft gegen nahezu jeden anderen Gegner auf Augenhöhe gewesen wäre und gute Chancen gehabt hätte, noch weiterzukommen.“
Torhüter Alexander Schlager zählt sicherlich zu den „Gewinnern“ dieser WM, sorgte mit Paraden für Aufsehen, hielt Österreich lange gegen Argentinien im Spiel, verhinderte gegen Spanien eine noch höhere Niederlage. „Der Moment wird kommen, in dem ich mich über meine Leistungen bei dieser Weltmeisterschaft freuen werde.“
Michael Gregoritsch bilanzierte abgeklärt: „Im ersten Spiel gegen Jordanien hat man uns schon Nervosität angesehen. Gegen Algerien haben wir uns schon fast verabschiedet, das waren nicht wir. Und gegen Spanien muss man die Qualität des Gegners anerkennen. Wenn du in solchen mitspielen willst, dann brauchst du einen perfekten Tag. Die Leistungen kann man vielleicht negativ sehen, aber am Ende spielt dann doch ein Gegner mit.“
Sasa Kalajdzic hatte mit dem 3:3 gegen Algerien seinen ganz persönlichen Moment der WM. Dennoch bleibt für den aufgeräumten Stürmer mehr übrig.
„Diese Erfahrung eine WM zu spielen, war schon überragend. Wir haben die Gruppe überstanden, das war unser Anspruch, das war die Erwartung von außen. Gegen Spanien hatten wir das Gefühl überraschen zu können, das hat sich leider nicht bewahrheitet.“ Man sei doch weiter entfernt von dem Niveau als gehofft. Zumindest an diesem Tag.
Unisono waren die Spieler sich einig, dass der eingeschlagene Weg unter Rangnick der richtige ist und weiter bestritten werden soll. Laimer: „Wir haben uns in den letzten Jahren für drei Europameisterschaften und jetzt für eine Weltmeisterschaft qualifiziert. Wir wollen den nächsten Schritt gehen, werden ihn gehen.“
Wie der aussehen soll, konnte Laimer nicht sagen: „Heute bin ich leer.“ Stefan Posch stimmte zu: „Man hat gesehen, dass wir grundsätzlich die Großen ärgern können. Diesmal ist es nicht gelungen. Wir haben Potenzial, es kommt Potenzial nach.“
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