Sport | Fußball
09.05.2017

Der ganz bittere Abstieg des AC Milan

Juventus ist der Titelhamster, AC Milan zehn Jahre nach dem Champions-League-Sieg nicht europareif.

Im Museum Mondo Milan kommen die Fans des AC stets ins Staunen, wenn plötzlich das Gerüst eines Hubschraubers vor ihnen steht. Es handelt sich dabei um jenes Fluggerät, mit dem im Sommer 1986 der neue Klub-Präsident Silvio Berlusconi mediengerecht ins Trainingsgelände einschwebte, unter den Fanfaren von Richard Wagners "Walküre".

Ein neues Zeitalter hat begonnen, das wollte Il Cavaliere, wie er in Folge genannt wurde, zur Schau stellen. Mit Berlusconi flog der AC Milan an die Spitze des Weltfußballs, revolutionierte und dominierte diesen, ohne ihn aber erfolgte der Absturz. Die endgültige Bruchlandung erfolgte am Sonntagabend mit einer 1:4-Heimpleite gegen die AS Roma. Fast genau zehn Jahre ist es her, dass die Mailänder 2007 das letzte Mal die Champions League gewonnen haben. Seitdem tümpeln die entthronten Könige Europas wie Fußvolk über die Felder Italiens. Auch dieses Jahr wird der AC den Europacup verpassen.

Nur zweitklassig

Heute stehen nur noch Kicker der zweiten Kategorie im Kader, damals war Milan gespickt mit Weltstars. Aber nicht nur dem AC ergeht es so, Stadtrivale Inter steht gar noch schlechter da. Ein schwacher Trost. Der Krise des italienischen Fußballs wirken nur Dauermeister Juventus Turin und mit Abstrichen Roma und Napoli entgegen. In Mailand jedoch ist von Ruhm und Glanz wenig über. Die Serie A, einst das Traumziel aller Stars, kämpft mit vielen Problemen. Die Infrastruktur der Stadien ist katastrophal, das Zuschauer-Interesse selbst bei Spitzenspielen beschämend. Der italienische Fußball befindet sich seit Jahren in einer Spirale, die nach unten zeigt.

Es war einmal ...

1980 war Milan zum ersten Mal in seiner Geschichte aus der Serie A abgestiegen – wegen Beteiligung am Manipulationsskandal "Totonero". Das war auch der Grund, weshalb sich Herbert Prohaska für Inter und gegen den ebenfalls mitbietenden AC Milan entschied. Es folgten der Wiederaufstieg, der Abstieg, der Wiederaufstieg. Und von da an ging es nur noch bergauf. Mit Silvio Berlusconi als neuen starken Mann, damals noch ohne politischen Ambitionen, der ein Gegengewicht zu Juventus Turin mit Michel Platini und Napoli mit Diego Maradona etablieren wollte.

Zur Überraschung vieler holte er einen völlig Unbekannten als Trainer: Arrigo Sacchi, mit dem Milan in ungeahnte Höhen fliegen sollte. " Berlusconi war ein außergewöhnlicher Erneuerer, ein Genie. Und für mich war er der perfekte Präsident. Er hat mir zugehört und mit mir gesprochen, er hat mir Sicherheit gegeben", erinnerte sich Sacchi später. Der Trainer brach mit dem italienischen Spielstil, setzte auf Offensive und Pressing. Und leitete damit den modernen Fußball ein, wie er heute nahezu in Perfektion praktiziert wird.

Ganz oben, weit unten

Milan fegte über die Gegner hinweg, gleich welchen Namen sie trugen. Real Madrid wurde 1989 mit 5:0 gedemütigt von den Herrn Ancelotti, Rijkaard, Gullit, Van Basten, Maldini oder Donadoni. Ein Monat später holte man sich mit einem 4:0 über Steaua Bukarest den Meistercup. Die französische Fußball-Bibel L’Equipe schrieb danach: "Nachdem wir dieses Milan gesehen haben, wird der Fußball nicht mehr derselbe sein." Korrekt.

2007 gewann der Klub zuletzt die Champions League mit neun Weltmeistern im Kader, in den letzten Jahren spielte er selbst in Italien keine Hauptrolle mehr. In Mailand setzt man die Hoffnung in den chinesischen Investor Yonghong Li, der den Klub vor Kurzem übernommen hat. Mit ihm will der AC Milan wieder hoch fliegen.

Keine Mailänder Gala

Es klingt nach einem Märchen. Es war einmal eine Liga, in der die besten Fußballer unbedingt spielen wollten. Die Serie A war damals die A-Klasse, ihre Klubs dominierten den europäischen Kick. Die Zeiten haben sich geändert, Manipulationen sorgten für ein schlechtes Image, der Geldregen früherer Tage blieb in Folge aus. Die meisten Stadien rosten vor sich hin, die Fans bleiben aus.

Einzig Juventus Turin dribbelt in der absoluten Europa-Spitze mit, Napoli und Roma sind immerhin reif für die Champions League. Italien hätte dringend den Zuschlag für eine EURO benötigt, um die Infrastruktur auf modernen Standard heben zu können. Heute fehlt es an Geld, daher laufen in der Serie A nur noch die zweite oder dritte Garnitur an Spielern über die Plätze. In Mailand gibt es schon lange keine Gala mehr, Milan ist drei Runden vor Schluss Sechster, sechs Zähler hinter Atalanta. Den Europacup wird man kommende Saison ebenso wie Inter nur im Fernsehen mitverfolgen. Beide Klubs gehören mittlerweile chinesischen Investoren und hoffen auf einen Millionenregen. Seit Jahren aber kann man nicht mehr mit Real, Barcelona, Bayern und diversen englischen Klubs mitbieten. Vorbei ist die Zeit, als die Besten der Besten Rom oder Mailand als beruflicher Destination wählten.

Der Weg zurück wird steinig.