Wählen Sie KURIER als bevorzugte Google-Quelle

Tierschützer gegen Marokko: Der nächste WM-Gastgeber räumt auf

Nach der WM ist vor der WM. Die Vorbereitungen für die Endrunde 2030 laufen auf Hochtouren. In Gastgeberland Marokko mit tödlichen Folgen für Tiere.
MOROCCO-WC2030-ANIMAL-DOGS

Die Straßen Marokkos sind noch nicht bereit für die Weltmeisterschaft. Das Land steht vor einem Problem: In den Gassen der Austragungsstädte wimmelt es aktuell noch von Straßenhunden. Das soll sich bald ändern. 2030 werden die Nordafrikaner zum 100-jährigen WM-Jubiläum gemeinsam mit Spanien und Portugal Gastgeber für das größte Fußballevent. 

Marokko will sich dann von seiner besten Seite zeigen. Mit dem Grand Stade Hassan II-Stadion nahe Casablanca baut das Land gerade die größte Fußballarena der Welt.

FBL-AFR-2025-WC2030-MAR-FOCUS

Das Grand Stade Hassan II-Stadion soll 115.000 Zuschauern Platz bieten

Erschossen, vergiftet, eingefangen

Marokko investiert zudem in neue Straßen, Hotels, auch die Infrastruktur soll verbessert werden: Bis zu 26 Millionen Besucher jährlich hat das Land bis 2030 zu erwarten und soll sich als „Top-Reiseziel etablieren“, schreibt etwa die österreichische Wirtschaftskammer auf ihrer Website.

In Marokko gibt es aber rund drei Millionen Straßenhunde. Zumindest die Austragungsorte werden wohl bis Turnierstart in vier Jahren von den Tieren „befreit“ werden. Mit bedenklichem Lösungsansatz. Tierschutzvereine schlugen bereits vor dem Afrika-Cup Alarm. Schon damals soll es zu Tötungsaktionen gegen die Streuner gekommen sein. Laut Medienberichten werden die heimatlosen Tiere auf offener Straße erschossen, vergiftet oder eingefangen und in Tierheimen untergebracht, in denen sie unterversorgt werden. 

Warum das alles? „Die Fußball-Fans sollen ein schönes Erlebnis haben. Marokko will nicht, dass das Stadtbild leidet und es dann zu Vorfällen mit den Straßenhunden kommt“, sagt Björn Thun von der Tierschutzorganisation „PETA“. 

Tötungen werden oft nicht bestraft

Unklar ist, von wem die illegalen Tötungen ausgehen. Die marokkanische Regierung bestreitet jedenfalls, diese angeordnet zu haben. Erst 2019 hatte König Mohammed VI ein Tierschutz-Abkommen erlassen: Die Tiere sollen eingefangen, kastriert, geimpft und schließlich wieder freigelassen werden. Maßnahmen, die laut Tierschutzorganisationen das Problem von zu vielen Straßenhunden eindämmen würden. Gescheitert ist das laut Berichten allerdings an der Umsetzung durch die Regierung. Björn Thun erzählt: „Ein Grund ist sicher Geld. Maßnahmen wie das Töten von Tieren werden bevorzugt, weil sie billiger sind.“ Zudem hätten die marokkanischen Behörden auch gar keinen Überblick über das Geschehen in kleineren Städten oder Dörfern. 

Die FIFA hatte im Vorfeld ein Evaluationspapier zu den Austragungsorten verfasst. Marokko hätte in seiner Bewerbung ihr Engagement für den Schutz der Tierrechte dargelegt und hervorgehoben. Zudem sei seit August 2024 das Töten von Tieren im Land verboten und staatliche Mittel wurden bereitgestellt, um Tierkliniken auszubauen und Hilfsprogramme für streunende Tiere zu unterstützen. Das scheint nicht flächendeckend zu funktionieren. Die Tötungen werden teilweise nicht bestraft, beklagt Thun: „Von der Regierung wird teilweise nicht dagegen vorgegangen, dass ihre Gesetze, die sie veranlasst haben, auch umgesetzt werden.“

„Ein ernstes Risiko“

Die streunenden Hunde bringen ein Sicherheitsrisiko mit sich. Die Statistik zeigt: Pro Jahr sollen 100.000 Personen von den Tieren gebissen werden; bei 40 Prozent soll es sich um Kinder unter 15 Jahren handeln. In einem CNN-Interview erklärte Mohammed Roudani, Leiter der Abteilung für öffentliche Gesundheit und Grünflächen im marokkanischen Innenministerium: „Streunende Hunde stellen ein ernstes Risiko für die öffentliche Gesundheit dar, insbesondere als Überträger der Tollwut.“ Das findet auch Thun und sieht aber gerade deswegen einen tiergerechten Handlungsbedarf: „Die Tiere werden nicht verschwinden, wenn man sie einfach umbringt. Es müssen nachhaltige Lösungen her.“

Nachhaltige Lösungen, wie sie etwa 2019 bereits beschlossen wurden. Durch Kastrationen könnten sich die Hunde nicht mehr vermehren und der Staat hätte eben eine Populationskontrolle. Dann könnte es eben eine Weltmeisterschaft werden, in der Mensch feiern kann und Tier nicht getötet werden muss. 

Mehr zur Fußball-WM

England verlor im WM-Halbfinale gegen Argentinien mit 1:2. Harry weiß, woran das lag.
Weiterlesen
Zwei Millionen Menschen feierten auf den Straßen von Madrid ihre Helden. „Gemeinsam sind wir stärker“, sagte Teamchef Luis de la Fuente.
Weiterlesen
Nach dem Ende im WM-Finale zwischen Spanien und Argentinien ist es zu mehreren Tätlichkeiten gegen spanische Spieler gekommen. Die FIFA leitete ein Verfahren ein.
Weiterlesen
Nach der Niederlage im WM-Finale gegen Spanien meldete sich Argentinien-Superstar Lionel Messi via Instagram zu Wort. Seine Zukunft lässt er offen.
Weiterlesen
Spanien hat gezeigt, wie Schwarmintelligenz im Fußball funktioniert. Abgesehen vom Weltmeister hinterlässt diese WM aber viele Gründe zum Ärgern.
Weiterlesen

Kommentare