Italien zittert: Die Azzurri fürchten ein blaues Wunder
Das Bangen einer Nation: Italien fürchtet um die WM.
Aller schlechten Fußballdinge dürfen einfach nicht drei sein, wenn es nach den Italienern geht. Den Azzurri droht nämlich zum dritten Mal in Folge eine Weltmeisterschaft vor dem Fernseher und nicht als Teilnehmer. Wie schon 2018 und 2022 muss der vierfache Weltmeister über das Play-off den Weg zur Endrunde finden. Gegen Schweden bzw. Nordmazedonien war einst Endstation, der Katzenjammer dementsprechend groß. Die Situation rund um die Nationalmannschaft ist in den letzten Jahren nicht rosig, abgesehen von dem EM-Titel 2021, der wie ein blaues Wunder aus dem Nichts kam.
Nun baut sich Nordirland im Halbfinale als Gegner auf, am Donnerstag (20.45 Uhr/live Puls 4) hat Italien in Bergamo Heimvorteil. Im Finale müsste der vierfache Weltmeister nächsten Dienstag auswärts in Wales oder Bosnien-Herzegowina antreten. Gennaro Gattuso sah sich vor Italiens Entscheidungsspielen in der Rolle des Psychologen. „Wir müssen dafür sorgen, dass sich die Spieler unbeschwerter fühlen“, sagte der Teamchef.
Krise mit System
Es gebe keinen Grund zum Bangen. „Das sind Spieler, die die Europameisterschaft gewonnen und in Champions-League-Finalspielen dabei waren. Sie sind an solche Spiele gewöhnt“, machte Gattuso sich selbst und einer ganzen Fußballnation Mut. Unter vielen Anhängern ist die Stimmung jedoch skeptisch und angespannt. Italien steckt schon länger im Tief.
„Im Sport dreht sich alles um Zyklen, aber dieser im Fußball dauert schon viel zu lange“, sagte Italiens Sportminister Andrea Abodi jüngst und erhöhte damit den Druck auf die Kicker. Quasi eine ganze Generation italienischer Kinder hat keine Erinnerungen an ein WM-Spiel ihrer Nationalmannschaft. Die bis dato letzte Partie der Italiener bei einer WM-Endrunde war das 0:1 gegen Uruguay am 24. Juni 2014 in Brasilien, als Abwehrrecke Chiellini von Suarez gebissen wurde. Das Aus kam damals nach der Gruppenphase.
Der Negativtrend wurde nur durch den überraschenden Titel bei der EM 2021 kurz unterbrochen. Verbandspräsident Gabriele Gravina will den italienischen Fußball mit einem neuen Nachwuchskonzept nach vorne bringen. Aus seiner Sicht werde zu viel Wert auf Taktik gelegt.
Kampf um die Tickets
Gegen Nordirland hat Italien seit 1958 nicht mehr verloren. Sechs Siege und zwei Unentschieden gab es danach. In Europa werden noch drei weitere WM-Tickets vergeben. Ukraine gegen Schweden und Polen gegen Albanien lauten die Halbfinal-Paarungen in Pfad B. Im dritten „Mini-Turnier“ mit K.-o.-Charakter trifft die Türkei daheim zunächst auf Rumänien, die Slowakei bekommt es mit dem Kosovo zu tun. Außerdem spielen Dänemark und Nordmazedonien sowie Tschechien und Irland einen WM-Startplatz aus.
Im interkontinentalen Play-off warten der Irak und die Demokratische Republik Kongo auf ihre Finalgegner. In der Nacht auf Freitag sind zunächst Bolivien und Suriname im mexikanischen Monterrey im Einsatz, danach bekommt es Neukaledonien in Guadalajara mit Jamaika zu tun.
Der Irak peilt die erste WM-Teilnahme seit 1986 an. Die Vorbereitung wurde erheblich durch den Iran-Krieg beeinflusst. Nach der Schließung des Luftraums und der Streichung internationaler Flüge saß ein Großteil der Mannschaft in Bagdad fest.
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