Kritik an Brasilianer: „Die schlechtesten 45 Minuten seit dem unheilvollen 1:7“
Kniefall: Vinicius Junior rettete mit dem Ausgleich der Seleção einen Punkt.
Schon nach dem ersten Match geraten die fußballverrückten Brasilianer etwas in Panik. Das 1:1, am Ende sogar glückliche Remis gegen Marokko war keine dringende Empfehlung auf den sechsten Weltmeistertitel.
24 Jahre ist es her, dass die Seleção zum bisher letzten Mal den WM-Pokal in die Höhe stemmen konnte. Das seit damals beste Ergebnis war eines, das ausgerechnet durch eine Schmach in Erinnerung geblieben ist – ausgerechnet bei der Heim-WM 2014 verlor man im Halbfinale gegen Deutschland 1:7 und wurde letztlich Vierter. Das Spiel um Platz drei hat stets den Beigeschmack eines Matches der Verlierer – aber nie war dieser so stark wie vor zwölf Jahren.
Nun wollte man sich nicht mit der Vergangenheit beschäftigen, sondern dem Land wieder Freude schenken, was auch in der Qualifikation nicht wirklich gelungen ist, stand kurzzeitig sogar eine WM-Teilnahme in Gefahr.
Gegen den WM-Vierten von 2022 lagen die Brasilianer zurück, Ismael Saibari (21.) brachte Marokko in Führung, ausgerechnet der oft kritisierte Real-Star Vinicius Junior schaffte elf Minuten später mit einem Traumtor den Ausgleich. Sonst war nicht viel zu sehen von den Südamerikanern, vor allem nach der Pause. Kolumnisten der Tageszeitung O Globo gingen hart ins Gericht und betonten, dass Brasilien die schlechtesten 45 Minuten seit jenem unheilvollen 1:7 geliefert habe.
Häme kommt nicht nur aus dem eigenen Land, auch der Erzrivale machte sich schon lustig. „Brasilien hat den Samba im Hotel gelassen“, urteilte die argentinische Zeitung Pagina12.
Freilich, wenn diese Ansichten auch übertrieben waren – lieb gewonnen haben die Fans ihr Team noch nicht. Vor allem wuchsen die Zweifel an den Ideen von Carlo Ancelotti, der die lange Leidenszeit der Brasilianer nach 24 Jahren beenden soll. Der Starcoach reagierte ganz gelassen - und beruhigte die Anhänger. Eine Weltmeisterschaft, betonte der 67-Jährige, „gewinnt man nicht mit dem ersten Spiel“.
Positives Resümee der Marokkaner
Bei Marokko überwog dagegen das Positive am Unentschieden. „Wir haben unentschieden gespielt, wir sind zufrieden. Natürlich hätten wir gerne gewonnen, aber ich bin trotzdem nicht traurig“, sagte Marokkos Teamchef Mohamed Ouahbi. „Worauf ich wirklich stolz bin, ist, dass wir mutig genug sind, auch unter Druck den Ball zu fordern. Das ist eine unserer großen Stärken.“
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