Nummer 1 in Asien: Ein Tiroler schreibt mit einem Wüstenklub Geschichte

Alexander Hauser gewann als Co-Trainer von Al-Ahli zum zweiten Mal die asiatische Champions League. Sein Chef ist ein früherer Salzburger Meistermacher.
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Als Alexander Hauser im Juli 2024 nach Dschidda übersiedelte, hatten manche schon die Befürchtung, seine Trainerkarriere würde versanden. Die Saudi Pro League hat vielerorts noch immer den Ruf, nichts weiteres als eine Spielwiese für abgetakelte Altprofis zu sein, die sich vor dem Karriereende noch einmal einige Petro-Millionen dazuverdienen.

 „Auch ich hatte manche Vorurteile“, gibt Hauser zu, „aber viele Dinge präsentierten sich hier ganz anders. Es war definitiv der richtige Schritt.“

Alexander Hauser mit der begehrten Trophäe

Alexander Hauser durfte zum zweiten Mal die Champions-League-Trophäe in Händen halten

Großer Triumph

Wie viele österreichische Fußballtrainer können schon von sich behaupten, die AFC Champions League-Trophäe in die Höhe gestemmt zu haben? Das Pendant in Asien zum begehrten UEFA-Champions-League-Pokal.

Riesenleistung

Alexander Hauser gelang dieser große Coup nun schon zum zweiten Mal. Als Co-Trainer von Al-Ahli bejubelte der 41-jährige Tiroler am vergangenen Wochenende den 1:0-Finalsieg des saudischen Traditionsvereins aus Dschidda gegen den japanischen Klub Machida Zelvia.

„In Europa ist die Champions League sicher größer aufgezogen, aber am asiatischen Kontinent ist das schon eine große Sache. Dieser Titel hat einen enormen Stellenwert“, erzählt Hauser.

Alexander Hauser beim Bus-Korso nach dem Gewinn der Trophäe

Alexander Hauser beim Bus-Korso nach dem Gewinn der Trophäe

Euphorie

Anders als in den Emiraten herrscht in Saudi Arabien eine riesige Fußballeuphorie. Zu den Heimspielen von Al-Ahli kommen über 40.000 Fans ins King Abdullah Sports City Stadium, nach dem Triumph in der Champions League gab’s in der Millionenstadt am Roten Meer einen kilometerlangen Autokorso.

 „Wir sind mit offenen Bussen die Küstenstraße entlang gefahren. Es war die Hölle los“, sagt Alexander Hauser.

Der frühere Salzburger Meistermacher Matthias Jaissle führte Al-Ahli zum zweiten Mal zum Sieg in der Asiatischen Champions League

Der frühere Salzburger Meistermacher Matthias Jaissle führte Al-Ahli zum zweiten Mal zum Sieg in der Asiatischen Champions League

Salzburger Meistermacher

Der frühere Bundesligaspieler (Innsbruck, Pasching, Wiener Neustadt) war im Sommer 2024 dem Lockruf von Matthias Jaissle nach Saudi Arabien gefolgt. An der Seite des Deutschen wurde Alexander Hauser 2022 und 2023 mit Salzburg österreichischer Meister – es waren bis heute die letzten Trophäen für die Roten Bullen.

Reifeprozess

Die Erfahrungen, die der 41-jährige Jungtrainer in Saudi Arabien sammeln darf, sind unbezahlbar – und fast wichtiger als die ersten Lehrjahre in Salzburg. 

„Es war dort prägend und super, aber in Salzburg hat es eben nur den einen Weg mit den jungen Spielern gegeben. Hier arbeiten wir jetzt mit Stars zusammen und müssen uns an die Gegebenheiten anpassen, die Kultur, die Religion, die Sprache. Ich habe mich als Trainer extrem weiterentwickelt.“

Die Al-Ahli-Fans hatten wieder Grund zum Jubeln

Die Al-Ahli-Fans hatten wieder Grund zum Jubeln

Und das gilt auch für den Fußball in Saudi Arabien. Im Schatten der Stars rund um Cristiano Ronaldo (Al-Nassr), Darwin Nunez (Al-Hilal) oder auch Ryad Mahrez (Al-Ahli) drängen auch die Spieler des WM-Teilnehmers ins Rampenlicht. Beim 1:0-Finalsieg von Al-Ahli in der Champions League standen neun saudische Kicker in der Startelf.

„Es war ein großer Schritt, aber ich bekomme mit diesen Erfolgen gerade viel zurück“, sagt Alexander Hauser. Seine Familie ist in Tirol geblieben, der Blick aufs Bankkonto entschädigt für so manche einsame Stunde. „Natürlich hat dieser Job seinen Preis. Wenn ich es bereut hätte, dann wäre ich jetzt nicht mehr da.“

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