Nachwuchs und Trainerwechsel: Wo Österreich im Spitzenfeld liegt

Rapidler Kenny Nzogang (Nr. 13) freut sich bei der U17-WM
Während dem U17-Nationalteam Sonderapplaus gebührt, ließen sich die österreichischen Klubs im Europacup abschießen. Wo liegen die Probleme?
Wolfgang Winheim

Wolfgang Winheim

Die U17 mit nur einer Niederlage und imposanter 17:2-Torbilanz Vizeweltmeister! Sturm Graz, Salzburg und Rapid (als Letzter der drittrangigen Conference-League) indes nach 14 Spielen mit nur 7 von 42 möglichen Punkten und 11:29- Toren die Schießbuden in internationalen Bewerben – unterschiedlicher könnte die Ausbeute von Juniorenauswahl und Bundesliga-Spitzenklubs kaum sein.

Auch wenn die Erfahrung lehrt, dass Sportler im Teenie-Alter nicht zu früh hochgejubelt werden sollen, gebührt den Jungkickern Sonderapplaus, weil die selbst im Finale, selbst gegen Europameister Portugal dank beachtlicher konditioneller und mentaler Stärke einer niederlagenlosen Weltmeisterschaft sehr nahe (Stangenschuss) waren. Und weil mit Johannes Moser ein in der Salzburger Akademie ausgebildeter Kärntner WM-Schützenkönig wurde.

Moser, der mit links wie rechts über beachtliche Schusstechnik verfügt, gilt als kluger Kopf. Er durfte eine Schulklasse überspringen. So wie das A-Team-Ass Christoph Baumgartner sogar in der Gymnasium-Oberstufe gelungen war.

Die aktuelle Kicker-Generation, mehrheitlich aus Maturanten bestehend, hinterfragt alles. Weshalb es nicht selbstverständlich war, dass ein 64-Jähriger kritische Ausnahmetalente zu einer verschworenen Einheit formen konnte. Hermann Stadler ist das gelungen, obwohl er – ein offenes Geheimnis – im ÖFB mehr geduldet als geschätzt gewesen war. Dort hielten selbstbewusste Theoretiker jeden für suspekt, der über 50 ist und die Erfahrung von Länder- und Europacupspielen in Kopf und Beinen hat.

Ex-Teamkapitäne überhört

Mit Manfred Zsak, 60, (Trainer der künftigen U17) und Andreas Herzog, 57, (coachte einmal die U21 des ÖFB) verlangten nicht nur einmal und nicht nur in dieser Kolumne zwei ehemalige Teamkapitäne Einsatzzeiten für 17-, 18-Jährige. Die U17-WM-Erfolge machen die Forderung in Richtung Vereinstrainer aktueller denn je.

Ursachenforschung betreiben sollten Klubführungen und Sportdirektoren auch bei sich selbst. Fehlt denen die Geduld, suchen Trainer den Soforterfolg, der kurzfristig mit Legionären vielleicht eher zu erreichen ist. Oder auch nicht.

Der Abgang von Rapid-Trainer Peter Stöger, 59, bedeutet den vierten Trainerwechsel innerhalb von vier Bundesligamonaten. Zumindest beim kostenintensiven Hire&Fire halten Österreichs Klubs international noch mit.

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