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Infantinos Pläne: Schlittert der Fußball in seine größte Krise?

Der umstrittene Chef des Fußball-Weltverbandes Gianni Infantino versucht, Teile der kommerziellen Rechte an Investoren zu verkaufen. Europas Fußball droht geschlossen mit dem WM-Boykott.
Beste Freunde: Donald Trump und Gianni Infantino bei der Siegerehrung der WM.

Es sind gerade harte Zeiten für Fußballromantiker und Freunde des guten, alten, ehrlichen Kicks. Der Fußball wird zusehends zum Spielball strategischer und finanzieller Interessen, die hehren Werte werden mit Füßen getreten. Die jüngste Idee von Gianni Infantino, dem Präsidenten des Weltverbandes FIFA, besitzt die Sprengkraft, den Weltfußball grundlegend zu erschüttern und in die größte Krise seiner Geschichte zu stürzen.

Welche Pläne verfolgt die FIFA konkret?

Gianni Infantino will die FIFA für Investoren öffnen und einen Teil ihrer kommerziellen Rechte an Wettbewerben (WM, Klub-WM, Frauen-WM) verkaufen. Private Geldgeber können demnach 20 Prozent der Anteile erwerben und so Milliarden in die FIFA-Kassen spülen. „Die Stärkung der kommerziellen Seite des Fußballs ist der natürliche nächste Schritt dieser Entwicklung“, betont Infantino.

Was ist an dieser Idee so verwerflich?

Wird ein Investor, der Milliarden investiert und 20 Prozent der Anteile besitzt, sich ruhig verhalten oder wird er versuchen, Einfluss zu nehmen? Genau das ist die Gefahr bei diesem Konstrukt. Der Fußball verkaufe so seine Seele, wird moniert. Dieses Projekt passt freilich zu Präsident Infantino und zur FIFA im Jahre 2026. Es scheint das Motto zu gelten: Kommerz statt Herz.

Wie macht Infantino den 211 nationalen Verbänden das Projekt schmackhaft?

Mit der Währung, die viele Verbände und ihre Funktionäre schnell schwach werden lässt: Geld. Infantino verspricht finanzielle Zuckerln. 40 Millionen Dollar (35 Millionen Euro) im Jahr soll jeder Verband als Fixsumme erhalten – vier Mal so viel wie bisher. Das Gesamtpaket beläuft sich vorerst auf zehn Milliarden Dollar im Jahr 2027, soll aber weiter erhöht werden. Den Verbänden wurde eine Frist bis 19. September gesetzt, den Plänen die Zustimmung zu erteilen.

Wie lautet die Argumentation von Infantino?

Der umstrittene Boss meldete sich mit einer Videobotschaft, in der er gestenreich und staatsmännisch seine Pläne anpries. „Zu wenig vom wachsenden kommerziellen Wert des Fußballs kommt in den Teilen des Spiels an, die ihn am dringendsten benötigen.“ Der 55-Jährige verteidigte den geplanten Einstieg externer Geldgeber und sieht darin die „einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen“. Die Fans könne er jedenfalls beruhigen: „Der Sport, den sie verfolgen und lieben, wird sich nicht verändern.“

Wie fallen die Reaktionen aus? 

„Damit wird eine Grenze überschritten, die die für den Fußball verantwortlichen Institutionen niemals überschreiten dürften“, monierte die UEFA in einem Schreiben. Der europäische Verband steht dem Treiben seines früheren Generalsekretärs Gianni Infantino (2009–2016) seit jeher sehr kritisch gegenüber. Nicht nur vom europäischen Verband UEFA kommt heftiger Widerstand. Auch die 41 Mitglieder des Verbands von Nord- und Mittelamerika sowie der Karibik (CONCACAF) lehnten den FIFA-Vorschlag ab. 

Patrice Motsepe, Präsident des afrikanischen Verbandes CAF, kann sich hingegen für die Idee erwärmen: „Die CAF ist entschlossen, den Dialog und die Zusammenarbeit mit ihren Mitgliedsverbänden und der FIFA fortzusetzen, um die Bereitstellung finanzieller und anderer Ressourcen für die Entwicklung und das Wachstum des Fußballs in Afrika und weltweit zu fördern.“

Welche Möglichkeiten hat die UEFA?

Eine WM ohne europäische Teams wäre für Infantino ein Super-GAU und würde ihn vor den Investoren als Verlierer dastehen lassen. Genau damit droht die UEFA:  Auf der Dringlichkeitssitzung aller 55 Nationalverbände wurde ein Boykott aller FIFA-Turniere für den Fall beschlossen, dass Infantino von seinem Investoren-Deal nicht abrückt. In einem Statement heißt es: Die Weltmeisterschaft dürfe nicht als „Anlageprodukt behandelt werden. Sie ist eines der größten Vermächtnisse des Fußballs“. Die WM stehe „nicht zum Verkauf“.

Was treibt Gianni Infantino an?

Profitgier. Machterhalt. Eitelkeit. Größenwahn. Der Eidgenosse hat sich als FIFA-Präsident vom Fußball entfremdet und sucht die Nähe zu Politikern und Investoren. Im nächsten Jahr endet seine Amtszeit, mit diesem Projekt will er seine Wiederwahl absichern. Weil er weiß, dass er mit seinen Plänen in Europa nicht durchkommt, wildert er in Regionen dieser Welt und bei kleinen Verbänden, die Eigeninteressen über das Gemeinwohl stellen. Die Regularien der FIFA spielen ihm dabei in die Karten: Jeder der 211 nationalen Verbände hat eine Stimme, das bedeutet: Brasilien ist gleich wichtig wie Nepal. Beim Ski-Weltverband FIS ist die Gewichtung eine andere: Die Top-Wintersportnationen wie Österreich, Schweiz oder Norwegen haben drei Stimmen, die kleinen Länder jeweils nur eine.

Ist Infantino als FIFA-Präsident noch tragbar?

Er selbst wird es sicher anders sehen, aber nüchtern betrachtet ist Infantino rücktrittsreif. Vor allem die Art, wie er sein Amt interpretiert, stößt vielen negativ auf. Das beginnt beim selbst erfundenen FIFA-Friedenspreis für US-Präsident Donald Trump und setzt sich fort mit dem befremdlichen Verhalten in der Causa Balogun während der WM: Dass Präsident Trump interveniert hat, um die Rote Karte des US-Stürmers aufzuheben, ist das eine. Dass dieser Anruf dann auch tatsächlich bei der FIFA Gehör findet, ist der wahre Skandal.

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