Sport | Fußball
08.09.2018

Spaniens Neuanfang unter Enrique soll im Wembley beginnen

Englands Teamchef Southgate will nach dem WM-Erfolgslauf einen "neuen Zyklus beginnen".

Am Samstag (20.45 Uhr) empfängt der WM-Vierte England Spanien zum Auftakt in der Gruppe A4 der Nations League. Während die "Three Lions" im Wembleystadion an ihren Erfolgslauf bei der Weltmeisterschaft in Russland anknüpfen wollen, stehen die Iberer nach dem chaotischen WM-Auftritt mit Endstation im Achtelfinale vor einem Neuanfang.

Die Spanier, die nach einer überzeugenden Qualifikation als Co-Favorit nach Russland gereist waren, standen bekanntlich zwei Tage vor Turnierstart ohne Trainer da, weil Julen Lopetegui nach der Bekanntgabe seines Wechsels zu Real Madrid nach dem Turnier entlassen worden war. Das Intermezzo von Sportdirektor Fernando Hierro endete gegen Gastgeber Russland im Elfmeterschießen.

Nun soll der ehemalige Barcelona-Trainer Luis Enrique die Spanier wieder in die Erfolgsspur bringen. Der 48-Jährige gewann mit den Katalanen 2015 das Triple. Das Engagement Enriques wurde von einigen Anhängern kritisch betrachtet, weil ihm eine Affinität zu seinem Ex-Klub nachgesagt wird.

Neue Disziplin

Der neue Teamchef hat vor seinem Debüt keinen Zweifel daran gelassen, wohin die Reise der Seleccion mit ihm geht. Mit neuer Disziplin soll an die Erfolge des letzten Jahrzehnts angeschlossen werden. So wurden etwa frittierte Gerichte vom Menüplan gestrichen. Auch der Gebrauch von Smartphones während der gemeinsamen Mahlzeiten ist verboten.

Mittelfeldregisseur Isco von Real unterstützt die neue Disziplin: "Manchmal beschäftigen wir uns mehr mit dem Telefon als mit den Kollegen." Die Zeitung "El Paes" kommentierte das strikte Regime hingegen ironisch: "Zweifellos gibt es einige - darunter auch Spieler -, die glauben, dass der Coach sie nicht wie Profis behandelt."

Personell steht den Spaniern nach den Rücktritten der Routiniers Andres Iniesta, David Silva und Gerard Pique ein kleiner Umbruch bevor. Auch Stamm-Linksverteidiger Jordi Alba (29), der bei der WM noch in allen vier Partien auf dem Platz stand, ist beim England-Match nicht dabei. Auf seiner Position wurden Marcos Alonso von Chelsea und Valencia-Abwehrmann Jose Gaya berufen.

Auch England verzichtet in Zukunft auf viel Routine. Nach den Rücktritten von James Vardy und Gary Cahill will Coach Gareth Southgate einen "neuen Kreislauf beginnen. Wir gehen in eine neue Runde." In der Zukunft will der 48-Jährige seine schon bei der WM gestartete Verjüngungskur weiter vorantreiben. Dabei will Southgate aber nichts überstürzen. "Ich werde die jungen Spieler anrufen, wenn ich das Gefühl habe, dass die Zeit reif ist."

Müde Franzosen

Für Weltmeister Frankreich soll nach dem 0:0 zum Start auswärts gegen Deutschland im Sonntags-Schlager gegen die Niederlande (20.45) ein Sieg her. In welcher Formation "Les Bleus" im Stade de France auflaufen wird, ist noch ungewiss. Die Spieler klagten nach dem Gastspiel in der Allianz Arena kollektiv über Müdigkeit. "Wir werden versuchen uns so gut wie möglich zu erholen und uns auf das Spiel vorbereiten. Der Trainer wird die Spieler aufstellen, die sich am besten fühlen", hoffte Blaise Matuidi.

Für einen Sieg werde man mehr Effizienz benötigen, kündigte Trainer Didier Deschamps an. Die Vorfreude auf das erste Heimspiel nach dem gewonnenen WM-Finale ist bei der Equipe Tricolore jedenfalls riesig. "Es wird ein großartiges Gefühl sein", freute sich Oliver Giroud auf die rund 80.000 Fans.

"Doppeladler-Affäre" in Hinterköpfen

Im dritten Duell der höchsten Kategorie an diesem Wochenende treffen am Samstag (18.00) in St. Gallen die beiden WM-Teilnehmer Schweiz und Island aufeinander. Ohne den genauen Stellenwert des Bewerbs abschätzen zu können, freuten sich die Eidgenossen auf das Pflichtspiel. Jetzt ein Freundschaftsspiel zu absolvieren, wäre "furchtbar trostlos", findet Schalke-Stürmer Breel Embolo.

Der Schweizer Mannschaft kommt gelegen, dass nun ein Pflichttermin ansteht. Es ist die bessere Gelegenheit als ein Testspiel, "um neuen Schwung zu holen nach allem, was passiert ist", wie es Verteidiger Manuel Akanji sagte. "Die Spieler sind mit viel Spirit und Energie eingerückt. Wir wollen nun wieder sportlich relevante Themen in den Mittelpunkt rücken", spielte Granit Xhaka auf Dissonanzen nach der "Doppeladler-Affäre" an, die in der Schweiz - ähnlich wie der Fall Özil in Deutschland - für breite Diskussionen um die Verbundenheit der Teamspieler mit Migrationshintergrund entfacht hatte.

World Cup - Group E - Serbia vs Switzerland

Aufatmen in Dänemark

Auf erstklassigen Fußball dürfen sich die dänischen Fans freuen. Nach der Posse um eine gemischte Amateur- und Futsal-Auswahl im Testspiel gegen die Slowakei in Folge von Vertragsstreitigkeiten haben sich die dänischen Profis und der Verband auf eine Übergangslösung geeinigt. Damit empfängt das A-Team Wales am Sonntag in Aarhus (18.00).

Die Österreich-Gruppe B3 wird am Samstag (15.00) mit dem Spiel Nordirland - Bosnien-Herzegowina eröffnet. Am Dienstag steigt die Truppe von Franco Foda mit einem Gastspiel in Zenica in diesen Bewerb ein.