Sport | Fußball
03.10.2014

Wettskandal: 5 Jahre Haft für Kuljic, 3 für Taboga

Insgesamt acht von zehn Angeklagten wurden für schuldig befunden und zu Haftstrafen verurteilt.

Am Schluss wird die Richterin persönlich. "Herr Kuljic, Sie waren ein Fußballgott. Sie auch, Herr Taboga", erinnert Elisabeth Juschitz und schaut zwischen den beiden Angeklagten hin und her. "Diese Schande müssen Sie gegenüber Ihren Fans erst einmal gutmachen."

Doch zunächst müssen die ehemaligen Bundesliga-Kicker erst einmal das Urteil erfassen: Fünf Jahre Haft für Sanel Kuljic, 36, wegen schweren Betrugs, Erpressung und Nötigung; für Dominique Taboga, 31, setzt es drei Jahre Haft wegen Betruges, zwei davon bedingt.

Taboga wirkt geknickt, lässt nach Prozessende seinen Anwalt für sich sprechen. Er, der das Verfahren rund um den Wettskandal publik gemacht hat, hatte sich eine ausschließlich bedingte Haft erhofft. "Seine Rolle als Kronzeuge ist nicht ausreichend gewürdigt worden in dem Verfahren", glaubt Verteidiger Thomas Moser. Er rät seinem Mandanten aber dennoch, das Urteil anzunehmen. "Angesichts des strengen Urteils in der Gesamtschau sehe ich keine Chance in einem Rechtsmittel."

Rechtskräftig ist aber dennoch keines der Urteile für zehn Angeklagt, darunter fünf (Ex-)Profi-Kicker, die Richterin Juschitz Freitagmittag verliest: Es hagelt acht Schuldsprüche mit Haftstrafen zwischen einem Jahr bedingt und vier Jahren unbedingt, nicht nur wegen schweren Betruges durch Spielmanipulationen zwischen 2004 und 2013, sondern auch Erpressung und Nötigung sind dabei.

18 Matches

Die höchste Strafe fasst Kuljic mit fünf Jahren aus, was den "Fußballgott" in Tränen ausbrechen lässt. "Er war die zentrale Figur", begründet Juschitz: 18 Matches der Bundesliga sollen von den Angeklagten manipuliert worden sein, um mit Wetten Geld zu machen, teilweise blieb es nur beim Versuch. Profispieler Thomas Zündel und ein weiterer Fußballer wurden freigesprochen.

Während sie bei Kuljic und einigen Mitangeklagten Glücksspielsucht als Motiv ortet, sieht die Richterin Tabogas Motiv simpler: Geld. "Sie wollten ein schöneres Leben führen, sich mehr leisten können. Dieses Motiv ist nicht achtenswert."

Allerdings sei Taboga jedoch voll geständig gewesen, dagegen habe sich Kuljic "durchlaviert": "Ihre Lieblingsantwort in dem Verfahren war: Kann sein. Aber, dass Sie klar und deutlich Ja oder Nein gesagt hätten, hab’ ich nie gehört. Sie haben versucht, nirgends anzuecken." Freibrief für die übrigen Angeklagten sei das aber keiner, mahnt Juschitz. "Ich gehe davon aus, dass hier niemand die volle Wahrheit gesagt hat, auch aus Eigenschutz."

Doch der Schöffensenat glaubt zumindest Tabogas Version. Demnach sei er 2005 in das System gekommen: Bares Geld für schlechtere Leistung beim Kicken. Letztlich sei er von Kuljic erpresst worden und deshalb zur Polizei gegangen. So kam der Wettskandal überhaupt erst ins Rollen.

"Verwerflich" sei das System gewesen, rügt die Richterin. "Fußball ist ein Volkssport. Die Hälfte der Österreicher glaubt, Fußballtrainer zu sein. Und dann verkehren Sie bei so einem Sport die Grundsätze von Fairness und Ehrlichkeit ins Gegenteil." Professionell in diesen Sport zurückkehren kann Taboga nicht mehr, er ist lebenslang gesperrt. Nun will er die Fußfessel beantragen und einen neuen Beruf angehen als Sportreporter.

Dominique Taboga und Sanel Kuljic im Porträt: