In Ried war für die ineffizienten Austrianer viel mehr drin.

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Bundesliga
11/29/2015

Austria verliert torreiche Partie in Ried

Starke Rieder nützen Austrias Abwehrschwächen gnadenlos aus.

von Alexander Strecha

Von wegen Keine-Sorgen-Arena. Nomen non est omen: Der sonntägliche Betriebsausflug ins Innviertel hinterließ bei Austria-Trainer Thorsten Fink tiefe Sorgenfalten auf der Stirn. Wieder verpasste man eine Chance, die direkte Konkurrenz zu distanzieren.

Salzburg und Sturm Graz hatten am Samstag gepatzt und Punkte liegen gelassen, absetzen hätten sich die Veilchen können. Dazu hätte es freilich eines Sieges in Ried bedurft, am Ende fuhr man aber mit einem 2:4 im Gepäck heim nach Wien. Zudem verlor man die Tabellenführung an Salzburg. Die Rieder wiederum holten sich mit dem Sieg den vorletzten Platz wieder von den Wolfsbergern zurück.

Das Wetter lud nicht zum Stadionbesuch ein: Drei Grad, waagrechter Regen, der in Schnee überging. Nur 3231 Fans stellten sich der meteorologischen Herausforderung und wurden für ihren Wagemut belohnt. Mit fünf Toren in der ersten Hälfte, davon zwei Elfmeter, und drei weitere Treffern, die mit dem Prädikat sehenswert zu versehen sind.

Es ging hin und her: Zunächst kombinierten sich die Gastgeber durch Austrias Defensive, Kragl zirkelte den Ball auf Trauner, der per Volley traf (7.). Wenig später glich die Austria aus: Kehat feierte dabei seine violette Tor-Premiere mit einem Schuss aus 18 Metern unter die Latte (11.).

Doppeltes Feuerwerk

Vier Minuten durften die Fans danach durchatmen, ehe die Rieder abermals jubelten: Trauner hebelte mit einem Pass die Abwehr der Wiener aus, Murg lief allein aufs Tor und ließ Goalie Hadzikic keine Chance – 2:1.

Bei den Austria-Fans brannten sodann die Sicherungen durch, sie warfen Feuerwerkskörper auf das Feld, worauf Schiri Harkam die Teams in die Kabinen schickte. Kaum zurück auf dem Feld, lag Austrias Kayode im Strafraum auf dem Boden, gefoult von Reifeltshammer. Gorgon glich per Elfer zum 2:2 aus .

In Spiellaune

Die technisch fein kombinierenden Rieder ließen sich nicht aus dem Tritt bringen und gingen wieder in Führung, weil Windbichler Hart foulte und Elsneg den Strafstoß zum 3:2 verwandelte (32.). Die in der Defensive fehlerhafte und indisponierte Austria konterte mit zwei Lattenschüssen von Rotpuller und Gorgon, quasi als Schlusspunkte einer wunderbaren ersten Hälfte – aus Rieder und neutraler Sicht.

Auch die vorgeschriebene Pause konnte dem Spiel nicht den Schwung nehmen, es blieb unterhaltsam. Hier die Austria, die durch Gorgon per Kopf die Stange und im Nachschuss durch Kehat die Latte traf. Dort effektive Rieder, die aus einem Konter nach einem Rotpuller-Blackout durch Jung-Papa Murg auf 4:2 erhöhten.

Ebenfalls aus einem Konter hätte Kayode verkürzen können, doch sein Zögern vor dem Tor drückte den kleinen, aber doch feinen Unterschied zwischen Austrianern und Riedern aus. Denn die Austria machte in der Offensive keine schlechte Figur und hatte weitere gute Möglichkeiten durch Gorgon oder Kayode. Nur in der Abwehr öffnete man dem Gegner eben Tür und Tor, die gnadenlosen Oberösterreicher wussten dies zu nutzen.

Am Mittwoch empfängt die Austria daheim in der Generali-Arena Sturm Graz, derzeit Vierter der Tabelle.

Ried - Austria 4:2 (3:2)

Ried, Keine-Sorgen-Arena, Sonntag, 3.231, SR Harkam

Tore:
1:0 ( 7.) Trauner
1:1 (11.) Kehat
2:1 (15.) Murg
2:2 (22.) Gorgon (Foul-Elfmeter)
3:2 (32.) Elsneg (Foul-Elfmeter)
4:2 (54.) Murg

Ried: Gebauer - Janeczek, Reifeltshammer, Filipovic - Bergmann, Polverino, Kragl (81. Streker) - Hart (86. Gavilan), Trauner, Murg - Elseng (66. Walch)

Austria: Hadzikic - F. Koch, Rotpuller, Windbichler, Salamon - Holzhauser, A. Grünwald - Meilinger (71. De Paula), Kehat (71. Friesenbichler), Gorgon - Kayode

Gelbe Karten: Murg, Trauner, Filipovic bzw. Friesenbichler

Paul Gludovatz (Ried-Trainer): "Wenn das Spiel 5:5 ausgeht, ist es für das Publikum auch in Ordnung, aber wir nehmen die zwei zusätzlichen Punkte gerne mit. Die Austria hat uns mit Tempofußball zu Fehlern gezwungen, dann hat sich ein interessantes Spiel entwickelt. Wir waren letztendlich glücklich, schade aber, dass wir nicht das fünfte Tor gemacht haben."

Thorsten Fink (Austria-Trainer): "Das Spiel ist einfach zu analysieren: Der Gegner hat uns ausgekontert, dabei haben wir uns schlecht verhalten. Beide Teams haben leidenschaftlich gekämpft. Wir haben unsere Chancen nicht genutzt, Ried schon. Wir wären gerne schon am Mittwoch Herbstmeister geworden. Es ist ein bisschen bitter, weil auch Salzburg Punkte verloren hat."