Sport | Fußball
08.06.2018

Teamchef Foda baut auf einen Stamm gegen Umfaller

Der Umbau der Mannschaft unter Franco Foda scheint geschafft zu sein - auch dank der Qualitäten einiger Spieler.

Normalerweise soll ein Gerüst Stabilität geben. Was für das Baugewerbe unerlässlich ist, trifft auch auf eine Fußballmannschaft zu. Findet ein Trainer oder in diesem Fall ein Teamchef in allen Formationen von der Abwehr bis zum Angriff verlässliche und dominante Spieler, dann spricht man von einer Achse, einem Gerüst oder, wie es zuletzt Franco Foda bezeichnete, von einem Stamm, der vor veritablen Umfallern schützen soll.

„Wir hatten zuletzt einen Umbruch. Ich denke, dass der gut gelungen ist“, sagte Julian Baumgartlinger über die Entwicklung des Teams. Völlig unabhängig von den guten Ergebnissen. Immerhin waren einige Spieler aus der Mannschaft des Marcel Koller zurückgetreten. Harnik, Junuzovic, Fuchs, Suttner und auch – verletzungsbedingt – Almer kehrten dem Nationalteam den Rücken. Andere drängten nach, auch aus der heimischen Liga, der Foda mehr Beachtung schenkt als sein Vorgänger.

Sowohl mit der Quantität an Spielern als auch mit deren Qualitäten kann der Deutsche einige taktische Überlegungen anstellen, wobei er nach dem Sieg über Deutschland und vor dem Spiel gegen Brasilien (Wien, Happel-Stadion, Sonntag, 16 Uhr) hervorstrich: „Wir haben einen Stamm von fünf, sechs Spielern. Und dann auf vielen Positionen viele Möglichkeiten.“

Auf Fodas Setzliste befinden sich Sebastian Prödl und Martin Hinteregger, der seinen Nebenmann gar als „Chef in der Abwehr“ bezeichnet. Davor agiert Baumgartlinger im zentralen Mittelfeld als unumstrittene Größe. David Alaba stand ob seiner Weltklasse, wie ihn Foda einschätzt, beim Teamchef nie zur Diskussion. Aktuell dürfte er auf der linken Flanke im Mittelfeld seine Position auch im Team gefunden haben. „Er hat gerne Freiheiten nach vorne, und die kann er hier ausleben“, erklärt der Teamchef.

Unumstritten ist ohnehin Marko Arnautovic, der seit gut eineinhalb Jahren die besten Leistungen aller Spieler abgeliefert hat. Seine sportliche wie charakterliche Wandlung darf als Verdienst von Marcel Koller betrachtet werden.

Bewährungsprobe

An diesem Stamm befinden sich freilich Zweige, manche dicker, manche noch etwas dünner. So gib es noch keine klare Nummer 1 im Tor, das Rennen zwischen Heinz Lindner und Jörg Siebenhandl scheint noch offen zu sein. Aleksandar Dragovic zeigte dem Teamchef, dass er ihn wieder auf die Rechnung nehmen kann, Alessandro Schöpf, zuletzt zwei Mal Schütze des Siegtores, könnte bei weiteren guten Leistungen Teil des Stammes werden. Die Möglichkeit dazu ergibt sich gegen Brasilien. Martin Hinteregger freut sich, dass das letzte Länderspiel vor dem Urlaub den Österreichern einen weiteren WM-Titelkandidaten beschert: „Wir wissen, wenn wir nicht voll da sind, kann es eine üble Klatsche geben. Wenn wir aber voll da sind, können wir auch bestehen.“

Wie gegen Deutschland.