© Roman Zach-Kiesling/ORF

Sport Fußball
06/03/2021

EM im ORF: "Wo steht, dass sich Frauen im Fußball nicht auskennen?"

Die 28-Jährige Anna-Theresa Lallitsch kommentiert im ORF als erste Frau bei einem großen Fußball-Turnier der Männer Spiele live.

von Günther Pavlovics

Anna-Theresa Lallitsch wird am 12. Juni die erste Frau sein, die ein Männerfußballspiel bei einem großen Turnier live kommentiert. Vor zwei Jahren saß die 28-Jährige als erste Frau in Österreich bei einem Fußballspiel live vor dem Mikro, ein Frauen-Cup-Semifinale. Es folgten viele Frauen-Spiele, aber auch die Burschen-U-17-WM, die 2. Männer-Liga und zuletzt die Klub-WM der Männer. Jetzt ist sie erstmals bei einer Männer-EM am Mikro.

KURIER: Wie fühlen Sie sich in der Vorreiterrolle?

Anna-Theresa Lallitsch: Es ist nicht ganz einfach für mich, mich in dieser Rolle zu sehen, da ich vom Menschenschlag her gar nicht so bin. Allerdings werde ich von vielen Mädchen und Frauen darauf angesprochen. Da wird mir das bewusst, daher nehme ich das sehr ernst und freue mich darüber.

Wie sind Sie überhaupt zum Fußball gekommen?

Bei uns in der Familie sind auch die Frauen fußballaffin. Ich habe auch mit meiner Tante und meiner Schwester im Garten gespielt. Der Papa hat uns zu Spielen mitgenommen. Und in der Schule war ich meist mit den Burschen zusammen, da musst du dich zwangsläufig im Fußball auskennen.

Und wie sind Sie zum ORF gekommen?

Ich habe schon mit 19 begonnen, Spiele für Sehbehinderte zu kommentieren. 2018 habe ich das beim Cupsieg von Sturm gegen Salzburg gemacht. Da ist ORF-Sportchef Trost auf mich zugekommen.

  • Privat

Lallitsch ist 28 Jahre alt und stammt aus der Gemeinde Hausmannstätten südlich von Graz.

  • Beruflich

Bereits seit sie 19 Jahre alt ist, kommentiert sie Fußballspiele für Blinde und Sehbehinderte. Im Zweitonkanal des ORF war und ist sie neben dem Live Sport (wie z.B. Olympische Sommer- und Winterspiele, Ski alpin, Nordische WM) auch bei Unterhaltungsprogrammen wie Dancing Stars im Einsatz. Seit 2019 ist sie Österreichs erste Fußball-Kommentatorin.   

Ein recht unspektakulärer Werdegang also.

Na ja. Als mich der ORF-Sportchef angesprochen hat, war das für mich schon recht spektakulär.

Und so sind Sie in die Männer-Domäne ORF-Sport gekommen.

Ganz so eine Domäne ist das nicht. Mit Kristina Inhof, Alina Zellhofer oder Karoline Rath-Zobernig habe ich bereits Kolleginnen, um nur die drei zu nennen. Und es werden stetig mehr. Auch mit den Männern in der Redaktion gibt’s eine tolle Zusammenarbeit und gute Stimmung.

Beim Fußball tun sich viele Männer oft schwer, Frauen Kompetenz einzuräumen.

Ich weiß nicht, wo steht, dass sich Frauen im Fußball nicht auskennen können. Ich habe auch schon Spiele der 2. Männer-Liga kommentiert. Der FAC hat das sogar gepostet, und alle haben sich gefreut und waren zufrieden.

UEFA EURO 2020

In Deutschland hat Claudia Neumann 2016 als erste Frau bei einem Männer-Turnier live kommentiert und wurde in den sogenannten sozialen Medien diffamiert.

Das war schlimm, weil es darum ging, dass eine Frau Männerspiele kommentiert. Ich stelle mich gern fachlicher Kritik.

Und wie war das Feedback bisher?

Dass ich mit Emotion dabei bin, dass ich für den Fußball brenne, dass Herzblut dahintersteckt. Und das freut mich, denn wenn ich einen Job mache, dann voll und ganz.

Trotzdem braucht es auch viel Expertise, wenn man ein Spiel live kommentiert.

Für mich ist das ein Traumjob, da beschäftigt man sich gerne mit dem Fußball. Und es gehört ja auch zu einer professionellen Vorbereitung dazu, dass man mit Trainern und Spielern redet und sich einen Hintergrund erarbeitet.

Sie kommen aus dem Radio und dem Zwei-Kanal-Ton. Ist man da nicht zwangsläufig eine Plaudertasche?

Natürlich muss man sich zurücknehmen, braucht nicht alles zu beschreiben. Aber das war für mich nicht schwierig. Es geht ja immer um Fußball.

Haben Sie ein Vorbild?

Nein. Das hat keinen Sinn. Natürlich schaut man sich an, wie andere das machen. Man muss aber bei sich selbst bleiben, bei seiner Persönlichkeit, und nicht versuchen, jemanden zu imitieren. Das merken die Seher.

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