Gegen Privatisierung: Mehrheit des Weltfußballs gegen FIFA-Boss Infantino
Die UEFA gegen Gianni Infantino
Trotz des immer größer werdenden Widerstands gegen die Privatisierungspläne von Präsident Gianni Infantino hat die FIFA am Freitag erklärt, an ihren Plänen festzuhalten, private Investoren an der Fußball-Weltmeisterschaft zu beteiligen.
Der in der Schweiz ansässige Weltverband erklärte, „fehlerhafte Medienberichte“ hätten in dieser Woche den geplanten Konsultationsprozess gestört. Dennoch werde der umstrittene Vorschlag den 211 nationalen Mitgliedsverbänden zur Abstimmung vorgelegt.
„Wir werden diesen Konsultationsprozess fortsetzen, damit jeder Mitgliedsverband auf Grundlage der Fakten seine Stimme abgeben kann“, hieß es in einer Stellungnahme, die in der Nacht veröffentlicht wurde.
Die FIFA schlägt vor, eine 20 Milliarden US-Dollar schwere Tochtergesellschaft namens FIFA Forward Enterprise (FFE) zu gründen. Diese soll die Weltmeisterschaft und andere FIFA-Wettbewerbe vermarkten und organisieren. Bis zu 20 Prozent der Anteile sollen externen Investoren angeboten werden.
Angeführt werden soll die Investorengruppe vom Fonds Thrive Eternal, der von Thrive Capital unter der Leitung von Joshua Kushner verwaltet wird, teilte die FIFA mit. Joshua Kushner ist der Bruder von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump.
UEFA führt den Widerstand an
Die europäische Fußball-Union UEFA steht an der Spitze des Widerstands gegen die Pläne. Sie wirft der FIFA vor, die „Seele“ des Sports zum Verkauf" anzubieten. Am Donnerstag beschlossen die 55 UEFA-Mitgliedsverbände einstimmig, alle FIFA-Wettbewerbe zu boykottieren – weniger als zwei Wochen nachdem Spanien Weltmeister geworden war.
Die FIFA entgegnete am Freitag:
„Niemand verkauft den Fußball. So etwas würde die FIFA niemals in Betracht ziehen.“ Weiter hieß es: „Jeder hat das Recht, seine Ablehnung auszudrücken oder weitere Klarstellungen zu verlangen. Aber keine einzelne Organisation kann für alle 211 Mitgliedsverbände weltweit sprechen.Jeder Mitgliedsverband sollte die Möglichkeit haben, den Vorschlag zu prüfen und über seine eigene Zukunft mitzuentscheiden. Das sind die demokratischen Grundsätze der FIFA.“
Auch die nord- und mittelamerikanische sowie karibische Konföderation CONCACAF lehnte den Vorschlag bei einer Sitzung am Donnerstag ab. Anders als die UEFA sprach der 41 Mitglieder umfassende Verband jedoch keine Boykottdrohung aus.
Der Asiatische Fußballverband (AFC) verschickte ebenfalls ein scharf formuliertes Schreiben an seine 47 Mitgliedsverbände. Darin erklärte er, das Vorhaben könne niemals erfolgreich sein, wenn es nicht von allen sechs Kontinentalverbänden unterstützt werde. „Im Licht der klaren Positionierungen von UEFA und CONCACAF wie auch der beispiellosen Spaltung über die Fußball-Welt“, glaubt der AFC, dass der vorgeschlagene FFE realistischerweise nicht die erforderliche breite Zustimmung und Einheit erhalten kann, um weiter voranzukommen.
FIFA: Der Prozess ist demokratisch
FIFA-Präsident Gianni Infantino hatte den Mitgliedsverbänden in dieser Woche in einem Brief zugesichert, dass jeder Verband 40 Millionen US-Dollar erhalten würde, sollte der Vorschlag bis zum 19. September angenommen werden. Am Freitag betonte die FIFA erneut, dass das Vorhaben nur umgesetzt werde, wenn eine Mehrheit der Mitgliedsverbände zustimme.
„Diese Grundsätze bilden das Fundament des FFE-Vorschlags: beispiellose Entwicklungsförderung, ein wirklich globales Eigentum an den kommerziellen Möglichkeiten unseres Sports sowie vollständige Selbstbestimmung aller Mitgliedsverbände durch einen demokratischen Prozess.“
UEFA, CONCACAF und AFC verfügen zusammen über 136 Mitgliedsverbände und damit mehr als die Hälfte der 211 FIFA-Mitglieder. Allerdings ist nicht sicher, dass alle nationalen Verbände der Haltung ihrer jeweiligen Kontinentalverbände folgen werden.
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