Sport | Fußball
13.06.2017

Der hausgemachte Abstieg des ÖFB-Teams

Nach einer tollen EM-Quali und der EURO wird Österreich bei der WM 2018 wohl nur Zuseher sein. Viele Kleinigkeiten machen den großen Unterschied zwischen Wohl und Wehe aus.

Aus und vorbei? Noch nicht ganz. Rein rechnerisch könnte sich Österreichs Nationalteam noch für die WM 2018 qualifizieren. Obwohl: Österreich hat es nicht mehr in der eigenen Hand, auch wenn die vier ausstehenden Spiele noch gewonnen werden. Das Team rund um Coach Marcel Koller steht vor dem abermaligen Scheitern in einer WM-Qualifikation. Die Ursachen dafür sind vielfältig, den Ursprung nahmen einige schon nach der erfolgreichen Qualifikation für die EURO 2016 in Frankreich. Eine Suche nach den Gründen, warum die WM-Qualifikation so ganz anders verläuft als die erfolgreiche EM-Quali.

Baustelle links hinten

Wäre Koller nicht Teamchef, für einen Posten bei der Asfinag hätte sich der Schweizer empfohlen: weil er in Eigenregie Baustellen eröffnete, die größte auf der Position des Linksverteidigers. Christian Fuchs war dort gesetzt, konnte er einmal nicht, war Suttner sein Ersatz. Nach dem Rücktritt des Kapitäns durfte Suttner aber nur gegen Georgien dort spielen. Koller meinte nach dessen mäßiger Performance: "Ich kann ihm nicht zehn Spiele in Folge eine Chance geben, dann bin ich selbst vielleicht in der Zwischenzeit nicht mehr Teamchef." Also ließ er Innenverteidiger Wimmer dort spielen. Und weil das auch nicht passte, stellte er auf Dreierkette um. Im Kader hatte Koller zuletzt Stangl, der in Salzburg an Ulmer nicht vorbei kam – Ulmer, den Koller meist links liegen hatte lassen. Mittlerweile wollen Suttner und Ulmer nicht mehr im Team spielen. In Irland ließ er Stangl auf der Bank, setzte auf das Experiment mit Innenverteidiger Hinteregger auf der linken Seite. Den international erfolgreichsten Außenverteidiger konnte Koller aber nie davon überzeugen, diese Rolle auch im Team zu spielen. Dort sieht sich David Alaba als Mittelfeldspieler.

Kollers Achse

Während der tollen EM-Qualifikation war das Team für alle Spieler die oft zitierte Wohlfühl-Oase von maximal zehn Tagen in Folge. Die Erfolge schweißten zusammen und bereiteten kollektiven Spaß. Der EM-Quali folgte eine durchwachsene Vorbereitung auf die EM, die schließlich zur Zäsur wurde. Die Erwartungen wurden nicht erfüllt, die Erfolge blieben aus, die Nerven lagen blank. Ein Spalt ging durch das Team, Koller ließ an falscher Stelle gewähren. Von der Clique Alaba, Dragovic und Arnautovic war nach der EM nur noch Arnautovic absoluter Leistungsträger. Alaba und Dragovic fielen ab.

Fehlersuche

Im Laufe der WM-Qualifikation war Koller zu einem taktischen Umbau und zu personellen Veränderungen gezwungen, die freilich Zeit benötigen. Das frühe Aus bei der EM hätte eine gute Gelegenheit sein können, Fehler offen anzusprechen, um sie in Folge zu vermeiden. Man nützte sie nicht, redete sich die Vorbereitungszeit in der Schweiz und in Österreich gut. Nicht nur Koller, sondern vor allem auch ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner. Nach den mageren Testspielen verwies man stets darauf, den Schalter umlegen zu können, wenn der Ernstfall EURO eintritt. Eine fatale Fehleinschätzung.

Abnützung

Auch die Haltbarkeit eines Teamchefs ist offensichtlich begrenzt. Wie viele Qualifikationen braucht es, bis sich der Trainer und seine Arbeitsweise abnützen? Koller absolvierte bisher mit der ÖFB-Mannschaft zwei WM- und eine erfolgreiche EM-Qualifikation. Mit seiner Beharrlichkeit baute der Schweizer ein stabiles Teamgefüge auf. Er schenkte den Spielern, auf die er setzte, auch dann Vertrauen, wenn sie über keine Spielpraxis verfügten. Das blinde Verständnis wurde da und dort zum Nachteil, weil neue Reize fehlten, sich vielleicht Routinen in den Teamalltag einschlich. Absolut menschlich.

Spielglück

Last but not least benötigt man zum Erfolg stets Fortuna als Mitspielerin. Während der EM-Quali wurden einige wichtige Spiele knapp gewonnen. Das Glück verließ die Österreicher, Spiele wie in Dublin, die man in der Vergangenheit noch gewonnen hatte, enden dann remis.

Fehlerhaftigkeit

Ohne die acht Tore gegen Liechtenstein kam Österreich auf 14 Tore, derzeit sind es 9. Dafür stieg in der Defensive die Fehlerquote. In zehn Spielen gab es in der EM-Quali nur fünf Gegentreffer, in der aktuellen WM-Quali sind es in sechs Spielen sieben Gegentore.