Novota musste kurz vor der Pause das einzige Mal an diesem Abend hinter sich greifen.

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Champions-League-Qualifikation
08/19/2015

Knappe Rapid-Niederlage gegen Schachtar

Die Hütteldorfer waren im Prater ebenbürtig, unterlagen Donezk im Play-off-Hinspiel aber mit 0:1.

von Alexander Huber, Peter Karlik

Einmal die Hymne der Champions League hören. Was für viele Rapidler am Mittwochabend schon zum Karriere-Highlight wurde, ist für Steffen Hofmann nur eine Wiederholung: Der Kapitän war schon 2005 dabei, als Lok Moskau bezwungen worden war.

Ein 1:1 wie vor zehn Jahren im Hinspiel wäre auch gegen Donezk im Bereich des Möglichen gewesen. Doch der Stammgast in der Champions League war im strömenden Regen etwas abgebrühter und steht nach dem 1:0 vor dem Einzug in die Gruppenphase.

Die Partie startete mit einer Intensität, die absolut Champions-League-tauglich war. Der überragende Abwehrchef Rakyzkyj prüfte mit dem ersten seiner gefährlichen Weitschüsse Jan Novota (3.). Bei der ersten Rapid-Möglichkeit köpfelte Louis Schaub, der Philipp Schobesberger vorgezogen worden war, knapp daneben (7.).

Nach zehn Minuten hallte der erste Torjubel durch das volle Prater-Oval: Für die meisten der 46.400 Zuschauer hatte es so ausgesehen, dass ein Rettungsversuch von Kutscher im Netz gelandet wäre. Die Hütteldorfer spielten offensiv mutig und stark, wie bei einer Kombination über Florian Kainz und Schaub (18.). Donezk reagierte überrascht, selbst dem brasilianischen Teamspieler Fred unterlief ein Handspiel.

Doch in der Defensive gab es trotz immenser Laufarbeit die erwarteten Probleme gegen den Favoriten. Novota konnte sich mehrmals auszeichnen, aus kürzester Distanz gegen Hladkyj (15.).

Wie umkämpft die Partie war, beweisen auch die sechs Gelben Karten in den ersten 40 Minuten. Nach einem Fehler von Schaub verzichtete Schiedsrichter Kuipers allerdings auf einen Pfiff. Teixeira hatte nur auf den Kontakt mit dem hinterher sprintenden Schaub gewartet und ging im Strafraum allzu leicht zu Boden (29.).

Der Knackpunkt

Die beste Möglichkeit leitete Robert Beric ein, Stephan Auer flankte auf Kainz, der technisch perfekt vollierte. Doch Tormann Pjatow fischte das Geschoß aus der Ecke (42.). Im Gegenzug lebte Rakyzkyj seinen Offensivdrang auf, flankte auf Marlos und der Brasilianer zeigte seine technische Klasse. Auer wurde düpiert und Novota via Stange bezwungen (44.).
Die seit 17 Spielen ungeschlagenen Rapidler reagierten aber wie in der Liga nach einem Rückstand – mit noch mehr Einsatz. Schaub zog wie in Amsterdam in die Mitte, traf aber nicht (54.). Die Fans wurden noch lauter, Rapid übernahm das Kommando, der anfangs schwache Grahovac legte nach einer Kopfverletzung mit Turban – wie einst Co-Trainer Carsten Jancker – zu.

Janckers Trainerkollege Zoran Barisic hatte 1996 gegen Dynamo Kiew die Eliteliga erreicht. Ein ukrainisches Déjà-vu scheint aber kaum noch möglich, weil der Ausgleich in der Wasserschlacht nicht mehr gelang.

KURIER-Noten für die Rapidler:

Rapid - Schachtar 0:1 (0:1)

Ernst Happel Stadion, 46.400 Zuschauer, SR Kuipers/NED

Tor:
0:1 (44.) Marlos

Rapid: Novota - Pavelic, Sonnleitner, Dibon, Auer - Petsos, Grahovac - Schaub, S. Hofmann (84. Alar), F. Kainz (80. Schobesberger) - Beric (89. Prosenik)

Schachtar: Pjatow - Srna, Kucher, Rakizkij, Azevedo - Fred, Stepanenko (46. Malyschew) - Marlos (80. Eduardo), Alex Teixeira, Taison (86. Bernard) - Gladkij

Gelbe Karten: Beric, Auer, Dibon, Kainz bzw. Srna, Stepanenko, Gladkij, Fred

Rückspiel am kommenden Dienstag (20.45 MESZ) in Lwiw (Lemberg). Der Sieger steht in der Gruppenphase der Champions League, der Verlierer in der Gruppenphase der Europa League.

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Barisic: "Wir fliegen in die Ukraine, um zu gewinnen"

Zoran Barisic (Rapid-Trainer): "Man muss Schachtar gratulieren. Sie haben verdient 1:0 gewonnen. Trotzdem hat auch meine Mannschaft eine sehr gute Leistung gebracht. Wir haben gegen einen wirklich sehr, sehr starken Gegner gespielt. Man hat gesehen, dass die Spieler abgezockt sind, dass sie reifer sind als wir. Auf diesem Niveau ist es ganz einfach so, dass Kleinigkeiten entscheiden. Wir haben meiner Meinung nach das Glück nicht auf unserer Seite gehabt. Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft aber durchaus zufrieden. Wir fliegen in die Ukraine, um zu gewinnen. Wir wissen, dass wir es können. Das haben wir heute auch in der zweiten Hälfte gesehen. Es ist noch nichts verloren. Wir geben uns noch lange nicht auf."

Steffen Hofmann (Rapid-Kapitän): "Ich glaube nicht, dass Schachtar deutlich besser war als wir, auch was die Chancen angeht. Wir haben auch Möglichkeiten gehabt. Sie haben halt das Tor gemacht, das ist sehr schade. Wir haben gegen eine richtig gute Mannschaft sehr gut dagegengehalten. Wir hätten uns mindestens ein Unentschieden verdient gehabt. Es ist noch möglich. Wir werden alles dafür tun. Wir haben es gegen Amsterdam schon gezeigt, dass wir schlechte Ergebnisse umdrehen können. Wir werden es in Lemberg wieder probieren."

Louis Schaub (Rapid-Mittelfeldspieler): "Bei manchen Aktionen haben wir auch Pech gehabt. Ich glaube aber, im Rückspiel ist noch alles drinnen. Wir haben sehr gut dagegengehalten. Wir haben den Gegner phasenweise hinten hineingedrückt und uns Chancen erarbeitet. Das stimmt uns optimistisch."

Stephan Auer (Rapid-Außenverteidiger): "Wir haben nicht so viele Chancen zugelassen. Beim Tor ist der Ball durch vier, fünf Spieler durchgegangen und ich habe ihn spät gesehen. Da habe ich ihm zu viel Platz gelassen. Mit seiner individuellen Stärke hat er das dann gut gemacht."

Mircea Lucescu (Schachtar-Trainer): "Wir haben gewusst, dass Rapid eine gute Mannschaft hat, sie haben auch mit den Fans im Rücken ordentlich Gas gegeben. Wir haben versucht, ihnen keine Möglichkeiten zu geben, Pressing betrieben, dominiert und auch das Tor erzielt. Wir haben viel arbeiten müssen. Ich bin nicht hundertprozentig zufrieden, aber die Leistung war schon sehr gut. Es war sehr wichtig, das Match zu gewinnen, deshalb haben wir auch nicht zu viel riskiert. Wir spielen in Lwiw, weit weg von zu Hause, deshalb haben wir ein gutes Ergebnis gebraucht. Es kann noch alles passieren, Rapid ist stark."